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Meine Stadt Protestaktion: Globuli-Gegner schlucken flaschenweise Kügelchen
Hannover Meine Stadt Protestaktion: Globuli-Gegner schlucken flaschenweise Kügelchen
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18:24 26.10.2019
Christoph Zeitschel Sebastian Brüning Julia Lambrecht Sandra Schöbel Anna Wolf Quelle: NANCY HEUSEL
HANNOVER

Angst kennen Christoph Zeitschel und seine Mitstreiter nicht. Kühn schrauben sie die Deckel von den kleinen braunen Fläschchen ab, legen den Kopf in den Nacken und lassen die Globuli reinrieseln. Jeder leert eine ganze Flasche. „Ganz schön süß“, murmelt einer mit dem Mund voll Kügelchen. Mit ihrer Aktion in der Innenstadt von Hannover am Sonnabend wollen die Homöopathie-Skeptiker darauf hinweisen, dass ihrer Ansicht nach Globuli völlig wirkungslos sind.

„In den allermeisten homöopathischen Medikamenten ist buchstäblich überhaupt nichts drin. Da wird mit sehr viel Aufwand ein ganz großes Nichts erzeugt“, erklärt Zeitschel, der die bundesweite Aktion in Hannover organisierte. Er selbst fühlte sich vor Jahren bei einem Apothekenbesuch „zwangsbekehrt“. Er wollte nur ein Medikament gegen seinen Heuschnupfen abholen, die Apothekerin drängte ihm ein zehnminütiges Gespräch über Globuli auf. „Ich wollte das nicht. Und dann habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen.“

Er und seine Mitstreiter kritisieren, dass Befürworter der homöopathischen Behandlung immer wieder auf Therapieerfolge verweisen würden. Sie könnten allerdings nicht beweisen, dass die in Anspruch genommenen Heilungen tatsächlich mit den homöopathischen Medikamenten zu tun hatten. Globuli werden auf Basis von extrem stark verdünnten Substanzen wie Arsen, Arnika oder auch Quecksilber hergestellt. Laut der sogenannten Avogadro-Konstante, auf die Zeitschel verweist, ist ab einer Verdünnung von 10 hoch 23 überhaupt kein Ausgangsstoff im einzelnen Kügelchen vorhanden. „Reiner Hokuspokus“, findet der IT-Berater aus Laatzen. „Wo nichts drin ist, da wirkt auch nichts.“ Um das zu beweisen, schlucken der 38-Jährige und seine Mitstreiter alle Kügelchen aus einer Flasche – in ihren Augen auf keinen Fall eine Überdosierung. „Noch nie ist irgendwer zu Schaden gekommen, weil er diese angeblich hochwirksamen Zuckerkugeln überdosiert hat“, so Zeitschel. Der Schaden entstehe vor allem dadurch, dass Menschen sich auf die Globuli verlassen würden, selbst wenn sie schwer und ernsthaft erkrankt seien. Es gebe viele Patienten, die auf „falsche Heilsversprechen“ hereingefallen seien, erklärt er und verweist auf die US-Sängerin Tina Turner, die ihren Bluthochdruck mit Globuli behandeln wollte – und am Ende eine neue Niere brauchte, weil sie die konventionelle Therapie abgebrochen und statt dessen zu den Kügelchen gegriffen hatte.

Die Anti-Globuli-Aktivisten wollen informieren über die „unwirksamen Mittelchen“. Zudem setzen sie sich dafür ein, dass Krankenkassen „homöopathische Extraleistungen“ nicht weiter zur Kundengewinnung nutzen. Im vergangenen Jahr habe man die Anti-Globuli-Aktion auch schon durchgeführt, berichtet Zeitschel. „Keiner von uns hatte danach irgendwelche Beschwerden.“

Von INKEN HÄGERMANN

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