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Meine Stadt Hannover: Dauer-Student darf noch einmal zur Prüfung
Hannover Meine Stadt Hannover: Dauer-Student darf noch einmal zur Prüfung
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16:36 26.07.2018
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Hannover

Seit 1997 studiert Karl Winter an der MHH. 2001 versuchte er sich zum ersten Mal an der Zwischenprüfung (auch Physikum genannt). An zwei Tagen müssen die Studenten innerhalb weniger Stunden hunderte von Frage im Multiple-Choice-Verfahren beantworten. Immer wieder meldete sich der Senior-Student krank.

Im August 2013 ging es für den Bummel-Studenten um alles: Zwei Mal war er bereits im Laufe der Jahrzehnte durchgefallen. Beim dritten Mal wäre es vorbei gewesen mit der Karriere im weißen Kittel. Mit dem Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung (NiZzA) hatte Karl Winter vereinbart, dass er auch aus "wichtigem Grund" (zum Beispiel Krankheit oder Unfall) nicht mehr fehlen dürfe. Am ersten Prüfungstag hatte der Student nur 54 von 318 Fragen richtig beantwortet (16 Prozent). Nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip hätten wohl die meisten Laien eine bessere Quote erzielt.

Am zweiten Tag drückte der Streß dem Prüfling wohl auf die Blase. Er meldete sich nach einer Stunde zum Toilettengang ab. Gefolgt von einer Mitarbeiterin des Prüfungsleiters passierte etwas, was man sonst nur aus Slapstick-Sendungen kennt. Als ein Mann die Toiletten-Tür öffnete, stieß sich Karl Winter den Kopf. Er meldete sich mit Kopfschmerzen und Schleudertrauma krank. Nun will die Mitarbeiterin aber beobachtet haben, dass der Prüfling mit dem Kopf auf Türklinkenhöhe nur auf den "Unfall" gewartet habe.

Doch außer der Beobachtung der Frau (unklar, wie sie den Unfall hinter der Tür gesehen haben will) gab es keine Beweise für die vermeintliche Täuschung. Wie dem auch sei, Karl Winter klagte gegen die Vereinbarung mit NiZzA. Verwaltungsrichter Detlev Heitmann hielt die Vereinbarung auch für rechtlich problematisch. Der Zweckverband dürfe ein Versäumen der Prüfung aus "wichtigem Grund" (zum Beispiel Krankheit oder Unfall) dem Prüfling nicht verwehren.

Also schlossen die Parteien einen Vergleich: Karl Winter darf sich nochmal prüfen lassen. Richter Heitmann empfahl aber NiZzA: "Sie sollten das Herren-WC während der Prüfung von männlichen Kollegen kontrollieren lassen."

Von Thomas Nagel