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Meine Stadt IGS Badenstedt fordert gerechtere Schülerverteilung
Hannover Meine Stadt IGS Badenstedt fordert gerechtere Schülerverteilung
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16:53 22.02.2019
GEMEINSCHAFT: Das Miteinander an der Schule ist für Christine Preuß (Mitte) wichtig, nicht nur beim Stockbrot backen beim Schulfest. Quelle: Foto: Wilde
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Hannover

Gegen das Stigma Brennpunktschule hat sich die IGS Badenstedt schon mehrfach und nachdrücklich gewehrt. Dennoch hofft die Schulleitung von dem Förderprogramm „Schule Plus“, in das sie das Land mit diesem Schuljahr aufgenommen hat, profitieren zu können. Weshalb sie ihr Schulfest am Freitag auch als Auftakt sieht.

„Wir müssen Schule neu denken“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Christine Preuß. Wobei dies nicht nur an die eigene Adresse gerichtet ist, sondern als Appell verstanden werden will. Schließlich denkt sich die IGS Badenstedt als inklusive Schule schon seit ihrer Gründung 2010 ständig neu. Daher: „Wir wollen uns, unsere Schule und unsere Schüler feiern“, betont Preuß den Sinn des Fests.

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„Es geht um Menschlichkeit.“

Inklusion sei seit dem ersten Tag Teil der Schule. Aktuell gibt es unter den 668 Schülerinnen und Schüler aus 38 Nationen rund 90 mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf in den Bereichen Lernen, Emotional-Soziale sowie Geistige Entwicklung als auch Hören und Sprache. In jeder Klasse gebe es wenigstens drei bis vier Förderschüler. „Wir leben Inklusion“, sagt Preuß. „Das ist eine Haltung. Es geht um Menschlichkeit, da ist nichts dran zu rütteln.“

Für die engagierten Pädagogen also eine Selbstverständlichkeit, die sie allerdings an ihre Leistungsgrenzen bringt. Insofern schließt sich Preuß der jüngst vorgebrachten Inklusionskritik an. Mehrere IGS-Leiter hatten in einem Brandbrief an die Landesregierung vor einem Scheitern der Inklusion gewarnt, sollte sie weiterhin primär auf den Schultern der Gesamtschulen lasten.

Denn das ist auch das Problem der IGS Badenstedt. „Inklusion muss Thema aller Schulformen sein“, fordert auch Preuß, „auch der Gymnasien. Es müsste grundsätzlich eine andere Verteilung stattfinden.“

Die Lehrer kommen an ihre Grenzen

An ihrer Schule käme einfach zu viel zusammen: Neben den Förderschülern auch Sprachlernschüler und Kinder, die aus anderen Schulformen abgeschult wurden. Allein für diese Gruppe mussten zwei Klassen eingerichtet werden, die spezielle Herausforderungen stellen. „Diese Schüler sind frustriert und ausgebrannt. Da kommen unserer Lehrer an ihre Grenzen.“

Der Unterricht in den Klassen müsse von den Lehrern so differenziert ausgearbeitet werden, dass er alle Niveaustufen erreiche. Förderschullehrer arbeiteten mit, auch andere pädagogische Fachkräfte. Doch gebe es davon nicht genug, oft müssten die Lehrer den Unterricht dann doch allein gestalten. „Das ist eine erhebliche Anstrengung und Belastung“, betont Preuß.

Von Andreas Krasselt