Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Fast fünf Jahre für Einbrecher
Hannover Meine Stadt Hannover: Fast fünf Jahre für Einbrecher
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:01 27.03.2019
Foto:
Foto: Quelle: dpa
Anzeige
HANNOVER

Albert M. (34) und Christina W. (35) sind schon ein seltsames Paar. Um ihre Drogensucht zu finanzieren, brechen sie ein und stehlen. Christina W. bewahrte die Geburt ihres zweiten Kindes vom Angeklagten vorerst vor dem Gefängnis. Ihr Mann hatte nicht so viel Glück. Er wurde jetzt wegen Einbruchs und Diebstahl in neun Fällen im Landgericht Hannover zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Die Taten ereigneten sich von Mai bis Juli 2018.

Ins Gefängnis muss er trotzdem nicht mehr. Richter Stefan Joseph schickte den heroinsüchtigen Mann in den Maßregelvollzug. Hält er die Therapie durch, könnte er in zwei Jahren wieder auf freiem Fuß sein.

Bemerkenswert sind die Beutezüge des Pärchens, weil sie in Wohnungen einstiegen, als ihre Opfer schliefen. So zum Beispiel am 4. Juli 2018 in Wettbergen: Weil die Balkontür auf Kipp stand, war es ein Leichtes für Albert M., dort einzusteigen. Gegen 6 Uhr morgens stellten die Mieter, ein älteres Ehepaar, fest, dass Schmuck, Laptop und Geld fehlte.

Eines der Opfer stellte sich schlafend

Anfang Juli stiegen die beiden auch in ein Ricklinger Altenheim ein. Irma Rohde (83, Name geändert) wurde wach. Mutig fragte sie: „Was machen Sie da?“. Die Einbrecher flohen. Vorher nahmen sie noch einen Kosmetikbeutel und Parfüm mit. In einem anderen Fall leuchtete Albert M. seinem Opfer mit der Taschenlampe ins Gesicht. Die Frau stellte sich schlafend.

Einige Stücke der Diebesbeute konnte die Polizei in Pfandhäusern wiederfinden. Weitere Diebesbeute konnte bei zwei Hausdurchsuchungen sichergestellt werden. Kuriosum am Rande: Christina W. nahm zu einem Einbruch in ein Altenheim eine Louis-Vitton-Tasche mit, das zeichneten Video-Kameras auf. Die Tasche stammte aus einem Autoaufbruch im Juni 2018.

Staatsanwältin Kathrin Söfker forderte sechs Jahre und neun Monate Haft für Albert M. Sie bezeichnete den Lebenslauf des Angeklagten als eine „Geschichte des Scheiterns“. Früher Drogenkonsum, kein Beruf, viele Vorstrafen. Ein Leben, das aus Drogen und Delinquenz besteht. Nicht mal die Geburt seines ersten Kindes habe ihn zur Abstinenz gebracht. Sie forderte eineinhalb Jahre Gefängnis „Vorabvollzug“, bevor Albert M. in den Maßregelvollzug geht.

Anwältin Tanja Brettschneider konnte die Haftzeit verhindern. Sie verwies darauf, dass ihr Mandant zur Tatzeit in einem sehr schlechten Zustand war. „Er hatte damals Crack geraucht.“ Der Angeklagte hatte bis auf zwei Einbrüche alle Taten gestanden.

Von Thomas Nagel