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Meine Stadt Vor 50 Jahren legte der Rote Punkt die Bahnen lahm
Hannover Meine Stadt Vor 50 Jahren legte der Rote Punkt die Bahnen lahm
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06:03 08.06.2019
MASSENMOBILISIERUNG: Auch dieser Lkw-Fahrer machte bei der Roten-Punkt-Aktion mit. Quelle: Np
Hannover

Im Sommer 1969 war die Üstra noch ein privates Unternehmen und gehörte der Preussen-Elektra. Um gewinnbringend in der Spur zu bleiben, sollten die Fahrpreise erhöht werden. Damit aber stieß die Üstra in der ohnehin bewegten Studentenszene in ein Wespennest.

Die linke Szene suchte immer nach Ideen für Aktionen. Da kam die geplante Fahrpreiserhöhung gerade recht. Die Einzeltickets sollten statt 50 Pfennig künftig 67 kosten: „Das war nicht sehr viel, aber wir Studenten hatten auch nicht viel Geld. Wir mussten fast alle nebenbei jobben“, erinnert sich Detelf Roßmann, einer der damaligen Organisatoren.

Doch betroffen waren eben nicht nur Studenten. Weshalb sich der Protest schnell auf große Teile der Bürgerschaft ausweitete – und so zur legendären Roter-Punkt-Aktion führte. Die Idee dazu sei eines Abends beim Bier im „Club Voltaire“ entstanden, so Roßmann. Kurz zuvor hatte es im Mai in Heidelberg einen erfolgreichen Protest gegen Fahrpreiserhöhungen gegeben. Dort war vom SDS der „Rote Punkt“ erfunden worden: Autofahrer erklärten, indem sie einen solchen Punkt hinter ihrer Windschutzscheibe befestigten, ihre Bereitschaft, Menschen mitzunehmen. Warum sollte das nicht auch in Hannover funktionieren?

MASSENMOBILISIERUNG: Auch dieser Lkw-Fahrer machte bei der Roten-Punkt-Aktion mit. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Knüppeln auf die Proteste und schützte die Straßenbahnen mit Großaufgeboten (links).

Am 6. Juni kam es zur ersten Fahrpreis-Demo vorm Opernhaus mit Dietrich Kittner. Anschließend gründete sich ein Ak­tionskomitee. Flugblätter wurden im Asta der Hochschule gedruckt, die Roten Punkte bei einer Druckerei, die zum SDS gehörte. Drei Tage später folgte die nächste Kundgebung. Immer wieder wurden auch Gleise blockiert. „Doch die ganze Aktion wäre im Sande verlaufen, wenn Polizei und Stadt nicht eine taktische Dummheit begangen hätten“, bekennt Roßmann.

Mit Tränengas und Knüppeln

Die Polizei beging die Dummheit, den Protest mit Knüppeln und Tränengas ersticken zu wollen. Die Stadt beging die Dummheit, die Üstra zu bitten, den Verkehr einzustellen. Beides zusammen fachte den Protest erst richtig an. Immer mehr normale Bürger beteiligten sich – und hängten sich einen Roten Punkt an die Windschutzscheibe ihrer Autos.

Die Studenten hatten am Steintor, am Kröpcke und am Aegi Helfer postiert. Wer sich als Autofahrer beteiligte, fuhr mit seinem Wagen auf den Schienen an die Haltestelle heran, sagte, in welche Richtung er wolle und nahm entsprechend Leute mit, die auch in diese Richtung wollten. Alternativ konnten Anhalter aber auch – ganz klassisch – auf freier Strecke per Daumen signalisieren, dass sie eine Mitfahrgelegenheit wünschten.

Demonstranten vor dem Opernhaus. Quelle: Udo Heuer

Die Anzahl der Menschen, die mithelfen wollte, wuchs von Tag zu Tag – und zog Kreise. Der DGB beteiligte sich, und sogar in den Tageszeitungen HAZ und Hannoversche Presse, dem Vorgänger der NP, wurde der Rote Punkt zum Ausschneiden gedruckt. Der Protest dauerte mehrere Wochen – und hatte Erfolg. Die Fahrpreiserhöhung war zumindest für dieses Jahr vom Tisch. Vielleicht wichtiger, zumindest aber nachhaltiger war die Rekommunalisierung der Üstra, die an die Stadt verkauft wurde. Während die Fahrpreise ein Jahr später nach dann erfolglosen Protesten anzogen, ist die Üstra noch heute ein regionaler Betrieb. Geblieben ist auch die Erinnerung an den größten, friedlichen Massenprotest, der erfolgreich war.

Von Andreas Krasselt

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