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Meine Stadt Bewährung: Prostituierte zockt Freier ab
Hannover Meine Stadt Bewährung: Prostituierte zockt Freier ab
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16:53 07.11.2018
DER MANTEL DES SCHWEIGENS: Anwalt Andrija Pancic bedeckt mit seiner Robe seine Mandantin Surina Y. Foto: Quelle: Nagel
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Hannover

Der Volksmund nennt so etwas „blind vor Liebe“. Nun geht es im horizontalen Gewerbe selten um Gefühle. Aber was Marina Y. (26) mit ihren Freier machte, dürfte man wohl „blind vor Lust“ nennen.

Zusammen mit einer Komplizin bot sie Sex zu dritt an. Am Ende waren die Freier in der Ludwig- und in der Reitwallstraße geschröpft, aber unbefriedigt. Wegen Betruges in fünf Fällen wurde die junge Frau am Mittwoch zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. „Sie haben erkannt, dass das nicht der richtige Weg war“, begründete Amtsrichterin Svenja Tittelbach-Helmrich die Bewährung.

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Sex zu dritt

Bei ihren Beutezügen innerhalb von zehn Tagen nahm Marina Y. mehr als 3200 Euro ein. Zunächst koberten sie und ihre Kollegin die Herren an: 60 Euro für einen Dreier hörte sich nach einer Geiz-ist-geil-Nummer an. Doch es war ein teures Vergnügen. Am 22. Mai 2015 verlor ein Freier 1781 Euro. Die Komplizin der Angeklagten forderte ihn auf seine EC-Karte per Slot ins Ipad zu stecken. Bei der Bezahlung sah sie die PIN des Opfers. Anschließend ging sie mit der Karte zur Bank und hob das Geld ab. Währenddessen blieb Sarina Y. mit dem Freier zurück. Anschließend ließen sich die leichten Damen noch eine „Quittung“ über das erhaltene Geld unterschreiben. In den anderen Fällen boten sie an, das abgehobene Geld „abzuarbeiten“. In keinem der verurteilten Fällen kam es aber zur sexuellen Dienstleistung. Der hohe Geldverlust lähmte die Lust.

Die Komplizin (23) der Angeklagten wurde Ende 2017 in Hamburg verurteilt. Sie stand wegen 15 Betrugstaten und räuberischer Erpressung vor dem Jugendschöffengericht. Sie hatte fast 16 000 Euro erbeutet. Das Urteil war hingegen billig: 25 Arbeitsstunden. Dieses geringe Urteil erstaunte auch die hannoversche Amtsrichterin.

Keine Vorstrafen

Wie ihre Kollegin gestand auch Sarina Y. die Taten. Sie habe kaum etwas von dem Geld gehabt, erklärte ihr Anwalt. Seit Ende 2017 sei sie aus dem Rotlicht-Milieu raus. „Sie arbeitet Teilzeit in einem Hotel und lebt bei ihren Eltern“, so der Anwalt. Seine Mandantin möchte gerne eine Ausbildung machen, aber nie wieder in einer Großstadt leben.

Da Sarina Y. keine Vorstrafen hat, war das mit der Bewährung kein Problem. Die Richterin folgte dem Antrag des Staatsanwaltes. Auch der Anwalt war mit der Bewährungsstrafe zufrieden. Nur mit den 100 Arbeitsstunden war er nicht einverstanden. „Bei 50 Arbeitsstunden wäre ich noch mitgegangen.“

Von Thomas Nagel

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