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Meine Stadt Hannover: Integration im Callcenter
Hannover Meine Stadt Hannover: Integration im Callcenter
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09:28 19.03.2019
Aheen Belal (von links), Khabat Alarbo und Waseem Asfour. Quelle: SAMANTHA_FRANSON
Hannover

„Die Integration der Flüchtlinge läuft besser als erwartet“, sagte vor wenigen Wochen Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Von mehr als einer Million Menschen, die vor allem seit 2015 nach Deutschland gekommen seien, hätten heute bald 400 000 einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, so Kramer: „Ich bin selbst überrascht, dass das so schnell geht.“

Ohne Unternehmen, die oft neue Wege beschreiten, um Geflüchteten eine Chance zum Einstieg in den Arbeitsmarkt zu geben, wäre das kaum möglich. Bereits seit 2015 engagiert sich die Deutsche Telekom als Gründungsmitglied der Wirtschaftsinitiative „Wir zusammen“ in der Flüchtlingshilfe. „Anfangs haben wir für kostenloses W-Lan in den Erstaufnahmeeinrichtungen gesorgt“, sagt Telekom-Sprecherin Katja Werz. Seit zwei Jahren liege der Fokus auf Arbeitsmarktintegration – auch am Standort in Hannover.

Neben Praktika – jährlich werden bis zu 100 Stellen gezielt an Flüchtlinge vergeben – und Ausbildungsplätzen, entwickelt sich das Programm „Praktikum plus Direkteinstieg“ dabei immer mehr zum Erfolgsmodell. Das Programm richtet sich an Bewerber, die in ihren Heimatländern bereits studiert oder eine Ausbildung abgeschlossen haben, deren Qualifikationen in Deutschland jedoch nicht anerkannt werden. Werz: „Eine Ausbildung wäre für diese Menschen das falsche Instrument.“ Vermittelt wurden beide Seiten von der AWO Region Hannover, die sich intensiv um die Integration von Flüchtlingen bemüht. Gabriele Schuppe von der AWO: „Das Programm ist eine Win-Win-Situation. Die Telekom kann für die Bereiche, in denen Personalmangel herrscht, neue Mitarbeiter gewinnen. Und die Flüchtlinge bekommen eine wirkliche Chance, sich im Job zu beweisen. Und das zu fairen Bedingungen.“

Von elf Praktikanten schafften acht den Direkteinstieg

Los geht es mit einem sechsmonatigem Praktikum, in dem die Flüchtlinge gezielt an eine Tätigkeit herangeführt werden. Danach folgt eine zweijährige Festanstellung. „Wir wollen den Geflüchteten in dieser Zeit wertvolle Berufserfahrungen vermitteln, mit denen sie sich anschließend bei uns oder einem anderen Unternehmen bewerben können“, so Werz. Von elf Praktikanten haben am Standort Hannover acht den Direkteinstieg geschafft. Khabat Alarbo (45) aus Nordsyrien war in seiner Heimat Gymnasiallehrer. Nun arbeitet er im Beschwerdemanagement der Telekom. Über sein Headset spricht der Syrer ruhig mit den Kunden, versucht ihre Probleme so gut es geht zu lösen. Zuhören und die Ruhe bewahren, sei das Wichtigste. „Am Ende sollen die Kunden immer zufrieden sein“, sagt er. Noch ist sein Deutsch gebrochen, aber Alarbo will weiterlernen, weil er weiß: „Deutsch ist der Schlüssel. Ohne diesen Schlüssel wird man nicht integriert.“ Doch er lernt auch, weil sein größter Traum ist, auch hier als Lehrer zu arbeiten.

Waseem Asfour (38) arbeitete bereits in Syrien für einen Telefonanbieter. „Diese Chance, hier qualifiziert arbeiten zu können, ist ein großes Geschenk. Niemand von uns möchte doch gerne arbeitslos sein und Geld vom Jobcenter nehmen. Wir alle wollen hier Fuß fassen.“ Auch Aheen Belal gehört zum Team der „Direkteinsteiger“. In Syrien studierte die 23-Jährige Elektrotechnik, nun setzt sie das Studium in Hannover fort. Das Geld dafür verdient sie bei der Telekom. Belal: „Am Anfang war es wegen der Sprachbarriere sehr schwierig mit den Kunden am Telefon zu sprechen. Aber wir bekommen viel Unterstützung. Jeder Kollege gibt einem das Gefühl willkommen zu sein.“ Und so steht für die 23-Jährige fest: „Nach dem Uni-Abschluss bleibe ich bei der Telekom. Hier fühle ich mich zu Hause.“

Von Britta Lüers