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Meine Stadt Gertrud statt Paul: Behält die Hindenburgstraße ihren Namen?
Hannover Meine Stadt Gertrud statt Paul: Behält die Hindenburgstraße ihren Namen?
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09:12 11.07.2019
Paul von Hindenburg geht mit seiner Frau Gertrud 1920 in Hannover im Zooviertel spazieren. In der heutigen Bristolerstrasse, früher noch Seelhorststrasse, lebten sie in der Hausnummer 32. Quelle: Archiv NP
Hannover

Mit seinem Vorstoß sprach der Oberbürgermeister-Kandidat von Hannovers CDU wohl vielen Anliegern der Hindenburgstraße aus der Seele. Er wolle die Umbenennung von Straßen stoppen, hatte Eckhard Scholz bei seiner Nominierung zum Kandidaten in der vergangenen Woche verkündet. Doch kann er das überhaupt? Daran haben selbst CDU-Mitglieder große Zweifel.

„Er kann dazu eine Meinung haben. Rechtlich ist die Sache aber eindeutig: Die Entscheidung über die Umbenennung trifft allein der Bezirksrat. Und die ist bereits gefallen“, sagt Cornelia Kupsch (CDU), Bezirksbürgermeisterin in Mitte. Bereits im August 2018 hatte der Bezirksrat Mitte über die Umbenennung der Straße mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken und der Parteilosen Gunda Pollok-Jabbi entschieden. Mittlerweile läuft das offizielle Verfahren zur Umbenennung.

Bürgermeisterin: Hindenburgstraße kein Fall Halim Dener

„Der Bezirksrat könnte seine Entscheidung jederzeit revidieren“, sagt Martin Hoffmann, Fraktionschef der CDU in Mitte. Für Scholz als möglichen OB sieht er jedoch „persönlich keinen Spielraum“.

Zwar hat der Oberbürgermeister grundsätzlich gemäß Niedersächsischer Kommunalverfassung ein Einspruchsrecht. Stefan Schostok machte davon Gebrauch, als der Bezirksrat Linden-Limmer einen Platz nach dem kurdischen Aktivisten Halim Dener benennen wollte. Die Frist dafür ist aber längst verstrichen. Zudem braucht es triftige Gründe, um so einen Beschluss zu stoppen. Die Stadt hatte argumentiert, dass durch die Benennung des Platzes die Spannungen zwischen Kurden und Türken in Hannover zunehmen können. „Einen Fall Halim Dener sehe ich bei der Hindenburgstraße nicht“, sagt aber Bezirksbürgermeisterin Kupsch.

SPD: CDU-Kandidat fischt im rechtsnationalen Bereich

Wilfried Engelke, ihr Stellvertreter in Mitte, sieht in dem Vorstoß des OB-Kandidaten Scholz eine „publikumswirksame Luftnummer“. Auch aus Sicht des FDP-Manns hat allein der Bezirksrat die Hoheit über die Umbenennung der Straße. SPD-Fraktionschef Michael Sandow wirft Scholz gar vor, dass dieser „im rechtsnationalen Bereich fischt“. Zudem zeige dieser „erschreckende Unkenntnis im Kommunalrecht“.

Möglich ist allerdings, dass die Straße umbenannt wird und doch ihren Namen behält. Bezirksbürgermeisterin Kupsch hält es für möglich, dass Gertrud von Hindenburg (1860 bis 1921) als Namensgeberin auf ihren Ehemann und früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg folgt. „Sie war sozial engagiert. Das ist eine Diskussion, die wir führen könnten“, sagt sie. CDU-Fraktionschef Hoffmann hat sich sich zwar noch nicht mit seinen Parteikollegen abgesprochen. „Aber ich kann mir das vorstellen, schließlich haben wir immer gesagt, dass wir den Namen Hindenburgstraße behalten wollen“. Auch FDP-Mann Engelke würde das „für einen guten Kompromiss halten“.

Wechsel zur Ehefrau: Grüne sehen „billigen Trick“

Anders die Grünen. Deren Fraktionschef Christoph Baathe sieht darin „einen billigen Trick aus der Mottenkiste, um die Umbenennung zu umgehen“. Wenn die Straße nach Gertrud von Hindenburg benannt werden sollte, dann „nur inklusive ihrem Vornamen. Es müsste klar werden, dass die Straße nicht mehr nach Paul von Hindenburg benannt ist.“ SPD-Mann Sandow hielte den Wechsel zur Ehefrau „für keine ehrliche Auseinandersetzung mit der Person Hindenburg“. Die Anwohner der Straße hätten „einen besseren Namen verdient als den eines Kriegsverbrechers und Demokratievernichters“.

Konform mit dem Beschluss des Bezirksrates von August 2018 wäre der Wechsel von Paul zu Gertrud von Hindenburg wohl. Laut Stadt gilt auch schon der Wechsel des Namensgebers formal als Umbenennung. Einen solchen Fall hat es auch schon in Hannover gegeben. 2018 bekam der Franziusweg mit Ludwig Franzius einen neuen Namensgeber. Sein NS-belasteter Neffe Otto sollte nicht mehr mit einem Straßennamen geehrt werden.

251 Namensvorschläge – auch Greta Thunberg dabei

Die Stadt hat mittlerweile die Anlieger der Hindenburgstraße befragt. 549 äußerten ihre Meinung. 251 Namensvorschläge kamen zusammen. 298 wollten den Namen Hindenburgstraße behalten. 18 Anlieger wünschten sich, dass die Straße „Am Zoo“ oder „Zum Zoo“ heißt. „An der Eilenriede“ oder „Eilenriede-Allee“ schlugen acht vor. Gertrud von Hindenburg wurde dreimal vorgeschlagen, ebenfalls dreimal die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg.

Die Stadt prüft derzeit, ob die eingegangenen Namensvorschläge umsetzbar sind. Danach benennt der Stadtbezirksrat aus den Vorschlägen sieben Namen, zu denen die direkt betroffenen Anlieger noch einmal befragt werden. Unter Berücksichtigung dieser Rückmeldungen beschließt der Stadtbezirksrat über den neuen Namen. Diese haben allerdings nur den Charakter einer Empfehlung.

Von C. Bohnenkamp

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