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Meine Stadt Hannover: 300 Menschen stehen auf gegen Antisemitismus
Hannover Meine Stadt Hannover: 300 Menschen stehen auf gegen Antisemitismus
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18:25 27.05.2019
Solidarisch: Rund 300 Menschen demonstrierten am Montag am Kröpcke gegen Antisemitismus.
Solidarisch: Rund 300 Menschen demonstrierten am Montag am Kröpcke gegen Antisemitismus. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Können sich Menschen jüdischen Glaubens noch sicher in Hannover und der Region fühlen? Diese Frage bewegt längst nicht mehr nur die jüdische Gemeinde, sondern die ganze Stadtgesellschaft. Aufstehen, Farbe bekennen, sich wehren – deswegen demonstrierten am Montag rund 300 Menschen am Kröpcke für eine offene und tolerante Gesellschaft und gegen Antisemitismus.

Bei einigen sitzt der Schock noch tief: Nachdem vergangene Woche das Haus eines älteren jüdischen Ehepaares in Hemmingen mit Farbe beschmiert wurde und die Fußmatte angezündet wurde, fand ein Briefträger am Sonnabend ein Hakenkreuz- sowie ein SS-Symbol an einem Hemminger Briefkasten. Zufall? Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit noch in beiden Fällen. Festzustehen scheint jedoch: „Der Anschlag stellt eine ganz neue Qualität des Antisemitismus dar“, urteilt Hannovers Sozialdezernentin Constanze Beckedorf auf der Kröpcke-Kundgebung.

Einige zeigen Solidarität mit Kippa

Dazu aufgerufen hatte ein Bündnis von verschiedenen Organisationen und Gruppen, darunter der Asta der Leibniz Universität, Verdi, der Flüchtlingsrat Niedersachsen sowie jüdische Verbände. Unter den 300 Menschen waren nicht nur Anhänger jüdischen Glaubens, sondern auch viele Sympathisanten. Als Zeichen der Solidarität trägt etwa Werner Kamsker vom Verein Begegung Christen und Juden e.V. eine Kippa: „Die Rechten werden immer stärker, es wird immer wieder Unsagbares ausgesprochen und hoffähig gemacht“, sagt der 75-Jährige im Hinblick auf Äußerungen etwa von Politikern der AfD.

Auch Hermann-Gundolf Warnecke hat sich aus Solidarität der Kundgebung und dem anschließenden Marsch zum jüdischen Denkmal am Opernplatz angeschlossen. Auch aus ernster Sorge um seine jüdischen Mitmenschen? „Sorgen mache ich mir noch nicht – aber so hat es schon mal angefangen“, sagt der 68-Jährige und warnt vor einer Entwicklung wie zur NS-Zeit.

Die gesamte Gesellschaft ist gefragt

Damals seien es erst die Juden gewesen, auf die es die Nazis abgesehen hatten. Später erfassten Deportation und Mord auch andere Minderheiten. Deswegen betont auch Yevgen Bruckmann von der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover am Kröpcke: „Solche Taten wie in Hemmingen sind keine Angriffe auf uns Juden, sondern auf unsere offene Gesellschaft.“ Und er forderte Unterstützung von all jenen, denen diese Gesellschaft wichtig sei: „Es kann nicht die Aufgabe nur von Juden sein, gegen Antisemitismus zu kämpfen. Dafür sind wir zu wenige.“

Von Janik Marx