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Meine Stadt Hannover: Falscher Polizist bekommt Bewährungsstrafe
Hannover Meine Stadt Hannover: Falscher Polizist bekommt Bewährungsstrafe
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06:01 15.05.2019
Nach der Verhandlung wurde der falsche Polizist Andrezej D. (Mitte, mit Verteidigerin und Dolmetscherin) aus der Haft entlassen. Quelle: Simon Polreich
Hannover

Er gab sich als Polizist aus und ergaunerte so Schmuck einer 81-Jährigen aus der Südstadt im Wert von mehr als 6000 Euro sowie 900 Euro Bargeld – dafür wurde der mehrfach in seinem Heimatland verurteilte Pole Andrezej D. am Dienstag vom Amtsgericht zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Allerdings nur zur Bewährung: Wegen einer „guten Sozialprognose“ konnte er das Gericht praktisch als freier Mann verlassen.

Der 31 Pole, der sich vor Gericht dolmetschen ließ, gestand die Taten. Ja, er habe sich am 21. Dezember 2015 in Hannover als Polizeibeamter ausgegeben und von der Geschädigten die Herausgabe von Geld und Schmuck gefordert. „Das Ganze tut mir unendlich leid“, ließ er seine Verteidigerin verlesen. Allerdings habe er nur als ausführendes Organ gehandelt. Organisiert habe das Ganze ein Hintermann, der ihm unbekannt ist.

Der Mann habe Andrezej D. in Hamburg angesprochen, wo der Pole 2015 zu dem Zeitpunkt in einem Container nahe des Hauptbahnhofs lebte. Seinen Job als Bauarbeiter hatte D. zuvor verloren, war um seinen Lohn betrogen worden, schilderte er. Seit dem widmete er sich täglich seiner Drogensucht, nahm Kokain, Heroin und Crack. Das Angebot des Unbekannten kam ihm daher gerade recht. 20 Prozent des Gewinns sollte er erhalten, dafür Geld und Co. abholen – vor der Tat jedoch ein paar Brocken Deutsch einüben, um nicht als Pole aufzufallen.

Als Andrezej D. am 21. Dezember 2015 bei der alten Dame ankam, hatte der Hintermann als vermeintlicher Polizist die Frau bereits telefonisch „überzeugt“: Ihr Sohn sei in einen Verkehrsunfall verwickelt. Um die Sache noch vor Ort finanziell zu klären, brauche man ihr Geld. Gutgläubig sammelte die Frau 400 Euro Bargeld zusammen. Als sich der unbekannte Trickbetrüger damit nicht zufriedengab, öffnete sie zu allem Übel auch noch bereits verschlossene Weihnachtskarten, die sie in den nächsten Tagen verschicken wollte und sammelte so weitere 500 Euro.

Doch auch damit gab sich der Trickbetrüger am Telefon nicht zufrieden, „man hat immer, immer mehr genommen“, so die Anklage. Schließlich händigte die Seniorin auch noch Schmuck im Wert von mehr als 6000 Euro aus. Darunter einen Brillantring (allein 5000 Euro wert), den der verstorbene Mann des Opfers eigens entworfen hatte und der deswegen auch einen hohen immateriellen Wert hatte, wie die Frau später unter Tränen bei der Polizei aussagte.

D. nahm alles an und flüchtete mit der gesamten Beute, ohne sich mit dem Hintermann zu treffen oder jemals wieder von ihm zu hören. „Ich habe ihn betrogen“, erklärte er. Besonders bitter für die Geschädigte: Den Ring verkaufte der Pole nach eigener Aussage für gerade mal 350 Euro. Auch für diesen immateriellen Schaden wolle er sich bei seinem Opfer, das aufgrund des hohen Alters nicht vor Gericht erschien, persönlich entschuldigen, beteuerte der 31-Jährige. Wieder beschaffen könne er den Ring jedoch nicht.

Richterin Svenja Tittelbach-Helmrich glaubte dem Angeklagten die Reue. Auch nahm sie schuldmindernd zur Kenntnis, dass er zum Tatzeitpunkt möglicherweise unter Drogeneinfluss gestanden habe. Zudem habe Andrezej D., der Oktober 2018 in Polen geschnappt wurde und ab November in Deutschland in Untersuchungshaft saß, wegen Verfahrensverzögerungen bereits länger als geplant hinter Gittern verbracht.

In Polen hatte der Mann zwar bereits mehrere Haftstrafen verbüßt. Die Haft in Deutschland – ohne Besuch der Familie und mit der Sprachbarriere zu anderen Häftlingen – habe ihn laut seiner Verteidigerin mehr beeindruckt als vorige Strafen. „Diese Haftempfindlichkeit will ich glauben“, so die Richterin. Auch an eine ausreichend gute Sozialprognose des wegen Körperverletzung, Erpressung und Nötigung in Italien und Polen polizeibekannten Manns glaube sie. „In Polen stärkt ihnen die Familie den Rücken.“

Im Urteil blieb die Amtsrichterin deshalb unter der vom Staatsanwalt geforderten Strafe und setzte diese zudem zur Bewährung aus. Für den finanziellen Schaden von 7112 Euro muss der Pole noch aufkommen, konnte den Gerichtssaal aber als freier Mann verlassen. Er wolle umgehend die Heimreise antreten und nie wieder Trickbetrug begehen, kündigte er an.

Von Simon Polreich

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