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Meine Stadt Hannover: Ärzte wegen fahrlässiger Tötung unter Verdacht
Hannover Meine Stadt Hannover: Ärzte wegen fahrlässiger Tötung unter Verdacht
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11:34 16.03.2015
Von Thomas Nagel
Langenhagen

Am 12. September 2014 ist Karl-Heinz Jürgen aus Langenhagen im Alter von 67 Jahren gestorben. Doch die Akten über seinen Tod sind noch nicht geschlossen. „Wir sehen einen Anfangsverdacht für eine fahrlässige Tötung“, sagt Nana Frombach, Sprecherin der Staaatsanwaltschaft Hamburg. Man habe das Obduktionsergebnis an die Staatsanwaltschaft Hannover übergeben. „Dort muss entschieden werden, ob ein Verfahren eingeleitet wird“, so Frombach. Bis zum 19. April habe die Staatsanwaltschaft Hannover für eine Entscheidung Zeit.

Das Verfahren würde sich gegen einen Arzt aus dem Siloah-Krankenhaus und seine ehemalige Kollegin richten. Ungewöhnlich: Die eigentliche Tat müsste sich am 22. September 2010 zugetragen haben. Also knapp vier Jahre vor dem Tod des Mannes.

Damals wurde der ehemalige Berufssoldat wegen eines Nierensteins behandelt. Der Routineeingriff endete in einer Katastrophe: Karl-Heinz Jürgen erlitt eine Atemdepression. Sein Gehirn blieb zu lange ohne Sauerstoff. Innerhalb weniger Minuten wurde aus einem drahtigen, sportlichen Mann ein Schwerstpflegefall (NP berichtete).

Die Ärzte hatten ihm ein Medikament gegeben, auf das er allergisch reagierte. Die Allergie war den Medizinern bekannt. Mit der Atemdepression fehlte es an der apparativen Ausstattung und der nötigen Weiterbildung der Ärzte. Ein Gutachter sprach von einer „Kumulation der Behandlungsfehler“. Der Kommunale Schadensausgleich (Haftpflichtversicherer des Siloah-Krankenhauses) zahlte 200 000 Euro Schmerzensgeld. Eine Einigung über den Schadensersatz (gefordert sind 131  000 Euro) stehe kurz bevor, so Michael Timpf, Anwalt der Familie.

Rosemarie Jürgen plagen keine Rachegedanken: „Die Ermittlungsbehörden müssen über den Fall entscheiden. Kalle wäre mir im Rollstuhl lieber gewesen.“ Weder sie noch ihr Anwalt hatten nach dem Tod von Karl-Heinz Jürgen Anzeige erstattet. Der Patient war am 12. September 2014 in einer Hamburger Spezialklinik an den Folgen zweier großer Druckgeschwüre, in die sich multiresistente Keime eingenistet hatten, gestorben.