Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Gegen das Vergessen: 22 neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer
Hannover Meine Stadt Gegen das Vergessen: 22 neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 11.07.2019
Kindheit in Hannover: Erwin und Grete Pels vor ihrer Wohnung am Goetheplatz. Er starb 1945 im KZ Kaufering. Sie wurde befreit. Quelle: privat
Hannover

22 Schicksale, 22 Opfer des Nationalsozialismus. Wer etwas über sie erfahren möchte, „der muss sich vor ihnen verbeugen“, sagt Gunter Demnig. Der Kölner Künstler hat am Donnerstag neue Stolpersteine in Hannover verlegt. An insgesamt zwölf Orten erinnern die 22 im Boden verlegten Messingplatten an die Gräuel des NS-Regimes.

Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Deserteure. Mit Hammer, Kelle und Mörtel kämpft Demnig dafür, dass ihre Schicksale nicht in Vergessenheit geraten. Die 22 neuen Steine verlegte der Künstler vor den letzten frei gewählten Wohnungen der Opfer.

Wolfgang Frommhold (Kirchröder Straße 18)

Wolfgang Frommhold litt an Taubheit und Epilepsie. 1921 gaben ihn seine Eltern mit 14 Jahren in die Obhut des „Asyls für Epileptische und Idioten“ in Rotenburg. 1940 begann das planvolle Verlegen von Patienten mit dem Ziel der Ermordung. 1941 kam Frommhold nach Sorau, wo laut Recherchen keiner der 40 Rotenburger Patienten überlebte. Auch er wurde ein Opfer der sogenannten „regionalisierten Euthanasie“ im NS-Regime, auch bekannt unter den Bezeichnungen „Aktion Brandt“ oder „wilde Euthanasie“.

Hertha und Grete Pels (Goetheplatz 4)

Am Goetheplatz 4 verlegte Demnig 2007 zwei der ersten Stolpersteine Hannovers für Josef und Erwin Pels, Vater und Sohn einer jüdischen Familie. Mit zwei weiteren Steinen für Mutter Hertha und Tochter Lore Pels kehrte der Künstler am Donnerstag dorthin zurück. Am 15. Dezember 1941 wurde Hertha Pels mit ihren Kindern Lore und Erwin in das Ghetto Riga deportiert. Bis zur Verlegung in das KZ Stutthof im August 1944 gelang es der Kleinfamilie, zusammen zu bleiben. Im Stutthof wurde Erwin Pels von Mutter und Schwester getrennt. Er starb am 10. März 1945 im Außenlager Kaufering des KZ Dachau. Die beiden typhuskranken Frauen wurden nach zweimonatigem Todesmarsch am 11. März 1945 befreit. Hertha Pels starb am 6. Mai 1988 an den Folgen einer Krebserkrankung, Lore Oppenheimer im Alter von 93 Jahren am 28. Juli 2018 in New York. Ihre Steine verlegte Demnig am Donnerstag jedoch noch nicht. „Die Angehörigen aus den USA hätten jetzt nicht dabei sein können. Deshalb werden die Steine erst im kommenden Jahr verlegt“, erklärte Karljosef Kreter, Leiter der Städtischen Erinnerungskultur.

Mit Kelle, Hammer und Mörtel kämpft Künstler Gunter Demnig gegen das Vergessen. In Hannover hat er 22 neue Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes verlegt.

Karl, Johanna, Kurt und Heinz Alfred Neuburger (Podbielskistraße 8)

Am 15. Dezember 1941 gehörte die Familie Neuburger zu den 1001 Juden, die über den Bahnhof Fischerhof nach Riga in Lettland deportiert wurden. Von ihnen überleben bis zur Befreiung 69 Menschen – Mitglieder der Familie Neuburger gehörten nicht dazu. Die Umstände des Todes der Eltern Karl und Johanna Neuburger sowie der Söhne Kurt und Heinz Alfred sind nicht bekannt. An der Stiftung des Stolpersteins für Heinz Alfred beteiligten sich unter anderem seine ehemaligen Klassenkameraden, Ernst-Wolf Kleinwächter und Ernst Gottfried Mahrenholz (beide 90). „Am Morgen nach dem Brand der Synagoge in der Calenberger Neustadt blieb sein Platz leer. Damals kannten wir nicht einmal seinen Namen“, blickte Kleinwächter zurück. Recherchen der städtischen Erinnerungskultur um Karljosef Kreter halfen schließlich dabei, „seinen Namen zurück aus der Vergessenheit zu holen“.

