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Meine Stadt Hannover: „Falsche Polizisten“ erbeuten 700.000 Euro
Hannover Meine Stadt Hannover: „Falsche Polizisten“ erbeuten 700.000 Euro
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13:53 14.06.2019
VOR PROZESSBEGINN: Farhad B. (rechts, Gesicht verdeckt) ist gerade vorgeführt worden. Die meisten Taten sollen auf das Konto von Ahmad K. (links sitzend, kariertes Hemd) gehen. Beide sitzen in U-Haft. Der Haftbefehl gegen Ibrahim S. (weißes Hemd) wurde außer Vollzug gesetzt. Quelle: Petrow
HANNOVER

Innerhalb weniger Monate sollen die Angeklagten Senioren um mehr als 700 000 Euro betrogen haben. Am Freitag hat der große Prozess gegen sieben Angeklagte begonnen. Die Bande soll als „falsche Polizisten“ Rentner in Hameln, Bielefeld und Rheine abgezogen haben.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

Der Prozess begann unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Denn einer der Angeklagten ist ein Verwandter eines Straftäters. Dieser Mann sei im Januar 2015 an der Randale eines Kurden-Clans in Hameln beteiligt, erklärte Gerichtssprecher Christian Caesar. Damals hatte ein 26-jähriger Straftäter versucht durch ein Fenster des Hamelner Amtsgerichts zu fliehen. Er stürzte aus dem siebten Stock in die Tiefe und starb. Seine Angehörigen randalierten daraufhin vor dem Amtsgericht und vor einem Krankenhaus. Rund 30 Menschen wurden zum Teil erheblich verletzt – darunter 24 Polizisten.

22 Taten werden der Bande vorgeworfen

Nun geht es um Trickbetrug im großen Stil. Allein die Anklageverlesung dauerte fast eine Stunde. Den sieben Angeklagten werden 22 Taten vorgeworfen: Neben banden- und gewerbsmäßigen Betruges geht es auch um Einbrüche und Raub. Als Haupttäter gelten Farhad B. (37) und Ahmad K. (23). Beide sitzen in Untersuchungshaft.

Und es ist unglaublich, mit welchen Räuberpistolen die Opfer geschröpft wurden. Die Anrufe der Trickbetrüger erfolgten aus dem Ausland. Sie erfolgten mit unrichtiger Rufnummernanzeige. Riefen die Senioren die „gespooften“ Nummern zurück, landeten sie bei den Betrügern im Call-Center. Dann wurden sie über Stunden belatschert.

Sogar Aktienfonds wurden aufgelöst

Die Masche der Betrüger: Mitglieder einer rumänischen Diebesbande seien gefasst worden. Auf einem sichergestellten Zettel stehen Namen und Adresse weiterer Einbruchsopfer. So wurde den alten Leuten suggeriert, dass in Kürze bei ihnen eingebrochen werde. Da ein Bankmitarbeiter mit der Bande zusammenarbeite, sei auch das Geld auf der Bank nicht mehr sicher. Also gingen die gutgläubigen Menschen zur Bank, hoben ihre Ersparnisse ab und lösten Aktienfonds auf.

So zum Beispiel am 7. Juni 2018 in Gütersloh. Eine 86-jährige Frau stellte dann eine Plastiktüte mit 20 000 Euro zwischen zwei Altglas-Container ab. Laut Anklage soll in den meisten Fällen Ahmad K. als „Abholer“ die Beute abgeholt haben.

In Hameln Goldbarren für 90.000 Euro

Doch das war bei weitem nicht die höchste Beute. Am 26. Mai 2018 kaufte ein Ehepaar (92 und 87 Jahre alt) in Hameln für 90 000 Euro Goldbarren und legte sie in die Mülltonne vor seinem Haus. Die Betrüger hatten ihm eingeredet, dass seine Bank an illegalen Transaktionen beteiligt sei. Selbst fünf Tage später schöpfte das Paar keinen Verdacht. Es ließ sich einreden, dass die Goldbarren „gefälscht“ gewesen seien. So unlogisch und hanebüchen die Geschichte auch klingt: Sie legten wieder 40 000 Euro in die Mülltonne.

Gelegentlich variierten die Gauner auch ihre Masche. So brachten sie einen 88-jährigen Mann dazu, 60 000 Euro Geld von der Bank abzuholen. Dann ließen sie sich am Telefon die Nummern einzelner Geldscheine vorlesen. Anschließend hieß es: Das sei Falschgeld; zur weiteren Überprüfung solle der Senior das Geld auf den Reifen seines Autos ablegen.

Beute zum Teil in die Türkei überwiesen

In wenigen Fällen blieben die Taten im Versuch stecken. So stopfte eine Seniorin (85) am 15. August 2018 in Hameln eine Strickjacke in den Plastikbeutel, in dem sich eigentlich ihre Ersparnisse befinden sollten

Allein Ahmad K. soll als „Abholer“ fast 460 000 Euro erbeutet haben. Das Geld ging dann an ein Bandenmitglied im Raum Bremen oder wurde per Western Union in die Türkei überwiesen.

Für den nächsten Prozesstag kündigten einige Anwälte Erklärungen ihrer Mandanten an. Der Prozess ist vorerst bis 30. August terminiert.

Von Thomas Nagel

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