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Meine Stadt Vorbestrafter Pädophiler missbraucht Jungen via Skype
Hannover Meine Stadt Vorbestrafter Pädophiler missbraucht Jungen via Skype
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11:21 26.03.2019
Symbolfoto. Quelle: dpa
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HANNOVER

Mit seinem runden Gesicht und dem grauen Vollbart sieht Alexander B. (47) wie der nette Onkel von nebenan aus. Doch das ist er nicht. Am Montag wurde er wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen und des Besitzes von kinderpornografischen Dateien im Landgericht zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte hatte via Skype Kontakt zu einem zwölfjährigen Jungen aufgenommen.

„Ich war damals der Meinung, dass ich mich unter Kontrolle habe, das war nicht der Fall“, entschuldigte sich Alexander B. bei seinem Opfer und den Eltern. Im Nachhinein sei er selbst erschrocken über seine Taten. Denn bereits 2010 und 2013 wurde der Heilpädagoge wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu Gefängnisstrafen verurteilt.

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Angeklagter stand unter Bewährung

Anfang 2018 stand B. noch unter Bewährung und Führungsaufsicht. Doch das hinderte ihn nicht im Internet, den Kontakt zu Jungen zu suchen. Geschickt baute er unter einem Pseudonym Vertrauen zu Sascha (Name geändert) auf. Dann habe er „Stück für Stück drehbuchartig“ die sexuellen Handlungen inszeniert, so Staatsanwalt René Jouran. Die Taten ereigneten sich vom 4. Januar bis 14. Januar 2018. Sein Opfer „belohnte“ der Heilpädagoge mit Gutscheinen. Zu einem geplanten Treffen mit dem Jungen kam es nicht mehr. Dazu meinte der Staatsanwalt: „Es war sein ernsthaftes Anliegen, dass er mehr haben wollte, als er bereits von dem Jungen bekommen hatte.“

Mit seinem Geständnis ersparte der Angeklagte seinem Opfer die Aussage vor Gericht. In einem Brief an das Gericht baten die Eltern darum, den Jungen vor dem Prozess zu bewahren. „Unserem Sohn geht es gut. Er nimmt am sozialen Leben teil und schläft gut“, schrieb die Mutter. Da ihm die Sache „peinlich“ sei, möchte er nicht vor Gericht aussagen. Die Eltern sind optimistisch, dass ihr Kind keine bleibenden Schäden davon tragen werde.

Schmerzensgeld gezahlt

Der Angeklagte zahlte 500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer. Das Gericht wertete das im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs als strafmildernd. Eine Bewährungsstrafe sei trotzdem ausgeschlossen gewesen, so Richter Stefan Lücke. Denn Alexander B. sei einschlägig vorbestraft und habe während der neuerlichen Straftaten unter Bewährung und Führungsaufsicht gestanden. Dazu Anwalt Dirk Schoenian: „Mein Mandant erwartet nicht, dass er Bewährung bekommt.“

Von Thomas Nagel