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Meine Stadt Gericht: Die traurige Geschichte eines Brandstifters
Hannover Meine Stadt Gericht: Die traurige Geschichte eines Brandstifters
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13:21 26.06.2019
WUNSTORFER STRASSE: Am 28. April brannte die Wohnung vollkommen aus. Der Prozess gegen den Brandstifter hat nun begonnen. Foto: Quelle: Elsner
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HANNOVER

Nur das schnelle Einschreiten der Feuerwehr verhinderte am 28. April 2018 in Limmer eine Katastrophe. So brannte lediglich die Wohnung von Hartmut S. (60) aus. Am Mittwoch gestand der Angeklagte die Brandstiftung. „Ich war betrunken, ich habe nichts mitbekommen“, sagte er. Wahrscheinlich sei er mit einer brennenden Zigarette eingeschlafen. Allein der Gebäudeschaden betrug 164 000 Euro.

Doch hinter dem Brand im Mehrfamilienhaus in der Wunstorfer Straße steckt eine unglaublich traurige Lebensgeschichte. Hartmut S. wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Er ging auf ein Gymnasium in Minden. Doch in der elften Klasse brach er die Schule ab. Hartmut S. war unfähig, einen Beruf zu erlernen und Kontakte zu knüpfen. Die Einsamkeit wurde seine Braut, der Alkohol sein bester Freund.

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Angeklagter hatte keine intimen Beziehungen

Der psychiatrische Gutachter Gunther Kruse (70) erklärte: „Der Patient hatte nie eine intime Beziehung.“ Er habe auch keine Freunde gefunden. Es habe die Verdachtsdiagnose einer alkoholbedingten Demenz (Korsakow-Syndrom) gegeben. Doch dafür sei das Erinnerungsvermögen des Mannes zu gut.

Nach dem Brand kam Hartmut S. in die Psychiatrie nach Wunstorf. Dort fiel er auf, weil er Selbstgespräche führte. Kruse glaubt deshalb, dass S. schon seit langem an einer einfachen Form der Schizophrenie leide. Er übersetzte diese Diagnose mit „geistiger Einsiedelei“. Der Angeklagte habe selbst in der Klinik einen ungepflegten Eindruck gemacht. Aufgrund seiner geistigen Beeinträchtigung und des Alkoholkonsums sei von einer verminderten Steuerungsfähigkeit auszugehen.

Tagelang Wohnung entrümpelt

Seinen Nachbarn war der Angeklagte als „Alkoholiker und Messi“ bekannt. Er schrie nachts in seiner Wohnung, für seine Notdurft suchte er nicht das Außenklo auf, berichteten Nachbarn. Nach dem Feuer, der Angeklagte hatte mehr als zwei Promille im Blut, sagte er zu Polizisten: „Ich will nicht mehr leben“; „ich habe Krebs“.

Davon war nichts wahr. Wahr ist aber, dass Hartmut S. ein Messi ist. In seiner 50-Quadratmeter-Wohnung türmte sich der Müll. „Drei Arbeitskräfte brauchten vier Tage um die Wohnung zu entrümpeln“, sagte der Vermieter (35). Weiter am 11. Juli

Von Thomas Nagel