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Meine Stadt Gewaltaufruf hat Nachspiel
Hannover Meine Stadt Gewaltaufruf hat Nachspiel
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19:00 27.07.2018
Protest gegen die AfD: Die Polizei setzte Wasserwerfer im Zooviertel ein.
Protest gegen die AfD: Die Polizei setzte Wasserwerfer im Zooviertel ein. Quelle: dpa
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Hannover

Übelste Hetze in sozialen Netzwerken hat Folgen – und zwar auch dann, wenn man seinen Eintrag schnellstmöglich löscht. Diese Erfahrung hat ein Mitarbeiter der Stadt machen müssen. Der Mann, der einst Fanbeauftragter von Hannover 96 war, hatte sich im Dezember bei Facebook zu den Demonstrationen gegen den AfD-Bundesparteitag in Hannover geäußert.

Auf den ersten Blick schien es so, als unterstützte der ehemalige Fanbeaufragte den Protest gegen die Rechtspopulisten. Zwei Tage lang hatten Parteitag und Gegendemonstrationen das Zooviertel in Ausnahmezustand versetzt. Während die AfD im Hannover Congress Centrum tagte, gingen mehrere tausend Menschen auf die Straße – zumeist friedlich. Doch es gab auch folgenschwere Sitzblockaden, Wasserwerfereinsatz bei eisigen Temperaturen und Verletzte auf beiden Seiten.

Über seinen Beitrag setzte der Mann, der erster hauptamtlicher Fanbeauftragter war, die Schmähparole „FCK AFD“. Was er dann postete über den Protest ließ den früheren SPD-Landtagsabgeordneten Michael Höntsch nach Luft schnappen. Der Mitarbeiter der Stadt schrieb von „Antifa-Abschaum“, dessen man sich „kompromisslos und sofort“ entledigen müsse. Wie am besten (und das war die Aufforderung zur Strafbaren Handlung) nannte er auch.

Gegen den Mann, dem einst Klub und Kurve vertrauten, gingen bei der online-Wache der Polizei mehrere Strafanzeigen ein. Da war sein Beitrag längst entfernt – doch Höntsch, nach wie vor engagiert im Kampf gegen rechts, hatte einen Screenshot gemacht und den unter anderem an Oberbürgermeister Stefan Schostok gesandt. Der bedankte sich für den Hinweis.

Der städtische Mitarbeiter ist zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt worden. Die hat er inzwischen – nach anfänglichem Zögern – auch akzeptiert. Im Job dürfte die Hetze für ihn wohl kein Nachspiel haben – außer vielleicht mahnenden Worten. Bleibt ein reichlich ramponierter Ruf und die Gewissheit, dass er zumindest mit diesem Facebook-Eintrag alles andere als Vorbild war.

Von Vera König