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Meine Stadt Freundin bei Unfall getötet – Bewährung für Fahrer
Hannover Meine Stadt Freundin bei Unfall getötet – Bewährung für Fahrer
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16:56 28.06.2019
SCHLIMMER UNFALL: Elvis Q. lenkte den BMW auf dem Messeschnellweg ungebremst gegen einen Baum. Quelle: Foto: Elsner
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HANNOVER

Der Aufprall gegen den Baum war so stark, dass der rote BMW wieder auf den Messeschnellweg zurückgeschleudert wurde. Der schlimme Unfall ereignete sich am 23. Juni 2017 zwischen dem Seelhorster Kreuz und der Anschlussstelle Mittelfeld (südliche Richtung). Eine 24-jährige Frau verstarb kurze Zeit nach dem Unfall im Krankenhaus.

Am Freitag wurde Elvis Q. (33), der bei dem Vorfall am Steuer gesessen hatte, wegen fahrlässiger Tötung im Amtsgericht verurteilt. Amtsrichterin Brigitte B. (sie will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen) verhängte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten gegen den Angeklagten. Zusätzlich muss er 1000 Euro an die Hinterbliebenen fahren. Der Prozess fand unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Es soll Drohungen gegen den Fahrer gegeben haben.

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Angeklagter zu schnell

Der Angeklagte, der den Unfall schwer verletzt überlebte, sagte nur: „Ich weiß nicht, wie es dazu kommen konnte.“ Die äußeren Umstände konnte ein Gutachter klären. Der Wagen kam auf regennasser Fahrbahn bei Tempo 95 bis 115 von der geraden Fahrbahn ab. Über ein Temposchild waren 80 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben. „Die Anschnallgurte zeigten keine Beschädigungen“, so der Gutachter. Beide Insassen waren also nicht angeschnallt.

Auf Nachfrage von Opfer-Anwalt Björn Nordmann erklärte der Gutachter: „Der Wagen fuhr ungebremst gegen den Baum.“ Der Angeklagte ist ein erfahrener Autofahrer, er war nüchtern zum Unfallzeitpunkt. Wie also konnte der Unfall passieren?

Erweiterter Selbstmord?

Der Bruder (25) der Verstorbenen glaubt, die Antwort zu kennen. „Die beiden waren kein Paar mehr“, sagte er aus. Der Angeklagte habe seiner Schwester verschwiegen, dass er Frau und Kinder habe. „Sie hat es von seiner Frau erfahren“, so der Bruder. Daraufhin habe sich seine Schwester vom Angeklagten getrennt. War das Ganze also ein erweiterter Selbstmord?

Der Angeklagte leugnet das. Er wollte sich von Frau und Kindern trennen, um mit der 24-Jährigen zusammenzuleben. Er leugnet auch, zum Bruder gesagt zu haben: „Ohne sie kann ich nicht leben, dann kann ich mich erschießen.“

Im Urteil sah Richterin B. keine Anhaltspunkte für einen erweiterten Suizid. „Das hat die Beweisaufnahme ergeben.“ Aber: Die Frau des Angeklagten wurde nicht gehört, das Handy des Opfers nicht ausgewertet. Und Anwalt Nordmann hatte die Polizei frühzeitig auf ein eventuelles vorsätzliches Tötungsdelikt hingewiesen. Ermittlungen? Fehlanzeige.

Der Bruder des Opfers wurde erstmals im Gericht als Zeuge gehört – auf Drängen des Opfer-Anwalts.

Von Thomas Nagel