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Meine Stadt Hannover: Vergewaltigungsvorwurf – Freispruch für Pflegevater
Hannover Meine Stadt Hannover: Vergewaltigungsvorwurf – Freispruch für Pflegevater
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16:33 19.03.2019
Foto: Steffen/dpa
HANNOVER

Mit zornigem Gesicht verließ Daniel Meyer (56, Name geändert) den Gerichtssaal. Von Freude über den Freispruch vor der 1. Jugendkammer keine Spur. Bei dem Lkw-Fahrer überwiegt wohl immer noch die Wut über die Anklagevorwürfe. Der Mann sollte seine Pflegetochter im Alter von elf Jahren in Hess.-Oldendorf (Kreis Hameln) mehrfach vergewaltigt haben. Das Besondere an dem Prozess: Der Missbrauch habe sich im Jahr 2000 zugetragen.

„Wir konnten die angeklagten Taten nicht feststellen“, so Richter Stefan Lücke. Dazu hätten sich die Aussagen der Pflegetochter bei der Polizei, bei einer Psychologin und vor dem Landgericht Hannover zu sehr unterschieden. Die mittlerweile 30-jährige Frau hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. An ihren detailarmen Erinnerungen ließen sich die Taten nicht konkretisieren, urteilte das Gericht.

Opfer scheint glaubwürdig

Eine Psychologin (63) hatte den Aussagen des vermeintlichen Opfers Glauben geschenkt. Sonst wäre es nicht zum Prozess gekommen. Doch am Dienstag konnte die Sachverständige nicht ausschließen, dass die Ex-Frau des Angeklagten der Pflegetochter die Aussagen in den Mund gelegt habe. „Suggestive Einflüsse sind nicht zurückzuweisen“, so die Psychologin.

Zu Beginn des Prozesses hatte der Angeklagte eingeräumt, Fehler gemacht zu haben. Nach der Trennung von seiner Frau verbrachte die Pflegetochter die Wochenenden bei ihm. Und das Mädchen war frühreif. Vielleicht wollte sie an die Stelle der Ex-Frau treten. Doch anstatt ihr Grenzen zu setzen, bestärkte Daniel Meyer noch das Kind in seinem sexuellen Drängen. Er gab freizügige Antworten auf ihre Fragen, ließ sie in seinem Bett schlafen, zog sich mit ihr in einer Schwimmbad-Kabine um.

Übergriffe nach Scheidung

Die Taten sollten sich von Januar bis April 2000 zugetragen haben; sie begannen unmittelbar nach der Scheidung des Angeklagten. Im April 2000 wurde ihm der Umgang mit dem Kind seitens des Jugendamtes verboten. Doch in den Akten des Jugendamtes des Landkreises Hameln tauchen keine Vergewaltigungsvorwürfe auf. Auch den Lehrern des Kindes sind diese Vorwürfe unbekannt. Nicht mal die Pflegemutter konnte sich an die Schilderung sexueller Übergriffe seitens des Mädchens erinnern.

Polizei leitet Ermittlungsverfahren ein

So richtig in Fahrt kamen die Ermittlungen erst 2016. Der Angeklagte hatte die Adresse seiner Pflegetochter ausfindig gemacht. „Ich wollte wissen, wie es ihr ergangen ist“, rechtfertigte er den Anruf. Doch die Frau wollte nichts von ihm wissen. Bei der Polizei wollte sie ein Kontaktverbot erwirken. Dabei kamen die Vergewaltigungsvorwürfe zur Sprache. Die Polizei leitete von Amtswegen ein Ermittlungsverfahren ein.

Gibt es eine Erklärung für die ungeheuerlichen Vorwürfe der Pflegetochter? Im Gutachten der Psychologin heißt es, dass das Mädchen „Enttäuschungen auf Andere projeziere“. Das Kind stammte aus zerrütteten Familienverhältnissen. Die Mutter war Alkoholikerin, die Eltern trennten sich. Exakt dasselbe passierte in der Pflegefamilie. Der Angeklagte wandte sich von seiner Frau, einer rückfälligen Alkoholikerin, ab. Richter Lücke: „Bis zu Trennung der Pflegeeltern gab es nichts Ungewöhnliches. Dann beginnt das Mädchen die Dinge zu verarbeiten – bis hin zu Pseudoerinnerungen.“

Opfer-Anwältin prüft Revision

Die Opfer-Anwältin will sich mit ihrer Mandantin beraten, ob sie Revision gegen das Urteil einlegen will. Staatsanwältin und Verteidiger hatten am Dienstag Freispruch beantragt.

Von Thomas Nagel

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