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Meine Stadt Gründer von „Little Home“ wehrt sich gegen Vorwürfe
Hannover Meine Stadt Gründer von „Little Home“ wehrt sich gegen Vorwürfe
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00:22 25.02.2019
Der Little-Home-Gründer Sven Lüdecke wehrt sich gegen die Vorwürfe von Kritikerin. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Sie sägen und hämmern wieder auf dem Obi-Parkplatz in Linden. Dort entstehen derzeit zwei weitere Wohnboxen für hannoversche Obdachlose. Die Mini-Häuser vom Kölner Verein „Little Home“ bieten Wohnungslosen einen Schutz gegen Wind und Kälte, erzählt Vereinsgründer Sven Lüdecke.

Gründer erhält Morddrohungen

Der 42-jährige Kölner war allerdings nicht nur in Hannover, um beim Bau zu helfen. Er wollte sich auch zu den Vorwürfen äußern, die gegen ihn erhoben werden. In den sozialen Netzwerken wird behauptet, er veruntreue Spendengelder für private Zwecke. Regelrechte Schmutzkampagnen prasselten auf ihn ein, sogar Morddrohungen erhalte er inzwischen regelmäßig, klagt er. Deswegen hatte der niedersächsische Ableger des Vereins vor dem Baustart am Freitag auch die Kritiker zu einem „Warm-Up-Frühstück“ eingeladen. Lüdecke war vorbereitet, hatte einen ganzen Aktenordner voller Schriftstücke dabei. Gekommen waren jedoch nur die ehrenamtlichen Helfer, die den Verein sowieso schon unterstützen. „Die Kritiker verstecken sich in der Anonymität des Internets“, ärgert er sich.

Nichtsdestotrotz ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung von Spendengeldern gegen ihn, wie ein Sprecher gegenüber der NP bestätigt hat. „In dem Verfahren werden mehrere Strafanzeigen verschiedener Anzeigenerstatter bearbeitet. Die Zahl bewegt sich im zweistelligen Bereich“, sagt Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Lüdecke selbst spricht von zwei offenen Anzeigen, die letzten einer ganzen Reihe. „Es waren sehr viele, ich habe aufgehört zu zählen“, sagt er. Ungefähr zehn bis 15 Anzeigen hätte es gegen ihn gegeben. In allen bereits verhandelten Punkten habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. „Das waren alles Lügen“, sagt er. Lüdecke legt Kopien zweier eidesstattlicher Erklärungen vor, in dem ein Mann und eine Frau zugeben, die Unwahrheit gesagt zu haben.

Neid und Missgunst als Motiv?

Seine Gegner stammten aus der Helferszene. Sogar seine frühere Lebensgefährtin habe ihn vor Gericht gezerrt. Beide hatten sich getrennt, nachdem sich Lüdecke für Wohnunglose engagierte. „Ich habe die Obdachlosen teilweise mit nach Hause genommen und mit ihnen am heimischen Computer Bewerbungen geschrieben“, erklärt er. Dadurch sei die Beziehung in die Brüche gegangen. Doch warum steht ausgerechnet er in der Schusslinie? „Ich erzeuge mit den Little Homes sehr viel Aufmerksamkeit. Das führt zu Neid und Missgunst“, sagt er. Auch die Obdachlosen selbst seien leicht manipulierbar, vor allem jene, die von „Little Home“ nicht berücksichtigt worden sind. „Wir verwenden brennbare Materialien. Wir lassen da nicht jeden Junkie einziehen. Das wäre zu gefährlich“, sagt Lüdecke.

Die kleinen Mini-Häuser bieten nur das Allernötigste. Quelle: Foto: Heidrich

Eine frühere Obdachlose und Helferin habe sich ebenfalls von den Gegnern „instrumentalisieren lassen“, berichtet Lüdecke. Sie unterstützt das Projekt aber wieder und half auch in Hannover beim Aufbau. Es sei teilweise Geld dafür geboten worden, wenn man Litte Home verunglimpfe, sagt sie. Lüdecke wird unter anderem vorgeworfen sich, aus Spendengeldern eine Reise in die Dominikanische Republik finanziert zu haben. „Der Kontoauszug wurde gefälscht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht mal ein Reisepass. Das Geld war die Kaution für einen Handwerker“, stellt er klar. Er betont, dass der Verein inzwischen 65 bis 70 Mitglieder habe und er sich abstimmen müsse. Keine Zahlungen würden ohne Absprache mit seiner Kassenwärtin getätigt.

Little Homes helfen Obdachlosen in Hannover

Noch bis Sonnabend arbeiten ehrenamtliche Helfer an zwei weiteren Mini-Häusern für Obdachlose. Zwei von ihnen stehen bereits in Hannover. Wer die neuen Bewohner sind, steht schon fest. „Es wird ein Mann und eine Frau sein“, sagt Sven Lüdecke vom Kölner Verein „Little Home“. Wo die 3,2 Quadratmeter großen Wohnungsboxen stehen werden, verrät er allerdings nicht. Man wolle keinen Tourismus erzeugen. „Damit stellen wir sonst die Bewohner zur Schau“, erklärt er. Ihnen wird das Little Home geschenkt, sie zahlen dafür keine Miete. Die Notbehelfe werden nicht im öffentlichen Raum, sondern auf einem privaten Gelände stehen.

Rund 25 solcher Holzhütten möchte der niedersächsische Ableger des Vereins in Hannover aufstellen. Anfragen gebe es reichlich. Finanziert werden sie aus Spendengeldern. Die auf Rädern aufgebaute Konstruktion bietet den Bewohnern nur das Allernötigste. Sie hat eine Matratze, ein Camping-Klo und ein Waschbecken. Es gibt keinen Strom oder eine Heizung. 75 dieser Mini-Häuser stehen nach Angaben des Vereins derzeit in zehn deutschen Städten.

Weiterhin sieht sich Lüdecke den Vorwurf ausgesetzt, er produziere „Hundehütten“, wie es Norbert Herschel von der Zentralen Beratungsstelle Wohnungslosenhilfe der Diakonie Hannover formuliert hat. Die Boxen würden sämtliche Standards unterschreiten und seien höchstens ein Unterschlupf. Dem hält Lüdecke entgegen: „Es ist besser, als auf der Straße zu leben. Für viele ist es Einstieg in ein neues Leben“, betont er. So lebten 27 einstige Bewohner inzwischen in normale Wohnungen – wie auch die frühere Obdachlose „Nicki“. „Ich habe mich im Little Home pudelwohl und sicher gefühlt. Ich war nicht dem Wetter ausgesetzt und musste keine Angst davor haben, überfallen zu werden.“

Die frühere Obdachlose Nicki hat den Sprung von der Straße in die eigene Wohnung geschafft. Quelle: Frank Wilde

Von Sascha Priesemann