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Meine Stadt Grünen-Fraktionschefin Nieße macht Schluss
Hannover Meine Stadt Grünen-Fraktionschefin Nieße macht Schluss
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00:19 05.09.2018
Brigitte Nieße
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Hannover

Die Fraktion der Grünen in der Regionsversammlung ist derzeit führungslos. Brigitte Nieße hat abgedankt. Wer ihr nachfolgt an die Spitze, wird in einer der kommenden Sitzungen entschieden. „Angekündigt hatte ich den Schritt schon lange“, sagt die Stadtplanerin. „Ich will mehr Zeit für die Familie und Reisen haben.“

Dauersitzungen und Drucksachsen – nicht mehr Nießes Ding. Sie meldet sich aus Venedig, von der Kunstausstellung Biennale. „Wir betreuen Schüler, die ein Projekt „Lost Cases“ machen.“ Vergessene Orte, dem Verfall preisgegeben – sie aufzuspüren und ihnen eine Zukunft zu geben, liegt ihr am Herzen. Häuser, die den Einsatz lohnten, gibt es zuhauf in der Region – die Villa Nordstern in Lehrte, die verfallenden Bauernhöfe in Groß-Buchholz.

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Seit 1996 mischt Brigitte Nieße mit in der Kommunalpolitik – zunächst im damaligen Großraumverband, später in der Regionsversammlung. „Ich habe die Gründung der Region miterlebt und mitgestaltet“, berichtet die 67-Jährige. „Das Modell ist bundesweit einzigartig und gelungen.“

Beim Lob klingt Bedauern durch. Jahrelang gestalteten die Grünen mit der SPD als Partnerin die Region politisch. Seit dem Kommunalwahl 2016 ist die große Koalition von CDU und SOD an der Macht und der frühere Bündnispartner in der Opposition. „In die Rolle mussten wir erst mal reinfinden“, sagt Nieße, die ihr Amt von Raoul Schmidt-Lamontain übernahm. Der wechselte als Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften nach Leipzig.

Als Stadtplanerin freut’s Nieße, dass die Region beim Thema Wohnraum die richtigen Akzente setzt. „Es war höchste Zeit für eine finanzielle Unterstützung der Kommunen im Wohnungsbau“, findet Nieße. Die Grünen-Fraktion hatte schon bei der Haushaltsplanberatung 2017 einen Fonds gefordert – vergeblich. Jetzt will die Regionsverwaltung eine Wohnbauprämie in Höhe von jährlich mindestens 20 Millionen Euro einführen.

Man merke da noch was von grünen Ideen, so die Ex-Fraktionschefin. Die GroKo sei „sehr still und wenig gestaltend“. Die neuen Dezernentinnen Andrea Hanke (Soziales) und Christine Karasch (Planung und Umwelt) brauchten noch Einarbeitungszeit.

Die Kommunalpolitikerin dagegen bereitet sich ganz allmählich auf den Feierabend vor. Das mit ihrem Mann Klaus Habermann-Nieße betriebene Büro "plan zwei Stadtplanung und Architektur" werde Ende des Jahres übergeben. Sie trete 2021 nicht noch einmal zur Kommunalwahl an. „Dann ist Schicht im Schacht.“ Obwohl – ein Leben ganz ohne Politik kann sich Brigitte Nieße gar nicht vorstellen.

 

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Von Vera König