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Meine Stadt Miserable Klickzahlen bei den Podcasts
Hannover Meine Stadt Miserable Klickzahlen bei den Podcasts
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18:04 22.04.2019
ÄRZTEKAMMER: Präsidentin Martina Wenker. Foto:
ÄRZTEKAMMER: Präsidentin Martina Wenker. Foto: Quelle: Hollemann (dpa)
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Der Podcast zeigt Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), mit Frank Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die verschiedenen Kameraschwenks vermitteln auf dem 121. Ärztetag in Erfurt eine ausgelassene Stimmung – Wenker auf Augenhöhe mit dem Gesundheitsminister. Doch bekommt keiner die Botschaft mit. Auf Youtube klickten gerade mal 100 Menschen das Video.

Andere Podcasts der Ärztekammer kommen über zweistellige Klickzahlen nicht hinaus. Immerhin das Thema „Fachsprachprüfung für ausländische Ärzte“ wurde mehr als 15 000 Mal geklickt. Ein Ausreißer.

Für Professorin Eva Baumann von der Hochschule für Musik, Theater und Medien ist die Kommunikationsstrategie der Kammer nicht erkennbar. „Es ist nicht klar, wen und was man mit den Videos erreichen will“, sagt sie. Thomas Spieker, Sprecher der Ärztekammer, erklärt: „Die Podcasts richten sich an unsere Ärzte und interessierte Bürger.“ Er räumt aber ein, dass die Besucherzahlen noch ausbaufähig seien.

Dass die Videos geeignet seien, die 41.500 Ärzte und die interessierte Öffentlichkeit über die Aktivitäten der ÄKN zu informieren, hält die Professorin eher für unwahrscheinlich. Laut Umfragen lägen klassische Medien wie Fachzeitschriften, Kongresse und Fachbücher bei Ärzten noch immer vorne. Die Wissenschaftlerin ist Leiterin des Hanover Center for Health Communication am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung.

Für Professorin Baumann wirken die Podcasts als eine Ergänzung zur konventionellen Pressearbeit, allerdings müssten die Videos im Netz gesucht werden. Sie stehen chronologisch (ohne Datumsangabe) untereinander und sind nicht in die Presseinformationen integriert. Auch die Darstellung sei optimierungsfähig. Im Vordergrund stehen meist minutenlange Statements in Bild und Ton. Die Potenziale von Podcasts, in denen Geschichten kurz erzählt werden, hält Baumann für nicht ausgeschöpft. Anders als viele Facebook-Videos, die mit Untertiteln oder animierten Grafiken auch ohne Ton verständlich seien, seien die Podcasts der Ärztekammer recht aufwändig zu konsumieren. Ferner stellte die Medienexpertin die Frage in den Raum, ob die Kammer die interessierte Öffentlichkeit nicht über Twitter besser erreichen könne. Die Bundesärztekammer habe fast 10 000 Follower.

Um die Nutzerzahlen zu erhöhen, erarbeite man gerade eine Social-Media-Richtlinie, um sich sicher in den Sozialen Medien bewegen zu können, erklärt Spieker dazu.

Die Produktion eines Podcast-Videos koste etwa 2000 Euro, bei bis jetzt mehr als 40 Produktionen macht das rund 80 000 Euro. Man handle stets nach den Prinzipien der Wirtschaftlichkeit, versichert der Pressesprecher.

Von Thomas Nagel