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Meine Stadt Angriff Limmerstraße: Angeklagte vermindert schuldfähig?
Hannover Meine Stadt Angriff Limmerstraße: Angeklagte vermindert schuldfähig?
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14:17 29.04.2019
HAT EINEN MENSCHEN ERSCHLAGEN: Muharrem C. erwartet am Dienstag das Urteil. Quelle: Dröse
HANNOVER

War es ein „tödlicher Punch“ mit Tötungsabsicht? Oder war es die Tat eines drogensüchtigen, überforderten Vaters? Am Ende des Prozesses Muharrem C. (28) gelangen Staatsanwältin Kathrin Heuer und die Opfer-Anwälte zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen. Einig ist man sich nur: Muharrem C. hat am 8. Oktober 2018 auf der Limmerstraße mit seinen Fäusten einen Mann (40) erschlagen. Beide waren zuvor wegen eines alltäglichen Verkehrsstreits aneinander geraten.

Am Montag forderte die Staatsanwältin für den Angeklagten eine Haftstrafe von fünf Jahren und acht Monaten. Aber nicht wie angeklagt wegen Totschlags, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Sie stufte das Geschehen als „minderschweren Fall“ ein. „Der Angeklagte hat den Tod des Mannes nicht billigend in Kauf genommen“, sagte sie. Dafür spreche, dass er sich sofort am Tatort gegenüber der Polizei als Täter zu erkennen gegeben habe. Und vorher habe er seinen Kontrahenten aufgefordert: „Box Dich wie ein Mann.“

Den Hintergrund als Thai-Boxer des Angeklagten spielte im Plädoyer der Staatsanwältin eine untergeordnete Rolle. C. habe nur sporadisch trainiert. Wegen seiner Drogensucht sei seine Kondition zu schlecht gewesen. Überhaupt habe sich der Täter in einer angespannten Situation befunden. Sein Kind, eine Frühgeburt, habe zur Tatzeit auf Leben und Tod gelegen. Das zusammen mit seiner Drogensucht (Kokain, Cannabis) ließe eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließen. Da Gutachter Here Folkerts eine weitere Gefahr von Gewalttaten bei dem Angeklagten sieht, hält er einen Maßregelvollzug (Therapie in einer geschlossenen Einrichtung) für sinnvoll. Das würde bedeuten, dass der Angeklagte bereits nach gut zwei Jahren Therapie wieder frei wäre. Vorausgesetzt, er hält die Therapie durch.

Diese Schilderung sorgten bei Prozessbeobachtern für Unverständnis. „Das ist weltfremd“, meinte ein Mann. Anwalt Harald Lemke-Küch, er vertritt die Eltern, hält den Vorwurf des Totschlags weiterhin für richtig. C. habe das gemacht, weil es keine Gegenwehr gegeben habe. Der letzte Schlag, als sich das Opfer noch benommen von den anderen Schlägen gerade wieder aufrichtete, sei der tödliche gewesen. „Wie kann man da sagen, dass er den Tod nicht wollte“, so Lemke-Küch. Auch in einem Brief kurz nach der Tat habe der Angeklagte keine Form von Mitgefühl gezeigt. „Ihm war egal, was er angerichtet habe.“ Auch den gestressten Vater nahm der Anwalt dem Angeklagten nicht ab. Schließlich habe er das Wochenende ohne Frau auf einer Hochzeit verbracht und nach eigenen Angaben tagelang Kokain und Cannabis konsumiert.

Anwalt Fritz Willig, er vertritt den Bruder des Getöteten, meint, dass die Kokain-Sucht des Angeklagten eine „Schutzbehauptung“ sei. „Der Angeklagte hat jahrelang im Schichtbetrieb ordentlich gearbeitet“, so Willig. So etwas gehe nicht, wenn man von harten Drogen abhängig sei. In der Limmer Straße habe sich die „Hinrichtung durch Kick-Box-Schläge“ ereignet. Der Angeklagte hätte wissen müssen, dass man von jemandem, der am Boden liegt, ablässt. „Statt dessen hat er ihm einen tödlichen Punch versetzt.“ Urteil am Dienstag

Von Thomas Nagel

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