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Meine Stadt Hannover: Betrüger lässt sich falschen Geldschein wechseln
Hannover Meine Stadt Hannover: Betrüger lässt sich falschen Geldschein wechseln
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10:29 12.09.2019
Die 20-Euro-Blüte, die ein hilfsbereiter Hannoveraner gegen zwei echte Zehner wechselte. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Nur eine kleine Gaunerei oder ein neue Betrugsmasche? Ein Hannoveraner ist am Montagmittag auf einen Trick mit sogenanntem Totengeld hereingefallen. Das Opfer wurde dabei zwar nur um 20 Euro erleichtert, aber ähnliche Fälle wurden in diesem Jahr bereits aus Bakum bei Vechta und dem bayrischen St. Wendel gemeldet.

Hans S. (Name geändert) stand am Hochbahnsteig am Steintor und wartete auf die Stadtbahn. Dabei war er mit seinem Handy beschäftigt. Plötzlich kam ein jüngerer Mann, etwa Anfang 20, auf ihn zu und hielt ihm einen zusammengefalteten Geldschein entgegen. „Er fragte mich, ob ich ihm den Zwanziger in zwei Zehner wechseln könne, da der Automat seinen Schein nicht nehmen wollte“, berichtet S.

Hilfsbereit griff S. in seine Brieftasche und holte zwei Zehn-Euro-Scheine hervor. Er nahm den anderen Schein entgegen, ohne genau darauf zu achten. „Der Mann hat geschickt ausgenutzt, dass ich durch das Handy abgelenkt war“, sagt er. Doch wenig später wurde ihm klar, wieso der Ticketautomat den Schein nicht hatte akzeptieren wollen. Er war offensichtlich nicht echt.

So gefaltet war die Blüte nicht als solche zu erkennen. Quelle: Florian Petrow

Auf dem falschen 20er waren seltsame asiatische Schriftzeichen aufgedruckt. Die hatte S. auf dem geknickten Schein nicht sehen können, der davon abgesehen ziemlich echt aussah. Doch die Schriftzeichen stempelten ihn klar zur Blüte. „Das ist aber kein Falschgeld“, erklärt Polizeisprecher André Puiu. Im Amtsdeutsch werden solche Scheine „geldähnliche Drucksachen“ genannt. Und in diesem Fall hatte die Blüte sogar einen realen Hintergrund.

Es handelt sich dabei um sogenanntes Totengeld. Das sind Scheine oder Münzen, die in vielen Kulturen, vor allem auch im asiatischen Raum, den Verstorbenen mit auf den Weg gegeben werden. Insbesondere in chinesischen Kulturkreisen wird dieser Brauch auch heute noch verfolgt. „Man kann dort solche Scheine regulär in Geschäften erwerben“, meint Polizeisprecher Puiu. Entweder würden sie mit ins Grab gelegt oder auch verbrannt.

Wie man Falschgeld erkennen kann

Der Besitz von sogenannten „geldähnlichen Drucksachen“ ist nicht verboten, man darf nur nicht versuchen, damit zu bezahlen. Die Polizei rät jedoch dazu, Geldscheine immer genau zu überprüfen. Derartige Blüten lassen sich relativ leicht erkennen, da etwa aufgedruckte Schriftzeichen kaum zu übersehen sind.

Anders sieht es beim richtigen Falschgeld aus. Da hat der Laie schlechte Karten. „Immer wieder werden Fälschungen von Banknoten in den Umlauf gebracht, die für die meisten Menschen nicht als solche erkennbar sind“, sagt Matthias Eichler, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). „Am häufigsten wird der 50-Euro-Schein gefälscht, danach folgen die 20-Euro-Banknoten.“

Geldscheine werden im alltäglichen Leben ständig weitergegeben, sei es im Restaurant, im Kaufhaus, bei der Taxifahrt oder am Kiosk. Dabei würden auch unbewusst immer wieder falsche Noten verbreitet, so Eichler, darauf habe man wenig Einfluss.

Die Bundesbank betont dagegen auf ihrer Internetseite, dass gefälschte Banknoten grundsätzlich auch ohne besondere Hilfsmittel erkennbar seien und verweist darauf, dass es strafbar sei, Fälschungen weiterzugeben. In ihren Filialen aber auch online bietet sie kostenlose Schulungen zum Erkennen von Falschgeld an. Sie gibt folgende Tipps:

Schauen Sie die Banknoten genau an! Achten Sie dabei nicht nur auf den Gesamteindruck, sondern konzentrieren Sie sich ganz bewusst auf bestimmte Sicherheitsmerkmale, die Sie sich vorher eingeprägt haben.

Verlassen Sie sich bei der Prüfung nicht allein auf ein Sicherheitsmerkmal.

Gehen Sie nach dem Prinzip „Fühlen-Sehen-Kippen“ die Ihnen bekannten Sicherheitsmerkmale der Reihe nach durch und ziehen Sie, falls vorhanden, ein Banknotenprüfgerät in die Überprüfung mit ein.

Besorgen Sie sich eine Vergleichsnote.

Bestehen weiterhin Zweifel, lassen Sie die Note(n) bei Ihrer Hausbank oder einer der Filialen der Deutschen Bundesbank überprüfen.

In Portugal war Anfang September eine der größten Geldfälscherbanden Europas aufgeflogen. Fünf Personen wurden festgenommen. Auch der Chef der Bande, ein Portugiese mit zahlreichen Vorstrafen, wurde den Angaben zufolge in Kolumbien gefasst. Unter anderem in Frankreich, Deutschland, Spanien und Portugal seien gefälschte Banknoten im Wert von mehr als 1,3 Millionen Euro sichergestellt worden, teilte Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union mit.

In Bakum taucht eine 100-Euro-Blüte auf

In Bakum war Mitte Juli ebenfalls Totengeld aufgetaucht. Ein Volksfestbesucher fand einen 100-Euro-Schein mit chinesischen Schriftzeichen, den er bei der Polizei abgab. Anfang Juni fiel ein 22-Jähriger in St. Wendel auf den gleichen Trick herein wie Hans S. Der Bayer wechselte sogar eine falsche 50-Euro-Note ein.

In Hannover erstattete S. am Dienstag Anzeige bei der Polizei. „Die Beamten hoffen, vielleicht durch Aufnahmen der Überwachungskamera vom Hochbahnsteig Hinweise zu bekommen“, sagt er. Den Täter beschreibt er als „studentische Erscheinung“ ohne erkennbaren Migrationshintergrund. Gut möglich, dass er selbst versuchte, auf diese Weise eine Blüte loszuwerden, die man ihm angehängt hatte.

LKA: Keine neue Masche

Der Pressestelle der Polizei in Hannover sind weitere Fälle dieser Art nicht bekannt. Da sie in der Statistik ganz allgemein unter Trickbetrug abgelegt würden, könnte es sein, dass sie zunächst durch das Raster fallen – nicht zuletzt wohl auch wegen der eher geringen Schadenssumme. Auch beim Landeskriminalamt (LKA) sind aktuell keine weiteren Fälle bekannt. „Von einer neuen Masche kann man da noch nicht reden“, so Sprecher Matthias Eichler.

Von Andreas Krasselt

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