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Meine Stadt Gender-Stern: So emotional lief die Debatte im Rat
Hannover Meine Stadt Gender-Stern: So emotional lief die Debatte im Rat
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09:07 01.03.2019
Die geplanten Sprachregelungen im Rathaus von Hannover sorgen seit Wochen für Diskussionen. Quelle: dpa
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Hannover

Der Genderstern hat den Einzug in Hannovers Verwaltungssprache gefunden. Die neuen Empfehlungen, die die Stadt für geschlechtergerechte Sprache herausgegeben hat, beschäftigen weiter die Politik. Die „Hannoveraner“ hatten zum Thema am Donnerstag eine aktuelle Stunde im Rat beantragt. Ihr Vertreter Gerhard Wruck sieht in den neuen Sprachregeln einen „von linken Extremisten betriebenen Kulturbruch“.

Dieser führe zu „uneleganten und umständlichen Wortungetümen“ sowie „sprachlichen Verkrampfungen“ und sei „nicht literaturfähig“, kritisierte Wruck.

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AfD-Fraktionschef Sören Hauptstein warf Oberbürgermeister Stefan Schostok vor, dass er mit der Genehmigung der neuen Regeln „Hannover bundesweit blamiert“ habe. Sie seien „eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Gleichstellungsbüros, um den eigenen Job zu retten“. Der Bürger habe dadurch „keinen Mehrwert“.

FDP-Mann Patrick Döring sagte, dass das gesprochene und geschriebene Wort nicht zu weit auseinander fallen dürften. Der Gender-Stern sowie „zwanghafte Substantivierungen und Durchpartizipierungen“ würden eher zu mehr Diskriminierung führen, fürchtet Döring.

Auch die CDU sieht die neuen Regeln skeptisch. Ratsfrau Georgia Jeschke warnte, dass dadurch Menschen benachteiligt würden, „die wir mit einfacherer Sprache mitnehmen wollen“. Sprachregeln „von oben“ hätten „noch nie zu einem Umdenken geführt“. Jeschke forderte stattdessen „konkrete Schritte, wie wir wirklich für Gleichberechtigung sorgen wollen“. Zum Beispiel im Rat, wo nur bei den Grünen Frauen nicht unterrepräsentiert seien. Für Sprache sei „Politik nicht zuständig“, so Jeschke.

„Wir stehen dahinter“, erklärte hingegen SPD-Ratsfrau Maxi Ines Carl zum Anliegen der Stadt, die geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung voranzubringen. „Zusammenhalt beginnt schon in der Sprache“, sagte Carl. Die Kritiker der neuen Regeln sollten „die Kirche mal im Dorf lassen“. Es gehe „um Sprache, die alle Menschen anspricht“.

Renee Steinhoff von den Grünen fragte in Richtung der Kritiker: „Haben all diese alten weißen Männer nichts Besseres zu tun?“. Grund für Hysterie gebe es nicht. Es gehe „um Respekt gegenüber Menschen, die sich nicht als Männer verstehen aber auch nicht als Frauen“.

Pirat Adam Wolf warf dem „Hannoveraner“ Wruck ein „Fischen in der trüben, braunen Brühe“ vor. Es sei ein „Segen“, dass der frühere Deutschlehrer „nicht mehr unterrichtet“. In der Kritik an der geschlechtergerechten Sprache sieht er einen „alten Geschlechterkampf alter Herren“.

Von Christian Bohnenkamp

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