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Meine Stadt Sexuelle Belästigung bei der Regionsverwaltung?
Hannover Meine Stadt Sexuelle Belästigung bei der Regionsverwaltung?
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15:10 14.09.2018
Das Regionshaus an der Hildesheimer Straße.
Das Regionshaus an der Hildesheimer Straße. Quelle: Gerrit Pfennig
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Hannover

Was ist denn im Regionshaus los? Ein Ausbilder der Region Hannover soll eine Mitarbeiterin sexuell belästigt haben. Regionspräsident Hauke Jagau sprach dem Mann wegen „groben Fehlverhaltens im Dienst“ bereits die fristlose Kündigung aus. Jedoch ohne große Wirkung. Der Mann ist weiterhin in Lohn und Brot, denn der Gesamtpersonalrat verweigerte die notwendige Zustimmung zum Rauswurf. Das Brisante: Der Ausbilder ist selber Mitglied in diesem Gremium.

Um die Kündigung wirksam werden zu lassen, hätte der Personalrat die Immunität des Mitgliedes aufheben müssen. Stattdessen sprach man sich für eine Versetzung des Mannes aus. Doch die anrüchige Geschichte geht noch weiter: Inzwischen hat der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats sein Amt niedergelegt, er wollte die Entscheidung des Gremiums nicht mittragen. Da sich Regionsverwaltung und Personalrat nicht einigen konnten, geht der Fall jetzt vor das Verwaltungsgericht. Eine Entscheidung steht aber noch aus.

Derweil knirscht es hinter den Kulissen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. „Die Regionsverwaltung verfolgt in Fällen sexueller Belästigung eine Null-Toleranz-Strategie“, erklärt Regionssprecherin Christina Kreuz die Entscheidung pro Kündigung. „Dass sich der Gesamtpersonalrat angesichts der geschilderten Gegebenheiten gegen eine fristlose Kündigung stellt, ist beschämend und aus Sicht der Dienststelle nicht mit falsch verstandener Solidarität zu entschuldigen.“

Der Ausbilder selbst ist zurzeit von der Arbeit freigestellt – heißt: Er braucht nicht zur Arbeit kommen, erhält aber weiterhin Gehalt. Die juristischen Ermittlungen gegen ihn laufen jedoch bereits. „Die Region hat Anzeige erstattet“, bestätigt Oberstaatsanwalt Thorsten Klinge. Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen sexueller Belästigung, die Polizei befrage Zeugen und vernehme den Beschuldigten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem Mann – unabhängig von einer Kündigung – bei Verurteilung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren, so Klinge.

Von Simon Polreich