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Meine Stadt Mit dem Brexit wackelt auch die Sitzhilfe
Hannover Meine Stadt Mit dem Brexit wackelt auch die Sitzhilfe
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08:01 01.02.2019
ERFOLGSPRODUKT: Detlef Wotschke und seine Frau Sabine präsentieren den Flipstock auf der ABF in Hannover. Quelle: Foto: Wallmüller
Hannover

Der Brexit birgt auch für einheimische Betriebe unabsehbare Risiken. Etwa für den Online-Sanitätshändler Activera aus Algermissen (Kreis Hildesheim). Dessen Zugpferd ist nämlich ein ganz spezielles britisches Produkt: der Flipstick, den Detlef Wotschke, Mitbegründer des Familienunternehmens, derzeit auf der ABF in Hannover präsentiert.

„Wir haben den Flipstick vor 15 Jahren in unsere Produktpalette aufgenommen“, berichtet er. Er sei von der Kombination aus Geh- und Sitzhilfe gleich begeistert gewesen, weil er sie selbst gut gebrauchen kann. Wotschke ist seit 1999 halbseitig gelähmt und nimmt vor allem solche Produkte in sein Portfolio auf, die er selbst getestet und für gut befunden hat.

Der Flipstick ist zunächst ein federleichter Spazierstock, mit dem man wie ein englischer Gentleman über die Straßen flnaieren kann. Per Gummizug aber lässt er sich bequem aufklappen und wieder zusammenfalten. Im ausgeklappten Zustand ist er eine praktische Sitzhilfe.

„Das ist eine englische Erfindung“, verrät Wotschke. Und es verwundert eigentlich nicht, dass eine solche Idee im Land der Pferderennen entwickelt wurde. „Wir waren aber mit die Ersten, die sich außerhalb Englands dafür interessierten.“

Das Produkt kommt an. Angler gehen damit auf Fischzug, Rockfans erleichtern sich damit das Wacken-Open-Air, für Anhänger des Christopher-Street-Days wurde sogar eine Variante in Pink entworfen. „Mittlerweile sind es nicht nur ältere Menschen, die sich dafür interessieren“, betont Wotschke. „Gerade hier auf der ABF haben wir auch sehr viel junges Publikum. Heute Morgen erst war eine ganze Jagdgesellschaft bei uns am Stand.“

Nützlich ist die Sitzhilfe sicher auch bei Veranstaltungen wie dem Kleinen Fest im Großen Garten oder dem Feuerwerkswettbewerb in Herrenhausen. Überall dort eben, wo die Standfestigkeit herausgefordert wird.

Doch durch den Brexit wird die Situation unsicher. „Wir wissen nicht, wie wir nach dem Brexit importieren sollen, auch unser Produzent weiß nicht, wie es danach weitergehen kann.“

Derzeit kosten Flipsticks bei Activera zwischen 35,90 Euro und 64,90 Euro. Nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU könnten auf die Firma Import- und Zollgebühren zukommen, die das Produkt um bis zu 25 Prozent verteuern würden.

„Das werden wir so nicht an die Kunden weiter geben können“, ist Wotschke sicher, der den Flipstick auch in die Schweiz nach Österreich, Frankreich, Italien und Spanien vertreibt. Mit mittlerweile rund drei Millionen verkauften Exemplaren bildet der Stock etwa 15 Prozent des jährlichen Firmenumsatzes.

„Wir haben schon überlegt, noch vor dem Brexit den Import zu erhöhen und einen Vorrat anzuschaffen“, so Wotschke weiter. „Aber das würde auch zusätzliche Lagerkosten bedeuten.“ Der englische Hersteller werde seine Produktion indes kaum ins Ausland verlagern können. „Das ist für mittelständische Unternehmen nicht so leicht möglich.“

Einbürgerungswelle seit 2016

Der bevorstehende Brexit hat viele Briten veranlasst, sich um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bemühen. 2016 begann die große Einbürgerungswelle, allein in Hannover beantragten 43 Briten die deutsche Staatsbürgerschaft, 26 wurden in diesem Jahr tatsächlich eingebürgert. 2017 wurden dann alleine in Niedersachsen nach Angaben des Landesamtes für Statistik 672 Briten eingebürgert, mehr als doppelt so viele wie 2016. Vor allem in den großen Städten schnellten die Zahlen in die Höhe: Hannover bürgerte 54 Briten ein, Wolfsburg 43, Osnabrück 40 und Braunschweig 33.

Danach ebbte die Welle allerdings bereits ein wenig ab. 2018 wurden im Zeitraum von Januar bis Oktober in Hannover noch 32 Briten eingebürgert. Es lagen allerdings insgesamt 45 Anträge vor, von denen einige noch in der Bearbeitung, ein paar wenige allerdings auch zurückgezogen waren. Aktuell leben in der Stadt 827 britische Staatsangehörige und 890 mit britischer und deutscher Staatsangehörigkeit.

Übergangsfrist

Die Stadt will alle Briten in Hannover schriftlich über die Rahmenbedingungen ihres Aufenthaltsstatus nach einem ungeregelten Brexit informieren. So ist eine Übergangsregelung zur Einbürgerung vorgesehen. Wird der Antrag vor dem 30. März gestellt, kann die britische Staatsbürgerschaft bestehen bleiben. Wird innerhalb einer dreimonatigen Übergangsfrist eine Aufenthaltserlaubnis beantragt, soll eine Fiktionsbescheinigung bestätigen, dass der Aufenthalt erlaubt ist – damit Arbeitsverhältnisse problemlos fortgesetzt werden können.

Von Andreas Krasselt

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