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Meine Stadt Hannover: Arzt bekommt Haftstrafe
Hannover Meine Stadt Hannover: Arzt bekommt Haftstrafe
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00:18 01.07.2018
Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht. Quelle: Foto: Dröse
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hannover

Wenn er mit attraktiven Damen Champagner schlürft, fühlt er sich unwiderstehlich. Dabei ist der Arzt (58) ein armer Tropf: manisch-depressiv, alkoholkrank, insolvent und vorbestraft. Am Donnerstag wurde „Dr. Suff“ zum siebten Mal verurteilt. Doch anders als sonst gab es keine Geldstrafe. Wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung verurteilte ihn Amtsrichter Ulrich Kleinert zu einem Jahr und acht Monaten Haft auf Bewährung.

Von August 2016 und April 2017 fälschte der Facharzt Rechnungen. Er benutzte dabei den Namen eines Kollegen. Anschließend reichte der Angeklagte sie bei seiner Privatkrankenkasse ein. In sechs von sieben Fällen zahlte die Versicherung zusammen 15.600 Euro. Als der Schwindel aufflog, warf die Versicherung den Mann raus. Der Doktor hat jetzt keine Krankenversicherung mehr. „Mir tut es unendlich leid. Ich bereue die Taten“, sagte der Arzt. Sein Anwalt, Dimitrios Kotios, erklärte: „Mein Mandant hat sich über seine Versicherung geärgert, weil sie seine Therapie nicht zahlte.“ Im Oktober 2015 hatte sich der Arzt für vier Wochen in eine stationäre Therapie begeben. Vorher sei er so fertig gewesen, dass er keinen Kostenübernahme-Antrag stellen konnte. Seine Mutter habe die Therapiekosten in Höhe von 15.000 Euro bezahlt.

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Therapie ohne Erfolg

Also stellte sich der Doktor falsche Rechnungen aus und reichte sie zur Kostenerstattung ein. Sein Kollege, dessen Name er missbraucht hatte, fand das gar nicht lustig. Die Entschuldigung im Gerichtssaal ignorierte der Mediziner wortlos.

Von großem Erfolg war die Therapie anscheinend nicht. Im September 2017 pflückte ihn die Polizei mit 1,88 Promille vom Fahrrad. Im Dezember 2016 gab es eine Anzeige, weil er die Flasche Champagner (130 Euro) in Damen-Begleitung nicht zahlen wollte. Er beglich dann die Rechnung; das Verfahren wurde eingestellt.

In den „letzten Wochen“ sei er auf dem „Trockendampfer“, meinte der Angeklagte. In den Monaten davor habe es Ereignisse gegeben, die nicht „so erfreulich waren“. Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Am Ende der Verhandlung meinte der Angeklagte, dass er sich in einer kirchlichen Selbsthilfegruppe befinde – seit einem Jahr. Und diese Hilfe wirke bereits.

"Das ist die letzte Warnung"

Richter Kleinert setzte die Strafe dennoch zur Bewährung aus. „Das ist die letzte Warnung. Sie haben sich jetzt genug geleistet.“ Der Angeklagte ist drei Mal wegen Betrugs vorbestraft. Dazu kommen Verurteilungen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstandes gegen Polizisten. Nahezu alle Taten wurden im Vollsuff begangen. Unter Alkoholeinfluss neigt er auch zu Gewalt gegen Frauen. Das brachte ihm schon eine Anklage wegen Vergewaltigung ein. Am Ende wurde er wegen Körperverletzung verurteilt.

Gegen den Arzt läuft bereits ein Verfahren wegen Entzuges der Approbation. Zurzeit lebe er davon, dass er im privaten Umfeld Menschen behandele. Damit dürfte es nun vorbei sein.

Von Thomas Nagel