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Meine Stadt Leukämie: Spender sind oft viele da, aber das Geld fehlt
Hannover Meine Stadt Leukämie: Spender sind oft viele da, aber das Geld fehlt
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17:16 10.01.2019
Die Hand eines Angestellten extrahiert DNS von Gewebeproben. Quelle: dpa-Zentralbild
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Hannover

“Stäbchen rein – Spender sein“ – doch ganz so einfach, wie es der Werbeslogan glauben macht, ist es in der Realität nicht, einen Leukämie-Kranken zu retten. Nicht selten fehlen die finanziellen Mittel, die sogenannte Typisierung labortechnisch abzuschließen. Das musste auch Ben (16) erfahren, für den am Samstag eine Spenderparty in Langenhagen stattfindet.

Ben hat einen Spender gefunden

Die gute Nachricht vorweg: Für den leukämiekranken Ben wurde vor wenigen Tagen ein passender Spender – sein „genetischer Zwilling“ – gefunden. Sein Leben kann vielleicht gerettet werden. Allerdings sind bei der Suche dem Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) enorme Kosten entstanden, die gedeckt werden müssen. Denn so groß die Bereitschaft oft ist, sich per Wattestäbchen registrieren zu lassen, desto seltener werden die Kosten der Typisierung von jeweils 35 Euro gleich mitgespendet. Doch der Reihe nach.

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Erneuter Rückfall

Leukämie ist eine heimtückische Krankheit, das musste auch Ben erfahren. Denn eigentlich glaubte er den Blutkrebs bereits vor zwei Jahren besiegt zu haben. Damals galt er als geheilt. Doch im September 2018 kam es zum Rückfall, Ben erkrankte erneut. Und war nun auf einen „genetischen Zwilling“ angewiesen, um den Blutkrebs besiegen zu können.

Die Familie des Jungen aus Thüringen machte sich sofort auf die Suche – mit Unterstützung von Sandra Buchholz aus Isernhagen. Ben ist der Sohn ihres Kollegen: „Mich hat sein Schicksal einfach stark berührt – nicht zuletzt, weil ich einen Sohn im selben Alter habe“, erklärt die freiwillige Helferin, die als Präventologin (Präventologie ist die Lehre von der Gesundheitsförderung) über ein breites medizinisches Netzwerk verfügt.

Freiwillige zu finden, ist nicht das Problem

Mit ihrer Unterstützung hatte es Bens Familie mit Helfern bereits Mitte November geschafft, dass sich 4000 Menschen registrieren ließen. Aus den möglichen Spendern den passenden herauszufiltern, dauert jedoch länger. Die Isernhägenerin erklärt: „Es ist heutzutage gar kein Problem mehr, potenzielle Spender zur Registrierung zu motivieren, da viele wissen, dass auch die Spende kein komplizierter oder schmerzhafter Vorgang ist.“ In etwa 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen. „Es handelt sich um einen Vorgang ähnlich einer Dialyse, einer Blutwäsche. Man sitzt zwei, drei Stunden auf einem Stuhl – und dann hat man ein Leben gerettet.“ Eine Operation sei nur sehr selten von Nöten. In diesen Fällen werden unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm etwa fünf Prozent des Spender-Knochenmarks entnommen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen regeneriert sich das Mark beim Spender.

Es fehlt am Geld

Das echte Problem war und sei es dagegen, die für die Auswertung der über 4000 Proben notwendigen finanziellen Mittel von 140 000 Euro zusammenzubekommen, sagt Buchholz. „An finanziellen Spenden konnten wir durch viele kleine Aktionen nur 84 000 Euro einnehmen.“ Weiteres Geld soll nun mit der Spendenparty zusammenkommen, die die Ernährungsberaterin für Samstagabend in Mellzz Bar in Langenhagen organisiert hat. „Wir tanzen für den guten Zweck“, sagt Buchholz. „Denn dann können die Typisierungen auch Leukämiekranke auf der ganzen Welt retten.“ Laut NKR suchen in Hannover ständig etwa 40 Patienten einen Stammzellenspender, aus ganz Deutschland bekomme man etwa 3000 Anfragen pro Jahr, weltweit rund 30 000.

Eine Party soll helfen

Sandra Buchholz Quelle: Frank Wilde

Der Eintritt zur Party kostet zehn Euro und „geht bis auf die GEMA-Gebühren komplett an den NKR“. Weitere Einnahmen sollen über eine Tombola generiert werden. Zu gewinnen gibt es unter anderem Gutscheine für ein Brautkleid, für Fitnesscenter, Personal-Training, aber auch Haushaltsgeräte oder elektrische Zahnbürsten. Die zehn Euro für das Tombola-Los gehen ebenfalls direkt an die NKR. Darüber hinaus können Freiwillige Typisierungs-Pate werden, indem sie direkt 35 Euro spenden. „Wenn wir am Ende mit der Party 10 000 Euro zusammen haben, wäre das toll“, sagt Buchholz.

Die Party findet statt am Samstag, 12. Januar, ab 19 Uhr in Mellzz Bar, Pferdemarkt 9c in Langenhagen. Eintritt: 10 Euro. Ab 20 Uhr legen zwei DJ’s auf.

Von Simon Polreich