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Meine Stadt Schluss mit dem Tabu: Kunstaktion am Steintor rückt Sex-Arbeit in den Fokus
Hannover Meine Stadt Schluss mit dem Tabu: Kunstaktion am Steintor rückt Sex-Arbeit in den Fokus
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16:49 23.09.2019
Nicole (39) verdient mit Prostitution ihr Geld. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Sexarbeit existiert in allen Ländern der Welt, legal oder verboten, missachtet oder wertgeschätzt. Allein in Deutschland werden mit käuflichem Sex Milliarden umgesetzt. Dennoch ist Sexarbeit noch immer ein gesellschaftliches Tabu-Thema. Mit einer sechstägigen Kunstaktion auf dem Steintorplatz sollen Vorurteile abgebaut und die Alltagsprobleme von Sexarbeiterinnen ins Blickfeld der Gesellschaft gerückt werden.

„Wir wollen mit Passanten ins Gespräch kommen“

Fünf knallbunte Lovemobiles, sonst die Arbeitsstätten von Prostituierten, stehen mitten auf dem Platz, nur wenige Meter von Hannovers Rotlichtviertel entfernt. Sie bilden das Zentrum des bundesweiten Schwarmkunstprojekts „Strich-Code-Move“, das bereits im Juli in Berlin gezeigt wurde. Künstlerin Kerstin Schulz vom Atelier Dreieck hat die museale Wagenburg errichtet. Jedem Wohnwagen ein eigenes Thema gegeben – von der Geschichte der Prostitution bis zur Schamhaarspende, um über Intimität, Scham aber auch Wert zu sprechen. Schwarmkünstlerin Schulz: „Wir wollen mit Passanten ins Gespräch kommen und zugleich gemeinsam Kunst schaffen. Dafür sollen neonfarbene Preisetiketten auf die Wohnwagen, Straßenlaternen oder den Platz geklebt werden. Das Etikett symbolisiert für mich Werte und Wertschätzung von Prostituierten und ihrer Arbeit.“ Bereits 2012 hatte die Künstlerin mit der grellen „Strich-Code“-Ausstellung in Hannover für Furore gesorgt.

Gleich mehrere zentrale Fragen stehen im Fokus der Aktion: Kann es einen Gesetzes-Code für den Strich geben? Was sind die Folgen des Prostituiertenschutzgesetzes? Und ist Sexarbeit wirklich Arbeit, die respektiert gehört? Dorothee Türnau von der Beratungsstelle Phoenix, die ebenfalls in einem Wohnwagen über ihre Arbeit informieren, ist überzeugt: „Das Schutzgesetz geht komplett an der Realität von Sexarbeit vorbei, Stigmatisierung wird eher noch verschärft.“ Auch Nicole (39), die seit 2004 ihren Körper für Sex verkauft, habe durch das neue Gesetz „keine Vorteile, nur Nachteile“. Nicole zur NP: „Vor allem mit dem Hurenausweis, den wir immer bei uns tragen müssen, wurde viel Schaden angerichtet, weil es die Gefahr, geoutet zu werden, erhöht hat. Statt durch das Gesetz geschützt zu werden, sind wir Prostituierte weiter schutzlos. Unser Gewerbe ist gesellschaftlich nicht akzeptiert, das erlebe ich täglich.“ Dennoch will die 39-Jährige keinen anderen Job haben: „So lange ich lebe, werde ich im Rotlicht arbeiten.“

Noch bis Sonnabend dauert die Ausstellung auf dem Steintorplatz.

Von Britta Lüers

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