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Meine Stadt Grundwasserschutz an der Kröpcke-Uhr
Hannover Meine Stadt Grundwasserschutz an der Kröpcke-Uhr
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00:21 25.03.2018
Ganz wie Früher: Mathias Große und Friederike Mund vom Wasserversorger Enercity zeigten am Kröpcke den Weg des Wassers – vom Grundwasserbrunnen bis zum Wasserhahn. Mit einer solchen Schwengelpumpe wurde noch vor 140 Jahren Trinkwasser gewonnen.
Ganz wie Früher: Mathias Große und Friederike Mund vom Wasserversorger Enercity zeigten am Kröpcke den Weg des Wassers – vom Grundwasserbrunnen bis zum Wasserhahn. Mit einer solchen Schwengelpumpe wurde noch vor 140 Jahren Trinkwasser gewonnen. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Wasserknappheit herrscht in Hannover nicht – das war auch am gestrigen Weltwassertag nicht anders, der mit Nieselregen und Wind daherkam. Dennoch zeigte Versorger Enercity am Kröpcke, dass die ständige Verfügbarkeit des Lebenselixiers keine Selbstverständlichkeit ist, auch nicht in der Großstadt.

Ein etwa dreißig Meter langes blaues Stoffband hatten die Enercity-Mitarbeiter am Kröpcke ausgelegt, um die Passanten über den vielleicht nicht allzu präsenten Weltwassertag „stolpern“ zu lassen. Die Zahl 30 war nicht willkürlich gewählt. Denn in dreißig Metern Tiefe wird Hannovers Trinkwasser im Fuhrberger Feld nördlich der Stadt gewonnen. Zudem braucht ein Regentropfen rund 30 Jahre, um ins Grundwasser dort zu gelangen.

Enercity berät und unterstützt Landwirte zu wasserschonendem Anbau

Am Ende des Bandes hatten die kaufmännische Auszubildende Friederike Mund und Enercity-Forstwirt Mathias Große zudem eine historische Schwengelpumpe aufgestellt, deren Zeitalter vor 140 Jahren zu Ende ging. Damals begann in Hannover der Aufbau des großflächigen Wasserversorgungsnetzes – mit dem ersten Wasserwerk in Ricklingen.

Seitdem ist viel passiert, das Wasserwerk wurde 1974 abgerissen, der damals er­richtete Lindener Wasserhochbehälter ist allerdings heute noch zuverlässig in Betrieb. Und auch der Wasserschutz hat seitdem an Bedeutung gewonnen – passend zum Jahresmotto „Na­tur für Wasser“, wie Enercity-Sprecher Carlo Kallen gestern betonte: „Vor mehr als 28 Jahren haben wir Kooperationen im Grundwasserschutz mit der Land- und Forstwirtschaft im Fuhrberger Feld ins Leben gerufen.“ Auch um die Grundwasserbelastung einzudämmen, berät und unterstützt Enercity die Landwirte zu wasserschonendem Anbau – also angepasste Düngung und Zwischenfruchtanbau –, er­klärte der Sprecher. Gleichzeitig lasse man den vorhanden Nadelwald mit Laubbäumen unterpflanzen, da diese besser für Quantität und Qualität des Grundwassers sind. Zwölf Millionen Bäume hat das Unternehmen in den vergangenen 28 Jahren dort neu angepflanzt.

Bei den Klärwerken bestehe Handlungsbedarf

Die Zusammenarbeit bleibt wohl auch weiterhin nötig, denn leere Talsperren und ein hoher Wasserbedarf in heißen Sommern sowie nitratbelastete Grundwasserquellen sind in Niedersachsen inzwischen keine Seltenheit mehr. „Wir in Hannover und der Region können von Wassernot nicht sprechen“, versuchte Sprecher Kallen gestern zu beruhigen, „wir haben große Grundwasservorkommen im Fuhrberger Feld, und wenn wir das weiter wie bisher hegen und pflegen, wird das auch über Generationen so sein.“ Handlungsbedarf sieht er eher bei den Klärwerken: „Hier müsste aufgerüstet werden.“

Die Aktion am Donnerstag war übrigens der Auftakt zu weiteren Aktivitäten rund um „140 Jahre Wasser“. Der Wasserversorger plant mehrere Vorträge zum Grundwasserschutz und zur eigenen Geschichte. Auch Exkursionen, etwa mit Kindern in die Wälder des Versorgungsgebietes, sind für den Sommer geplant. Genaue Termine stehen derzeit allerdings noch nicht fest.

