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Meine Stadt Initiative warnt vor Schließung von Roma-Unterkunft
Hannover Meine Stadt Initiative warnt vor Schließung von Roma-Unterkunft
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18:27 25.02.2019
EIN ZUHAUSE: Die ehemalige Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg wird derzeit von Roma bewohnt und soll nun offenbar geräumt werden.
EIN ZUHAUSE: Die ehemalige Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg wird derzeit von Roma bewohnt und soll nun offenbar geräumt werden. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Die Obdachlosenunterkunft in der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule im Burgweg 5 war lange Zeit in Verruf geraten. Die dort lebenden Roma-Großfamilien – teilweise waren es bis zu 125 Bewohner – schienen von Integration nicht viel zu halten und waren von der Sozialarbeit nur schwer zu erreichen. Auch die Kinder gingen zeitweilig nur unregelmäßig zur Schule.

Seitdem aber hat sich vieles geändert. Engagierte Sozialarbeiter, Pädagogen und andere Mitarbeiter der Einrichtung haben etwas Bewegung in die traditionell verkrusteten Strukturen gebracht. Sprachangebote und soziale Förderprojekte haben sich entwickelt, die jedoch nicht mehr als „zarte Pflänzchen“ sind, wie der Betreiber es ausdrückt.

Nun soll die Unterkunft jedoch geschlossen werden, wegen Baumängeln am denkmalgeschützten Gebäude. Die guten Ansätze könnten dadurch im Keim erstickt werden, befürchten die Helfer, die sich im „Freundeskreis Burg & Weg“ zusammengeschlossen haben und seit geraumer Zeit mit der betroffenen Klientel in unterschiedlichen Bereichen beschäftigt sind. Sie wollen die Unterkunft erhalten, allerdings als Modellprojekt einer integrierenden Einrichtung für Zuwanderer aus Südosteuropa.

Linke und Piraten unterstützen Projekt

Vorgestellt worden ist die Idee erstmals vor einem Jahr. Jetzt wird sie von der Gruppe der Linken und Piraten im Rat unterstützt. Deren Antrag auf Prüfung des Projekts durch die Stadt hätte gestern im Jugendhilfeausschuss erstmals behandelt werden sollen, wurde jedoch von der AfD zur Beratung in die Fraktion gezogen.

Für viele Bewohner sei das Gelände zu einem Zuhause geworden, einem sicheren Ort, von dem aus sie Vertrauen auch zu Menschen außerhalb ihrer Gemeinschaft haben aufbauen können, heißt es in der Projektbeschreibung des Freundeskreises. Die derzeit beabsichtigte Verteilung der Bewohner auf diverse Einrichtungen über das ganze Stadtgebiet würde diesen ersten Erfolgen die Basis entziehen.

Kleine Wohnungen statt Klassenräume

Auch in dem geplanten Projekt geht es um Unterkunft, aber zunächst nur für maximal acht Großfamilien, etwa 60 bis 80 Menschen und gegebenenfalls noch zwei deutschen Familien. Die Schulräume sollen dafür zu kleinen Wohneinheiten mit Sanitäreinrichtungen und Küchen umgebaut werden. Wobei auch die Bewohner in Zusammenarbeit mit Fachfirmen bei der Renovierung eingebunden werden sollen – auch dies in der integrativen Absicht, eventuelle Brücken in den Arbeitsmarkt zu bauen.

Bewohner sollen Beitrag leisten

Wesentlich ist die Einheit von Leben, Wohnen und Arbeiten vor Ort. Dazu beitragen sollen diverse Projekte auch zur Weiterbildung und Qualifizierung. „Wir verfolgen also die Idee der Etablierung von vielfältigen Bildungsangeboten direkt in die Lebenswelt der Familien vor Ort“, heißt es in der Projektskizze weiter. Grundlage sei ein Sozialpakt, in dem sich die Bewohner auch verpflichten, ihren Beitrag zu leisten, Kinder zur Schule zu schicken oder auch sich an berufsvorbereitenden Maßnahmen zu beteiligen. Die Qualifizierungsangebote sollen auch dazu geeignet sein, den Roma bei einer möglichen Rückkehr in die Heimat eine wirtschaftliche Perspektive zu geben, somit auch einen Anreiz zur Rückkehr bieten.

Die Initiative schlägt vor, Gebäude und Gelände gemeinsam mit der Stadt zu sanieren. Während einer Übergangszeit von mindestens fünf Jahre müsste die Stadt die Finanzierung des Projekts sicher stellen. Danach will der Freundeskreis das Objekt in Erbbaurecht erwerben und die vollständige Verantwortung übernehmen.

Von Andreas Krasselt