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Meine Stadt Gekidnappte Seniorin: Es gibt erste Zeugenhinweise
Hannover Meine Stadt Gekidnappte Seniorin: Es gibt erste Zeugenhinweise
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16:18 05.09.2018
In diesem im Bau befindlichen Penthouse wurde die 76-jährige Frau mehr als eineinhalb Tage lang festgehalten.
In diesem im Bau befindlichen Penthouse wurde die 76-jährige Frau mehr als eineinhalb Tage lang festgehalten. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Warum wurde eine 76-Jährige aus einer Stadtbahn entführt und über das Wochenende in einem Rohbau gefangen gehalten? Das fragt sich auch weiterhin die Polizei Hannover. Am Mittwoch gingen erste Zeugenhinweise bei den ermittelnden Beamten ein.

Täter sind weiterhin unbekannt

Bis zum Nachmittag hatten sich lediglich zwei Zeugen aus dem Stadtteil Bult (der Wohngegend der Seniorin) bei der Polizei gemeldet. „Die Angaben werden derzeit überprüft“, sagt Polizeisprecher Philipp Hasse. Ob die Zeugen die Täter identifiziert, oder Angaben zum Opfer machen konnten, will die Polizei nicht verraten. Viel habe sich am Kenntnisstand aber noch nicht geändert: „Die Täter sind weiterhin unbekannt. Und wir hoffen auf weitere Zeugenhinweise.“

Üstra-Videos teilweise gelöscht

Wenig Hoffnung gibt es dagegen auf verwertbares Videomaterial aus der Stadtbahn selbst. „Die Aufnahmen werden nach 24 Stunden automatisch gelöscht, ohne dass wir Einfluss darauf haben“, erklärt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Auf dieses Vorgehen habe der Datenschutz bei Einrichtung des Videosystems bestanden. „Da gibt es auch keine Hintertür oder ähnliches. Die Aufnahmen vom Samstag sind am Montag bereits unwiederbringlich weg.“ Das gilt jedoch nicht für die Aufnahmen an unterirdischen Bahnstationen, wie dem Aegidientorplatz, an dem die Seniorin in die Linie 6 Richtung Messe/Ost einstieg. Sie werden erst nach 48 Stunden gelöscht. Die Auswertung des gesicherten Videomaterials kann noch Wochen dauern, heißt es von Seiten der Polizei.

Bilder, wie Täter und Opfer am Samstagnachmittag gemeinsam die Bahn an der Haltestelle August-Madsack-Straße verlassen, existieren übrigens nicht. „An den oberirdischen Haltestellen gibt es keine Video-Überwachung“, so der Üstra-Sprecher.

Opfer und Täter kannten sich wohl nicht

Derweil schließt die Polizei eine Beziehungstat zwischen der Seniorin – einer in Indien geborenen deutschen Staatsbürgerin – und den beiden Tätern, die Serben sein könnten, aus. „Nichts deutet daraufhin, dass sich die Täter und das Opfer kannten“, sagt Polizeisprecher Mirko Nowak. Haben die Täter die Frau zufällig in der Straßenbahn ausgewählt? Das scheint angesichts des stundenlangen Festhaltens schwer vorstellbar. Hinweise, dass die Seniorin wiederum gezielt festgehalten wurde, gebe es aber nicht. Bislang stützt sich der Wissenstand der Polizei fast ausschließlich auf die Aussage der Frau, die die Polizei für glaubwürdig hält. „Auch die Spuren im Rohbau stützen ihre Aussage“, so Nowak.

Der Frau wurde nichts gestohlen

Größtes Rätsel bleibt aber: Was wollten die Täter von der Frau? Warum wurde sie über 33 Stunden im Rohbau festgehalten? Die Polizei weiß es nicht. „Die Täter haben es der Frau nicht gesagt, haben sie ohne Begründung festgehalten.“ Das lässt Platz für Spekulationen. So drängt sich etwa der Verdacht auf, dass einer der Männer die Frau in Schach hielt, während sein Komplize die Wohnung der 76-Jährigen nach Wertsachen und Geld durchsuchte. Das schließen die Beamten „nach bisherigem Kenntnisstand“ jedoch aus. Auch wenn man über den Vermögensstand der Frau nichts sagen will, betont Sprecher Nowak: „Es gab keinen Bezug zur Wohnanschrift. Dort wurde nichts durchwühlt.“

Polizei nennt Fall „kurios“

Wollten die Männer mit ihrer Geisel Verwandte oder Angehörige erpressen? Auch dazu gibt es laut Polizei derzeit keinen Anfangsverdacht, sprich keinerlei Hinweise. Deshalb ermittle man auch nicht wegen erpresserischen Menschenraubs, sondern „lediglich“ wegen versuchtem Straßenraub und Freiheitsberaubung. „Der Fall ist wirklich kurios“, gibt Polizeisprecher Nowak zu.

Von Simon Polreich