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Meine Stadt Hanebuth: Anwälte beantragen Freilassung
Hannover Meine Stadt Hanebuth: Anwälte beantragen Freilassung
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00:17 06.04.2015

Von Britta Mahrholz

Hannover/Madrid. Ist Rockerboss Frank Hanebuth (50) nach einem Jahr und neun Monaten in Untersuchungshaft bald ein freier Mann? Seine spanischen Anwälte Gonzalo Boye und  José Bonilla haben zumindest beim Ermittlungsgericht Nummer 6 des Zentralgerichts „Audiencia National“ in Madrid die vorläufige Freilassung des Präsidenten des aufgelösten Hells-Angels-Charters Hannover beantragt. Die Begründung: Der im Februar von Ermittlungsrichter Eloy Velasco veröffentlichte Untersuchungsbericht enthalte keine Beweise, dass Hanebuth etwas mit den ihm vorgeworfenen Verbrechen wie Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Zwangsprostitution auf Mallorca (siehe unten) zu tun habe. Der 50-Jährige sitzt seit der RazziaCasablanca“ am 23. Juli 2013, bei der auf der Insel mehr als 31 Häuser und Wohnungen durchsucht wurden, in Spanien im Gefängnis.

Boye und Bonilla waren kürzlich in Hannover, um mit Hanebuths deutschem Anwalt, Götz von Fromberg, den Antrag zu besprechen. Denn aus ihrer Sicht ist der Zeitpunkt für eine Freilassung gekommen: Ermittlungsrichter Velasco hatte in seinem Abschlussbericht gefordert, in dem Hells-Angels-Verfahren innerhalb von 15 Tagen Anklage zu erheben – die Staatsanwaltschaft in Madrid wies dies allerdings zurück und verlangte stattdessen Nachermittlungen. „Man schiebt sich die Akten nun hin in her“, befürchtet Boye. Und Hanebuth müsste so lange weiter im Gefängnis bleiben. Seine Hoffnung und die seiner Verteidigung, dass es ohne Haftbeschwerde möglichst  schnell zu einem öffentlichen Prozess kommt, haben sich damit wohl endgültig zerschlagen. Mit einer Verhandlung rechnet Boye erst in etwa einem Jahr.

Als einziger neben Khalil Y., der wie Hanebuth mit mehr als 50 weiten Verdächtigen bei der Operation „Casablanca“ festgenommen worden war, sitzt der 50-Jährige noch. Alle anderen sind inzwischen gegen Kaution auf freiem Fuß, dürfen Spanien allerdings nicht verlassen. Dabei wirft Velasco in seinem Ermittlungsbericht mindestens drei der Freigelassenen viel schwerere Straftaten als Hanebuth vor.
Ausgerechnet Richter Velasco muss nun über den Antrag auf Hanebuths vorläufige Entlassung entscheiden. Die Verteidiger rechnen damit, dass er das Gesuch ablehnt. Dagegen haben die Anwälte dann die Möglichkeit, Beschwerde einzulegen. Die würde dann vor der Strafkammer der Audiencia National landen.

Velasco müsste sich sowieso in Kürze mit der „Haftsache Hanebuth“ befassen. Spätestens nach zwei Jahren Gefängnis im Juli muss er von Amts wegen prüfen, ob die Inhaftierung des 50-Jährigen noch rechtens ist. Auch gegen diese Entscheidung wäre dann eine  Berufung vor der Audiencia National möglich.

40.000 Seiten Akten, aber wenig Beweise

Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche, Zwangsprostitution, Erpressung und weitere schwere Straftaten werfen die spanischen Ermittler Frank Hanebuth vor.

Für seine Anwälte  haltlose Anschuldigungen: Sie verweisen dabei auf einen Brief der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Anklagebehörde hatte sich nach dem Antrag von Ermittlungsrichter Eloy Velasco im Juli 2013 geweigert, das Haus von Hanebuth in der Wedemark zu durchsuchen, weil ihr die Beweise gegen Hanebuth und damit die rechtlichen Voraussetzungen, die eine Razzia in seiner Wohnung rechtfertigen würden, fehlten.
Ihre Anschuldigungen gegen den ehemaligen Hells-Angels-Boss von Hannover ziehen die spanischen Beamten im wesentlichen aus Telefonüberwachungen, die in fast 40 000 Blatt Akten zu finden sind.  Der schwerste Vorwurf: Bildung einer Kriminellen Vereinigung. Hanebuth habe  Ende 2012 begonnen, ein Hells-Angels-Charter auf Mallorca zu gründen, dessen Leitung und Organisation er dann inne gehabt habe. Tatsächlich befindet sich in den Akten aber auch ein Organigramm über die  Mallorca-Abteilung, das die Ermittler selbst erstellt hatten –  darin taucht Hanebuth im Führungszirkel gar nicht auf.

Die Umstände und der Zeitraum unter denen Frauen auf Mallorca zur Prostitution gezwungen worden sein sollen, klären die spanischen Strafverfolger in dem Bericht ebenso wenig auf wie die Behauptung, dass Hanebuth angeblich das Bordell „Red Palace“ in Palma gekauft habe – mit Schwarzgeld.

Höhepunkt der 40 000 Seiten: die ungeheuerlichen Summe von 500 Millionen Euro (angeblich iranischer Herkunft), die von einem türkischen Hafen in einem Container in die Schweiz gebracht werden sollte. Ob das Geld in bar überhaupt existierte oder wo die Millionen geblieben sind, wird von den Spaniern allerdings nicht aufgeklärt. Und der Name Hanebuth wird in den Ermittlungsakten in diesem Zusammenhang überhaupt nicht genannt.