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Meine Stadt Klage nach Autokauf: Fehlerspeicher manipuliert?
Hannover Meine Stadt Klage nach Autokauf: Fehlerspeicher manipuliert?
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17:01 28.04.2019
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Foto: Quelle: dpa
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HANNOVER

Am Ende stand der VW Touran in Flammen. Thorsten Müller (Name geändert) musste noch die Straßenreinigungsgebühren bezahlen. Nur vier Wochen zuvor hatte er den Wagen für 2700 Euro gekauft. Das war am 2. September 2018 in Hannover. Das Auto war deshalb so günstig, weil er mehr als 200 000 Kilometer auf dem Tacho hatte. Im Kaufvertrag wurde „Bastlerfahrzeug“ vermerkt.

Nun klagt Müller auf Rückabwicklung des Kaufs und Schadensersatz für ein Beatmungsgerät (Wert 1600 Euro). Es war beim Brand des Autos zerstört worden. Anwalt Jens Klinkert: „Der Verkäufer hat arglistig getäuscht.“ Denn bereits eine Woche nach dem Kauf war Müller mit dem Auto liegengeblieben. Der ADAC habe den Wagen auch nicht flott bekommen, sagt der Anwalt. Dafür las der Pannenhelfer den Fehlerspeicher des Tourans aus. Und stellte fest: Der Speicher sei mehrfach gelöscht worden; das Steuergerät und die Zentralelektronik seien kaputt gewesen.

Wagen hatte sechs Vorbesitzer

Die Anwältin des Verkäufers wollte im Amtsgericht das so nicht stehen lassen. Es habe eine Probefahrt gegeben; und der Wagen habe sechs Vorbesitzer gehabt. Der Behauptung von Klinkert, dass der Verkäufer Kfz-Mechatroniker sei, trat die Anwältin entgegen: „Er ist noch in der Ausbildung zum Mechatroniker.“

Zwischen der Panne und dem Autobrand sei das Auto nicht bewegt worden, sagt der Anwalt. Sein Mandant habe den Touran gerade mal für die Fahrt zur Werkstatt flott bekommen, wo das Auto abbrannte. Der Passus „Bastlerfahrzeug“ spielt in der Klage keine Rolle. Laut Rechtssprechung schließt diese Bezeichnung eine Gewährleistung nicht aus. Zumal im Kaufvertrag vereinbart worden sei, dass der Wagen umgemeldet werden müsse. Dazu Anwalt Klinkert: „Ein Bastlerfahrzeug müssen sie nicht ummelden, nur abmelden.“

Von Thomas Nagel