Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Gelage auf dem Spielplatz – Anwohnerin klagt
Hannover Meine Stadt Gelage auf dem Spielplatz – Anwohnerin klagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:01 27.11.2018
BOLZPLATZ ZU LAUT: Richter Andreas Kleine-Tebbe (links) bei der Verhandlung auf dem Spielplatz.
BOLZPLATZ ZU LAUT: Richter Andreas Kleine-Tebbe (links) bei der Verhandlung auf dem Spielplatz. Quelle: Foto: Frankenberg
Anzeige
Hannover

Weil sie der Lärm vom Spielplatz vorm Haus stört, hat eine Frau aus Kirchrode jetzt die Stadt verklagt. Dabei geht es ihr nicht um den üblichen Spielplatzlärm, sondern um die „missbräuchliche Nutzung“. Am Mittwoch verhandelte Richter Andreas Kleine-Tebbe den Fall – statt auf Holzbänken und Richterstuhl zwischen Sandkasten und Wippe.

Ortstermin in Kirchrode. In den Abendstunden, wenn sich der übliche Spielbetrieb legt, geht es auf dem Spielplatz Lange-Feld-Straße erst so richtig los, beschrieb Wolfgang Neumann, Anwalt der Klägerin. Dann fahren junge Erwachsene mit Rädern und Autos vor und machten „richtig Bambule“. Erst werde lautstark auf dem Grün zwischen den beiden Toren gebolzt, „mit Pfeife und Schiedsrichter“. Nach Einbruch der Dunkelheit kommen dann laute Musik und Alkohol sowie wildes Urinieren in die Büsche hinzu – wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt, so der Anwalt der Anwohnerin, die wegen einer Reise selbst nicht zum Termin erscheinen konnte.

Kleinere Tore, kleinerer Lärm?

Seit 2014 versucht die Frau, gegen diese „missbräuchliche Nutzung“ vorzugehen. Die Verwaltung hatte ihrerseits einige Vorschläge zur Beruhigung der Lage gemacht, sogar kleine bauliche Maßnahmen umgesetzt. Besser wurde die Situation dadurch nicht, so die Klägerin.Richter Kleine-Tebbe musste sich also selbst ein Bild machen.

Beim Ortstermin haben die Beteiligten zunächst mehrere Möglichkeiten durchgespielt. Könne man die Fußballtore von der Wohnbebauung weg, näher an die viel befahrene Ottweilerstraße verlegen? Die Vertreter der Stadt verneinten: Dann würde der Ball häufig auf die Straße fliegen. Ein Ballfangzaun komme auch nicht in Frage, warf der Richter ein – gegen den Zaun knallende Bälle erhöhen den Lärmpegel nur. Auch der Vorschlag, kleinere Tore aufzustellen, um den Platz für größere Nutzer unattraktiv zu machen, schied aus. Auch Kinder – vor allem die mit Torwarthandschuhen – spielten lieber mit großen Toren.

Doch die Richtung stimmte – und führte schließlich zum vorläufig erfolgreichen Vergleich. Die Stadt erklärte sich bereit, die Tore etwas vom Haus der Klägerin weg, aber vor allem rund zehn Meter enger aneinanderzustellen, um Erwachsenen das Spielfeld unattraktiv zu machen. Zudem werde der Anwohnerin eine Telefonnummer gegeben, mit der sie den städtischen Ordnungsdienst alarmieren könne. Ob der Vergleich von der Klägerin tatsächlich angenommen wird, bleibt abzuwarten – bis sie aus dem Urlaub zurückkehrt.

Von Simon Polreich