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Meine Stadt Hannover: Hunderte demonstrieren Solidarität mit jüdischen Gemeinden
Hannover Meine Stadt Hannover: Hunderte demonstrieren Solidarität mit jüdischen Gemeinden
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20:55 08.11.2019
Licht gegen Dunkelheit: Die entzündeten Kerzen bei den Solidaritätsveranstaltungen waren auch Zeichen für Frieden und Verbundenheit. Quelle: Dröse
Hannover

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle hat viele Menschen erschüttert. Auch in Hannover haben sich am Freitag an drei Orten viele Menschen versammelt, um ein Zeichen zu setzen, einen Ring der Solidarität zu bilden gegen Antisemitismus und Rassismus.

Dazu aufgerufen hatte der Rat der Religionen, auch als Zeichen, dass sich alle Religionen solidarisch zeigen. So erinnerte Stephan Vasel vom Stadtkirchenverband bei der ersten Versammlung vor dem jüdischen Zentrum Chabad Lubawitsch in Kleefeld daran, dass die Wurzel des Christentums im jüdischen Glauben in der evangelischen Kirche Verfassungsrang habe.

„Als Kirche haben wir eine zweifache Erfahrung gemacht“, sagte er. Neben dem positiven Dialog sei es aber auch „die dunkle Geschichte, dass wir dafür sehr lange Zeit gebraucht haben. Man muss aber nicht religiös sein, um mit uns ein Zeichen zu setzen.“

Kein Thema der Vergangenheit

Etwa 70 Menschen hatten sich zu diesem ersten Treffen am Nachmittag eingefunden, bei zweiten etwas später waren es bereits 250. Corinna Deutsch, selbst Pastorin, unterrichtet Religion an einer Berufsbildenden Schule. Aus ihrem Bekanntenkreis wusste sie von einem Jungen zu berichten, der als Jude in seiner Schule übel gemobbt wurde. Und das in Hannover. „Das ist kein Thema der Vergangenheit“, sagte sie, „sondern auch heute noch aktuell.“

Auch Bezirksbürgermeister Henning Hofmann war über die Vorfälle in Halle nicht überrascht. „Es gab Anzeichen seit vielen Jahren“, sagte er. „Ich bin dennoch zutiefst erschüttert.“ Antisemitismus ist noch immer verbreitet. Obwohl Juden seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands heimisch sind, was 2021 gefeiert wird.

Ein anderes Land?

Marc Simon, Repräsentant des Jüdischen Zentrums Chabad Lubawitsch, berichtete von seiner Großmutter Ruth Herzberg, die als Auschwitz-Überlebende zunächst nach Israel emigrierte. In den 60er Jahren aber kam sie zurück. „Sie glaubte, in ein anderes Land zu kommen, Deutschland eine zweite Chance geben zu wollen“, so Simon. „Es ist traurig, dass wir uns wieder Gedanken machen müssen, ob wir hier unsere Kinder großziehen können.“

Hunderte Menschen demonstrierten am Freitag bei drei Veranstaltungen ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden.

Während der Versammlung hielten die Teilnehmer brennende Kerzen in ihren Händen. Ein Symbol dafür, dass Licht über Dunkelheit siegen werde. Lichter werden auch am 22. Dezember wieder beim traditionellen Hanuka-Fest auf dem Opernplatz entzündet werden, und nicht nur Marc Simon hofft auf eine große Beteiligung. „Wir brauchen noch mehr Unterstützung“, mahnte er.

Finanziell gibt es die auch vom Stadtkirchenverband, da die Gefährdungslage alle jüdischen Einrichtungen zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen zwingt. „Wir haben beschlossen, uns ganz konkret an den Sicherungskosten zu beteiligen“, versprach Stephan Vasel.

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Von Andreas Krasselt

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