Sophie Küchemann (Ecke Raiffeisen-/Bronsastraße)

Die damals 83-jährige Sophie Küchemann wurde im Juli 1942 aufgefordert, sich zum Transport in das sogenannte „Altersghetto“ in Theresienstadt zu melden. Am 23. Juli 1942 wurde sie vom Bahnhof Fischerhof in Linden aus deportiert. Sabine Dudda, Ur-Enkelin und Stifterin des Steins, berichtete von schrecklichen Schilderungen ihres Großvaters und Sophie Küchemanns Sohn: „Weil sie gehbehindert war, musste er sie mit der Sackkarre zum Bahnhof bringen.“ Im völlig überfüllten Ghetto Theresienstadt hatte die Seniorin nur eine Lebenserwartung von wenigen Wochen. Sie starb am 6. Dezember 1942.

Adolf, Ida und Dirk Salumon (Bunsenstraße 8)

Nach der Auswanderung von Sohn Dirk (1936 in die USA) zogen Adolf und Ida Samulon am 30. November 1938 von der Bunsenstraße in die Bodenstedtstraße und am 15. Februar 1940 in die Braunauerstraße. Anfang September 1941 wurden sie gezwungen, in das „Judenhaus“ in der Ohestraße zu ziehen und am 13. Februar 1942 in die Gartenbauschule Ahlem. Am 31. März 1942 wurde das Paar über den Bahnhof Fischerhof nach Warschau deportiert. Im dortigen Ghetto sind sie verschollen. Sohn Dirk machte in den USA Karriere als Ingenieur. Am 22. Mai 2012 starb er als Dirk Salumon Brady in Cocoa Beach, Florida.

Elise Ahrens (Röntgenstraße 4)

Im Mai 1941 zog Elise Ahrens in das jüdische Altersheim in der Ellernstraße. Am 23. Juli 1942 wurde sie gemeinsam mit den anderen jüdischen Bewohnern, den Ärzten und dem Pflegepersonal in das „Altersghetto“ Theresienstadt transportiert. Zuvor hatte sie gezwungenermaßen für rund 18.000 Reichsmark einen sogenannten „Heimeinkaufsvertrag“ mit dem Deutschen Reich abgeschlossen, der ihr formal lebenslange kostenfreie Unterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung in Theresienstadt zusagte. Die tatsächlich katastrophalen Bedingungen überlebte Elise Ahrens nur wenige Wochen. Sie starb am 30. September 1942.

Emelie Erbse (Husarenstraße 6)

Zusammen mit den anderen hannoverschen Juden wurde Emelie Erbse im Rahmen der „Aktion Lauterbacher“ im September 1941 gezwungen, ihre Wohnung und ihre Einrichtung zurückzulassen und in das sogenannte „Judenhaus“ Brabeckstraße einzuziehen. Am 1. Dezember 1941 wurde sie in das Ghetto Riga deportiert. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Erwin Meyer (Heinrich-Stamme-Straße 3)

Erwin Meyer wanderte Ende 1935 aufgrund der Judenverfolgung nach Südafrika aus. Mit Ehefrau Rena, die er 1939 heiratete, bekam er zwei Söhne: Henry (1945) und Michael (1948). Erwin Meyer starb 1988 in Kapstadt.

Hans Freudenthal (Hasenberg 1)

Nach der Deportation nach Theresienstadt 1943 betreute Hans Freudental als Arzt polnische und russische Waisenkinder aus dem Ghetto Bialystok. Am 5. Oktober 1943 wurden die Kinder unter dem Vorwand, sie würden in die Schweiz gebracht, von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Zusammen mit seiner Freundin Anneliese Jonas und weiteren 51 Betreuern begleitete Freudenthal die 196 Kindern freiwillig nach Auschwitz, wo sie zusammen mit den Kindern ermordet wurden. Das genaue Todesdatum ist nicht bekannt.

