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Meine Stadt Hannover: Anwohner besorgt nach Baumfällungen
Hannover Meine Stadt Hannover: Anwohner besorgt nach Baumfällungen
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00:20 01.05.2019
SIind entsetzt: Uwe und Barbara Langenhagen.
SIind entsetzt: Uwe und Barbara Langenhagen. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Nahezu unberührte Natur, ein Ort an dem sich Flora und Faune fast ungestört entfalten und Tiere in Frieden leben können. Gelände, auf denen solch eine Entwicklung noch möglich ist, werden immer weniger – besonders im städtischen Umfeld. Das ehemalige Deurag Nerag-Gelände in Misburg ist solch ein Ort. Doch nun machen sich Anwohner Sorgen um ihr Biotop.

Anfang März rollte auf dem Gelände, das heute von dem US-amerikanischen Ölriesen Exxon Mobil betrieben wird, schweres Gerät an. Das Ziel: Etwa 50 Bäume entlang der Thönser Straße sollten gefällt werden – sehr zum Unmut vieler Anwohner: „In den Bäumen haben viele Vögel genistet, es ist ein Eingriff in die Natur“, sagt Uwe Langenhagen (73). Auch Eichhörnchen und andere Kleintiere seien bedroht.

Die Zuständigkeiten sind schwer zu durchblicken

Deswegen haben er und seine Frau Barbara (73) sich auch an die Politik gewendet. Im Bezirksrat Misburg-Anderten wollten sie Antworten auf ihre Fragen bekommen – Auskunft konnte man ihnen nicht geben. „Wir haben den Eindruck, dass die Ämter selber nicht genau wissen, wer zuständig ist“, sagt Barbara Langenhagen.

Das zeigt auch, wie vielschichtig die Verantwortlichkeiten auf dem Gelände sind. Da ein Teil davon offiziell als Wald deklariert wird, ist die Waldbehörde der Region Hannover zuständig – die Baumschutzsatzung der Landeshauptstadt gilt hier nicht. Als Waldbesitzer müsse Exxon Mobil laut niedersächsischem Waldgesetz dafür sorgen, dass das Gehölz gepflegt ist – und morsche oder umzufallen drohende Bäume fällen. Mit den Fällungen im März sei der Waldbesitzer nun seiner Pflicht nachgekommen.

Abgeholzt: Die Reste der gefällten Bäume im Misburger Wald Quelle: Nancy Heusel

Der Eigentümer legitimiert die Fällaktion

Exxon Mobil selbst rechtfertigt die Fällungen durch die Gefahr, dass die Bäume auf die benachbarte Thönser Straße stürzen sowie Personen und Gebäude gefährden könnten: „Es handelt sich dabei um eine Verkehrssicherungsmaßnahme“, legt ein Unternehmenssprecher dar und fügt an: „Im Rahmen von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden dafür neue Bäume auf dem Gelände gepflanzt.“

Was passiert mit dem Deurag-Gelände?

Doch die Anwohner trauen diesen Aussagen nicht gänzlich: „Wir hoffen, dass sie nicht noch mehr Bäume fällen“, sagt Barbara Langenhagen. Generell stellt sich die Frage, was mit dem rund 450 000 Quadratmeter großen Gelände am Mittellandkanal passieren soll. Die Politik hat die Fläche schon seit einigen Jahren als gewerbliche Entwicklungsfläche im Auge – wäre das das Ende der ungezügelten Naturentwicklung?

Konkrete Pläne gibt es derzeit offenbar noch nicht. Die Stadtverwaltung erklärt gegenüber der NP, dass sie in Gesprächen mit dem Grundstückseigentümer stehe. Diese seien allerdings noch „in einer sehr frühen Phase“. Ein Sprecher von Exxon Mobil erklärt dazu: „Nutzungsänderungen für das Gelände gibt es nicht.“ Die Anwohner an der Thönser Straße dürfte das nicht beruhigen. Sie werden sich auch weiterhin Sorgen um ihr Biotop machen.

Von Janik Marx