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Meine Stadt Hannover: Hilfsprojekt für Gelbbauchunke war erfolgreich
Hannover Meine Stadt Hannover: Hilfsprojekt für Gelbbauchunke war erfolgreich
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00:22 30.03.2018
BEDROHT: Das Projekt zur Stärkung und Vernetzung der Gelbbauunke war erfolgreich. Auch das Sealife in Herrenhausen war daran beteiligt, in dem dort Kaulquappen herangezüchtet wurden.
BEDROHT: Das Projekt zur Stärkung und Vernetzung der Gelbbauunke war erfolgreich. Auch das Sealife in Herrenhausen war daran beteiligt, in dem dort Kaulquappen herangezüchtet wurden. Quelle: Foto: Kutter
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HANNOVER

Mit ihrer Körperlänge von 3,5 bis 5,6 Zentimetern gehört sie zu den kleinsten Froschlurchen, doch steht die Gelbbauchunke stellvertretend für Artenvielfalt. Wo sie lebt, gibt es ein breites Spektrum so genannter Begleitarten. Aber sie lebt in unsicheren Zeiten.

Bundesweit steht der „Lurch des Jahres 2014“, der seinen Namen von der Färbung seiner Unterseite hat, auf der Roten Liste der stark gefährdeten Arten. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ist er sogar vom Aussterben bedroht. Deshalb hat der Nabu Niedersachsen vor sechs Jahren das Projekt „Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland“ initiiert, das nun erfolgreich mit einer Tagung in Hannover abgeschlossen wurde. „Es hat nachweisbar etwas gebracht“, so Projektleiter Thomas Kutter.

Die Initialzündung kam aus Schaumburg. „Dort hatte der Kreisverband im Rahmen einer Kartierungsaktion die Population gezählt“, berichtete Nabu-Landesvorsitzender Holger Buschmann. „Man kam auf 24 Tiere.“ Das hieß Handlungsbedarf. Heute leben dort wieder mehr als 1000.

Das Projekt sei zweigleisig konzipiert gewesen, erklärte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Prof. Beate Jessel. Zum einen seien restliche ursprüngliche Lebensräume renaturiert worden. „Andererseits wurden Ersatzlebensräume optimiert und langfristig gesichert.“

Die Gelbbauchunke braucht kleine, flache Tümpel, in denen sie laichen kann. Für den genetischen Austausch ist es wichtig, dass die einzelnen Tümpel nicht zu weit entfernt voneinander liegen. Im Rahmen des Projekts wurden nun mehr als 7000 Amphibiengewässer angelegt, auch als Trittsteine, um die Gebiete zu vernetzen.

Der Nabu hat dafür 162,2 Hektar Flächen angekauft. Doch auch die Zusammenarbeit mit Gewerbebetrieben und der Bundeswehr war hilfreich. Denn temporäre Pfützen in Steinbrüchen sind für die Lurche genauso nützlich wie tiefe Reifenspuren auf Truppenübungsplätzen.

So ist eine wichtige Erkenntnis des Projekts auch, „dass wirtschaftliche Entwicklung und Artenschutz kein Widerspruch sein muss“, so Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies. Durch laufenden Abbaubetrieb entstünden immer wieder neue Habitate. Viele Betriebe seien engagiert dabei, betonte auch Kutter. „In einigen Steinbrüchen gibt es sogar Unkenbeauftragte.“

Insgesamt hat das Projekt 3,6 Millionen Euro gekostet, 2,6 Millionen kamen vom Bund, 500 000 Euro hat der Nabu beigesteuert. Die Arbeit wird durch ein EU-Life-Projekt fortgeführt, das weitere Arten und Regionen umfassen wird. Vielleicht wird so die Gelbbauchunke auch in einigen Jahren in der Region Hannover auftauchen.

Von Andreas Krasselt