Dagobert und Minna Meyer (Heinrich-Stamme-Straße 3)

Anfang Dezember 1938 wanderten Dagobert und Minna Meyer nach Südafrika aus. Mit dem Dampfer „Wangoni“ fuhren sie von Bremen nach Durban in Südafrika, wo sie im Januar 1939 ankamen. In Südafrika lebten sie im Haushalt ihres Sohnes Erwin, der mit Hilfe seiner Ehefrau ein Kurzwaren- und Wäschegeschäft in Vereeniging/Transvaal eröffnet hatte. Im Juni 1943 starb Dagobert Meyer. Seine Ehefrau Minna emigrierte später nach Louisville/Kentucky in den USA zu ihrer Tochter Frieda. Sie verstarb im Dezember 1948.

Gutta Meyer (Hohenzollernstraße 55)

1939 floh Gutta Meyer nach Belgien, wo bereits ihre Tochter Rena mit Enkelin Susanne lebte. 1943 wurde die damals 77-Jährige in Brüssel verhaftet, über Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Rena und Susanne überlebten in Brüssel, geschützt durch Renas zweite Ehe mit einem Amerikaner.

Karl-Wilhelm Meyer-Albrand (Bödekerstraße)

Karl-Wilhelm Meyer-Albrand wurde am 20. Januar 1942 im Zuge von Ermittlungen wegen sogenannter Drückebergerei verhaftet. Sein Arbeitgeber hatte ihn zuvor als UK (unabkömmlich) erklärt, wodurch er dem Militärdienst an der Front entgangen war. Am 8. April verurteilte ihn ein Feldgericht zum Tode. Am 31. März 1944 wurde er im Zuchthaus in Halle ermordet. Sein Grab befindet sich auf dem Gertraudenfriedhof Halle.

Marie, August und Walter Moos (Ferdinand-Wallbrecht-Straße 18)

Ende Juli 1944 wurden Marie, August, Beata, Walter, Susanne und Moos in Zagreb von der SS verhaftet. Nach Aufenthalten in mehreren Gefängnissen wurden sie nach Bergen-Belsen verschleppt. Dort starb die 71-jährige Marie Moos nach wenigen Tagen an Hunger. August Moos wurde am 7. Dezember 1944 nach Buchenwald verlegt und dort am 30. Dezember 1944 ermordet. Beata, Walter und Susanne wurden im April 1945 in Bergen-Belsen befreit. Beata Moos kehrte im Oktober 1945 mit den Kindern nach Hannover zurück. Der 15-jährige Walter starb am 9. November 1945 an den Folgen der Inhaftierung im Lager. Susanne Moos emigrierte 1954 in die USA und starb dort 2003.

Insgesamt hat Demnig schon mehr als 70.000 Stolpersteine in über 20 europäischen Ländern verlegt. Damit ist es das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Für 120 Euro kann man die Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen. In Hannover liegen jetzt insgesamt 423 Stück.

Von André Pichiri

Nach dem Tod eines somalischen Gefangenen gibt es zwei aktuelle TBC-Fälle in der JVA Sehnde. Alles unter Kontrolle, heißt es im Justizministerium. Aber bei Anwälten und Wachtmeister wächst die Angst.

11.07.2019

Sie nahmen nicht nur das Geld ihrer Opfer: Eine Gruppe von Männern hat einen 50-Jährigen in der Calenberger Neustadt bei einem Raubüberfall schwer verletzt. Er war mit seiner 47-jährigen Begleiterin am Freitag vom Schützenfest gekommen.

11.07.2019

Miss-NP-Wahl, Martin Kind zu Gast und viel Spaß auf der Kinderwiese – Zeit für das zweite Donnerstags-Rendezvous im Stadtpark. Die Veranstaltung zum Nachlesen im Liveblog.

12.07.2019