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Meine Stadt Rekorddürre im vergangenen Jahr gefährdet Bäume
Hannover Meine Stadt Rekorddürre im vergangenen Jahr gefährdet Bäume
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15:43 28.12.2018
WIE LANGE NOCH? Der Eilenriede drohen durch Trockenheit Schäden in noch nicht anzuschätzendem Ausmaß. Quelle: dpa
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Hannover

Das vergangene Jahr hat dem Wald und damit auch der Eilenriede nicht besonders gut getan. Während Förster im Deister schon von einem Katastrophenjahr sprechen (siehe Kasten), könne das Waldjahr 2018 auch für die Stadt Hannover zumindest als besonders und folgenschwer bezeichnet werden, so Stadtsprecher Dennis Dix.

Die am Donnerstag in der Hindenburgstraße auf einen geparkten Mercedes gestürzte Eiche hat damit zwar wahrscheinlich wenig zu tun – dort war Wurzelfäule die Ursache – doch die extreme Trockenheit hat allen Bäumen heftig zugesetzt.

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Schon die Stürme und lang anhaltende Staunässe im vergangenen Winter habe deutliche Schäden hinterlasse, erklärte Dix weiter auf Anfrage der NP: „Die Trockenperiode 2018 sorgt jetzt für eine zusätzliche Belastung der Wälder, dessen Schadensausmaß noch nicht einzuschätzen ist.“ Fest stehe, dass sich der Wald aufgrund der Trockenheit von den vorausgegangenen Strapazen nicht habe erholen können.

Ohne Regen gibt es noch mehr Schäden

„Vereinzelt sind Bäume bereits komplett abgestorben, viele sind in ihrer Vitalität eingeschränkt und können sich weniger gegen Sekundärschädlinge wie holzzerstörende Pilze und Käfer wehren.“ Auch seien vermehrt Äste abgestorben. Wie viele Bäume den Wetterextremen der vergangenen Monate noch zum Opfer fallen, hänge stark vom Witterungsverlauf im kommenden Jahr ab.

Trotz der leichten Niederschläge der vergangenen Tage seien die Waldböden außergewöhnlich trocken. Normalerweise würden die Böden im Winter von Wasser durchsättigt. Gebe es keine ergiebigen Niederschläge mehr, würde den Bäumen im Frühjahr das Wasser fehlen, dass sie für den Laubaustrieb dringend benötigten. „Eine vergleichbar lang anhaltende Trockenperiode in unserer Region ist nicht bekannt“ so Dix. Es habe auch früher schon trockene Frühjahre gegeben. Da hätten die Bäume allerdings auf Wasserreserven im Boden zurückgreifen können, die jetzt fehlten.

Borkenkäfer im Deister schlimmer

Das Schädlingsproblem ist in Hannover allerdings nicht so groß wie im Deister. Zwar sind auch hier die Fichten von Borkenkäfern befallen. Doch ist diese Baumart in den hannoverschen Wäldern nur selten, somit fallen die Schädlinge nicht so stark ins Gewicht.

Katastrophenjahr für den Deister

Förster im Deister haben 2018 als Katastrophenjahr für den Wald ausgerufen. Der Sturm im vergangenen Winter und die folgende, lang anhaltende Dürreperiode hätten den Wald dort so stark geschädigt wie seit Jahrzehnten nicht mehr, klagt Revierförster Frank Nüsser von der Revierförsterei Georgsplatz in Egestorf: „So etwas habe ich in 40 Jahren beruflicher Praxis noch nicht erlebt.“

Als Folge der Trockenheit haben sich die Borkenkäfer besonders rasch vermehrt und tausende geschwächter Bäume angefallen. Flächendeckend mussten befallene Nadelbäume gefällt werden, um eine weitere Ausbreitung der Schädlinge zu bekämpfen. Vitale Fichten können sich normalerweise mit vermehrter Harzproduktion gegen die Schädlinge wehren, doch die ist wegen der Trockenheit fast zum Erliegen gekommen.

Doch auch die Dürre selbst macht den Bäumen zu schaffen. Schon im Juli seien etliche, mindestens 80 Jahre alte Fichten und Buchen vertrocknet, berichtet Claudia Wolff, Sprecherin des Forstamts Saupark. Neuanpflanzungen seien zum Teil zu 50 Prozent ausgefallen und müssten nachgepflanzt werden.

Von Andreas Krasselt