Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Umgang mit Köritzhof „verantwortungslos“
Hannover Meine Stadt Hannover: Umgang mit Köritzhof „verantwortungslos“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 27.04.2019
EMPÖRT: Bezirksbürgermeister Henning Hoffmann vor dem “Köritzhof“. Vor wenigen Tagen wurde der notdürftig geflickt. Ein Brett ist schon wieder abgefallen. Quelle: Foto: Wilde
Anzeige
Hannover

„Es hilft nur noch eine Zwangsenteignung. Ansonsten ist der Köritzhof endgültig verloren.“ Es sind drastische Worte von Bezirksbürgermeister Henning Hofmann (SPD). Bereits vor knapp zwei Jahren hatte der SPD-Politiker diese radikale Idee zur Rettung des Köritzhofs, dem ältesten Bauernhof Hannovers, ins Spiel gebracht. Passiert ist seitdem wenig. Und so verfällt das denkmalgeschützte Gebäude an der Pinkenburger Straße in Groß-Buchholz weiter, Anwohner klagen zudem über eine Rattenplage auf dem Grundstück.

„Der Verfall dieses bedeutenden historischen Gebäudes im alten Ortskern nervt nur noch“, so Hofmann. Mehrfach hat sich der Bezirksrat Buchholz-Kleefeld bereits mit der Immobilie, die im Besitz eines betagten Mannes, der in Hessen lebt, beschäftigt. Nicht nur weil Nachbarn Schäden fürchteten, sondern auch, weil die Denkmalschützer in Stadt und Land ein einzigartiges Bauwerk verfallen ließen. Zu Jahresbeginn unternahm der Bezirksrat einen erneuten Anlauf, forderte eine Anhörung der Landesdenkmalschutzbehörde im Bezirksrat sowie einen Sachstandsbericht der Verwaltung zum Köritzhof. Ebenso wurden von der Stadt Antworten auf die Frage, wann eine Enteignung in Betracht gezogen werden könnte, verlangt. Bezirksbürgermeister Hofmann: „Die Verwaltung sowie die Denkmalschutzbehörde konnten bisher nicht glaubhaft darlegen, dass alle nötigen und möglichen Schritte unternommen wurden, um den Köritzhof zu erhalten.“

Anzeige

Eigentümer sei für Erhalt verpflichtet

Vor wenigen Tagen erhielt Hofmann nun einen Brief des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege. Darin heißt es: „Im Auftrag der Präsidentin Christina Krafczyk darf ich Ihnen mitteilen, dass wir nicht beabsichtigen, an der von Ihnen geplanten Sitzung des Bezirksrates teilzunehmen.“ Man begrüße aber das „offensichtliche Interesse an der Problematik des Erhalts“, zum Erhalt sei jedoch gesetzmäßig der Eigentümer verpflichtet. „Dieser Brief und die Absage der Behörde, sich aktiv am Erhalt des Köritzhof zu beteiligen, ist ein starkes Stück“, so Hofmann. Noch immer ist ihm die Wut darüber anzuhören. Den Umgang des Landesamtes mit einem Denkmal wie dem Köritzhof nennt der SPD-Mann „schnodderig und verantwortungslos“.

Während das Ordnungsamt vor wenigen Tagen Rattenköder vor dem historischen Hof aufgestellt hat, schickte der Eigentümer am vergangenen Freitagabend offensichtlich Helfer zum Köritzhof. Sie kürzten nicht nur das meterhohe Gestrüpp vor dem Gebäude, sondern zimmerten auch Risse an den Außenwänden zu. Offenbar etwas unmotiviert. Ein Brett ist mittlerweile wieder abgefallen.

Von Britta Lüers