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Meine Stadt 57-Jähriger entblößt sich und schlägt Kellner in Biergarten
Hannover Meine Stadt 57-Jähriger entblößt sich und schlägt Kellner in Biergarten
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18:29 26.04.2019
Quelle: Foto: dpa
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HANNOVER

Solche Gäste wie Wolfgang W. (57) braucht kein Gastwirt. Im Biergarten der „Insel“ am Maschsee, entblößte der Mann zunächst sein Geschlechtsteil. Als er dann von einem Kellner (24) freundlich hinaus begleitet wurde, schlug W. zwei Mal zu. Mit der Faust ins Gesicht.

Wegen Körperverletzung verurteilte den Angeklagten am Freitag zu einer Geldstrafe von 1000 Euro (100 Tagessätze). Darin ist auch noch eine Strafe wegen Diebstahls geringwertiger Sachen (Tüte Weingummi für 1,09 Euro) enthalten.

Angeklagter ein armer Teufel

Wolfgang W. ist einer armer Teufel: Er leidet unter Angststörungen, einem heftigem Tremor (Zittern) der Arme und er ist arbeitslos. Mit dünner Stimme entschuldigte sich der Angeklagte bei seinem Opfer. „Ich war betrunken, ich kann mich an nichts mehr erinnern. Ich schäme mich sehr.“ Am 1. August 2018 habe der Mandant seine Arbeit verloren, darüber sei er sehr traurig gewesen, sagte Anwältin Tanja Brettschneider. Über den Job habe er versucht, wieder Fuß in der Arbeitswelt zu fassen. Die Pläne platzten.

Kellner spricht von „Bekleidungsunfall“

Also griff W. zum Alkohol und ging zum Maschseefest. Er trank eine Flasche Averna (Bitterlikör) und Bier. Im Biergarten des Restaurants lief er mehrmals am Tag auf. Der Kellner sprach am Freitag von einem „Bekleidungsunfall“ des Gastes. Soll heißen: Der angetrunkene Angeklagte trug nur eine Boxershorts. Gegen 19 Uhr gingen dann die Pferde mit ihm durch. Er zog sich die Shorts so hoch, dass sich sein Geschlechtsteil seinen Weg bahnte. Die Aufforderung des Biergarten-Chefs: „Eier einpacken!“, ignorierte der ungebetene Gast. Die meisten Gäste amüsierte das freizügige Verhalten. „Ein paar ältere Damen fanden das witzig“, sagte der Kellner aus. Da man aber eine Familie mit Kinder erwartete, sei der leicht bekleidete Gast hinaus begleitet worden.

Faustschlag ist keine Bagatelle

Richter Simon Schnelle meinte: „Ein Faustschlag ist keine Bagatelle.“ Mit der Geldstrafe sei der Angeklagte gut bedient, da er wegen Körperverletzung unter Bewährung stehe. Vor fünf Jahren hatte Wolfgang W. eine Busfahrerin angegriffen, weil sie nicht schnell genug die Bustür geöffnet hatte. Anwältin Brettschneider: Die Vorfälle am Maschsee hätten ihm solche Angst gemacht, dass er sich zu einer stationären Therapie entschlossen habe.

Von Thomas Nagel