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Meine Stadt Hannover: „Antisemitismus wird salonfähig“
Hannover Meine Stadt Hannover: „Antisemitismus wird salonfähig“
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15:41 22.05.2019
Engagiert gegen Antisemitismus: Rebecca Seidler ruft die Zivilgesellschaft auf, gegen Extremismus einzustehen. Quelle: privat
Hannover

Rebecca Seidler (38) engagiert sich bereits seit vielen Jahren gegen Antisemitismus, unter anderem in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, bei der städtischen Initiative „Offensive gegen Antisemitismus“ und auch im wissenschaftlichen Umfeld. Die NP sprach mit ihr über neue Dimensionen von Antisemitismus – und was die Gesellschaft dagegen unternehmen kann.

Frau Seidler, die Attacke auf das Haus eines jüdischen Senioren-Ehepaares in Hemmingen zeigt: Antisemitismus richtet sich mittlerweile nicht mehr nur gegen Verbände oder Funktionäre, sondern auch Privatleuten. Macht Ihnen diese Entwicklung Angst?

Wir stehen da noch am Anfang unserer Reflexion über diese Tat, aber wir bezeichnen das schon als neue Dimension von Antisemitismus. Das ist ein absolutes Novum und zeigt, welche gesellschaftliche Entwicklung hier voranschreitet. Wir müssen wachsamer werden und unsere Strategien neu denken.

Wissen Sie, von welchen Gruppen diese Art von offenem Antisemitismus ausgeht?

Der Großteil solcher Taten wird von Rechtsextremen begangen. Gerade auch gegen Funktionäre aus den Verbänden und Gemeinden gibt es immer wieder Bedrohungen aus dem rechten Spektrum. Da ist aber mit islamistischen Communities in den vergangenen Jahren eine weitere Gruppe hinzugekommen. Antisemitismus existiert letztendlich in jeder gesellschaftlichen Schicht, unabhängig vom Bildungsgrad. Darüber hinaus ist für uns auch nicht relevant, wer angreift, sondern die Tatsache, dass jemand angreift.

Antisemitismus existiert in jeder gesellschaftlichen Schicht“

Wie äußert sich der Antisemitismus in Ihrem persönlichen Leben?

Ich wurde schon von klein auf damit konfrontiert, das fängt bei unpassenden Witzen an bis hinzu Beleidigungen. Es gibt es sehr viele Facetten von Antisemitismus, davon bin nicht nur ich betroffen, sondern auch viele der Gemeindemitglieder. Wir merken deutlich: Die Hemmschwelle etwa zur offenen Beleidigung sinkt, Menschen trauen sich öfter Dinge zu sagen, die sie früher nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen hätten. Antisemitismus wird salonfähig.

Welche Rolle spielt da die AfD aus Ihrer Sicht? Den Angriff in Hemmingen hat sie verurteilt. Sind diese Erklärungen für Sie glaubhaft?

Das ist eine Farce. Die AfD bereitet mit ihren politischen Aussagen den Nährboden für genau solche Taten. Deswegen hat deren vermeintliche Solidarität auch keine Bedeutung für uns.

Können Sie sich erklären, wieso so viele Menschen in Deutschland immer noch Vorurteile gegen Juden haben?

Es gibt sicher einige Menschen in Deutschland, die noch nie mit einer Jüdin oder einem Juden in Kontakt gekommen sind. Schließlich zählen wir nur 0,01 Prozent an der Gesamtbevölkerung hier. Viele erzählen auch nicht, dass sie jüdisch sind – aus Sorge, dass sie mit Vorurteilen konfrontiert werden. Dann finden auch Verschwörungstheorien Nährboden, wenn man keine Juden kennt. Gerade auch in den sozialen Medien verbreiten sich zudem solche Theorien sehr schnell.

Was können Sie dann tun, um sich künftig vor solchen Angriffen zu schützen?

Wir versuchen möglichst viel Raum für Begegnung zu schaffen und unsere Botschaften lauter und vehementer verbreiten. In der liberalen jüdischen Gemeinde etwa arbeiten wir seit vielen Jahren am interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog. Doch jetzt ist auch die Zivilgesellschaft gefragt, für Demokratie und gegen Extremismus einzustehen.

Von Janik Marx

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