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Meine Stadt Gericht soll sie jetzt für tot erklären
Hannover Meine Stadt Gericht soll sie jetzt für tot erklären
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09:52 13.06.2012
Von Annette Rose
Hannover

Das öffentliche Aufgebot hängt an der Anschlagtafel des Amtsgerichts und wird auch im Bundesanzeiger veröffentlicht. Die Verschollene oder Personen, die etwas über ihren Verbleib wissen, werden aufgefordert, sich bis zum 20. September zu melden. Danach erfolgt die amtliche Todeserklärung.
Antragstellerin ist Inka Köntges Zwillingsschwester. Sie ist Abwesenheitspflegerin für die Angelegenheiten der Verschollenen, so Amtsgerichtssprecher Michael Siegfried. Das Verfahren sei möglich, weil seit dem Verschwinden die Mindestfrist von zehn Jahren verstrichen sei. „Über die Hintergründe möchten wir nichts sagen“, so gestern Inka Köntges Mutter.
Die Familie lebt in Hamburg, wo Inka und ihre Schwester zur Schule gingen. Es sei so, dass die Familie einmal abschließen wolle mit dem Geschehen, „das uns immer wieder aufwühlt.“ Sie glaube wie die Kripo an ein Verbrechen. Die Hoffnung, dass es eines Tages aufgeklärt werde, habe sie nicht aufgegeben. „Wir sind Christen, überlassen das jetzt einer höheren Macht.“

Am 10. August 2000 soll die Biologin auf dem Weg mit dem Fahrrad durch die Eilenriede verschwunden sein. Zumindest gab es Zeugen, die eine Frau gesehen haben wollen, die aussah wie Inka Köntges, und die nach dem Weg zur MHH fragte, ihrer Arbeitsstelle. Danach verlor sich die Spur ...
Es gab keine Geldabhebungen mehr von Köntges Konto, kein Lebenszeichen. Die Familie glaubt nicht, dass die Verschollene noch lebt, sonst hätte Köntges Zwillingsschwester jetzt nicht den Antrag auf eine Todeserklärung gestellt. Inka Köntges Ehemann Marc zog schon 2005 einen Schlussstrich. Er ließ sich per öffentlichem Aufgebot scheiden. Der Mann, der in Hameln lebt, heiratete neu. Er zog auch die auf Hinweise über den Verbleib seiner Frau ausgesetzten 20 000 Euro Belohnung zurück.

2006 glaubte die Kripo, eine Spur zu haben. In Indien war eine Frau aufgetaucht, die Inka Köntges ähnlich sah. Sie stammte aus Ricklingen, aber es war nicht die Vermisste. Die Kripo ging auch der Vermutung nach, die gläubige Baptistin könne in ihrer Gemeinde untergetaucht sein, weil es angeblich Streit zwischen dem erst seit zwei Monaten verheirateten Paar gegeben hatte. Der Ehemann, der mit Flugblättern nach seiner Frau gesucht hatte, konnte angeblich mit ihrem Glauben nichts anfangen.

Doch die Ermittlungen in der Baptistengemeinde verliefen ergebnislos. 2001 fahndete Aktenzeichen XY nach der Biologin, auch ohne Erfolg. Laut Oberstaatsanwältin Irene Silinger wurde das Todesermittlungsverfahren 2002 eingestellt.