Von Simon Polreich

Zehn Fakten zum Wasser in Hannover:

- 1,4 ... Milliarden Kubikkilometer be­trägt das globale Wasservorkommen. Der größte Teil be­steht aus dem Salzwasser der Ozeane. Bei weniger als einem Prozent handelt es sich um Süßwasser: Grundwasser und Seen.

- 42 ... Millionen Kubikmeter verbrauchen die Haushalte in der Region Hannover im Jahr, also etwa 115 000 Kubikmeter am Tag. Mit etwa 120 Litern am Tag pro Kopf liegt Hannover im Bundesdurchschnitt. Der Verbrauch ist in den vergangenen 20 Jahren allerdings deutlich gesunken – unter anderem durch wassersparende Haushaltsgeräte und verändertes Verbraucherverhalten. Das meiste Leitungswasser wird dabei mit Duschen und Baden verbraucht.

- 1878 ... wurde die Trinkwasserversorgung von Hannover mit dem ersten Wasserwerk in Ricklingen aufgenommen. Zuvor war Flusswasser abgeschöpft oder de­zentral in einfachen kleinen Ziehbrunnen gefasst worden.

- 90 ... Prozent des Enercity-Wassers für die Menschen in der Region Hannover kommen heute aus den Werken Elze-Berkhof und Fuhrberg nördlich von Hannover, der Rest aus dem Wasserwerk Grasdorf und Talsperren im Harz. Es handelt sich hauptsächlich um Regenwasser, das zu Grundwasser versickert ist, teilweise auch um versickertes Wasser aus Bächen und Flüssen wie Wietze und Wulbeck.

- 30 ... Jahre braucht ein Regentropfen, bis er von der Erdoberfläche ins Grundwasser am Fuhrberg gelangt ist. In dieser Zeit wird er gefiltert und reichert sich mit Mineralien wie Calcium und Magnesium an.

- 30 ... Meter tief liegt das Grundwasser. Dort wird es etwa durch Bohrbrunnen gewonnen und per Filterrohr heraufgepumpt. Je nach Brunnentyp gelangen zwischen 90 und 1000 Kubikmeter pro Stunde an die Oberfläche.

- 2 ... Tage braucht Hannovers Wasser vom Brunnen bis zum Hahn. Durch Pumpen gelangt das Grundwasser ins Wasserwerk, wo es belüftet und wo die natürlich enthaltenen Metalle und Huminstoffe entfernt werden. Das aufbereitete Trinkwasser wird dann nach Hannover und in die Region gepumpt.

- 0,5 ... Cent und weniger kostet ein Liter hannoversches Leitungswasser in Trinkwasserqualität. Zum Vergleich: Im Discounter kostet ein Liter Mineralwasser zwischen 13 und 40 Cent.

- 16 726 ... Liter Wasser werden durchschnittlich zur Produktion eines Kilos Rindfleisch benötigt, ein Kilo Kartoffeln benötigt etwa 133 Liter. Für die Herstellung einer Jeans werden etwa 16 000 Liter Wasser benötigt. Experten sprechen von „virtuellem Wasser“.

- 5000 ... Liter Wasser verbraucht jeder Bundesbürger am Tag – rechnet man den Wasserverbrauch etwa zur Herstellung von Le­bensmitteln mit ein. Fachleute raten dazu, regionale Lebensmittel zu bevorzugen, um diesen Wert zu verringern.