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Meine Stadt Gefährliche Patienten: Als Polizisten die MHH schon einmal bewachten
Hannover Meine Stadt Gefährliche Patienten: Als Polizisten die MHH schon einmal bewachten
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12:00 14.02.2020
Der Bundesgrenzschutz bewacht 1985 die MHH. Der Grund: Ein Terrorist auf der Intensivstation. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Polizisten mit Maschinenpistolen patrouillieren in den Gängen, an den Zufahrten überwachen die Beamten jedes Auto. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist derzeit eine Sicherheitszone. Ein hochrangiges Mitglied der Mafia aus Montenegro soll in der Uni-Klinik sein und dort wegen mehrerer Schussverletzungen behandelt werden.

Das gab es alles schon einmal. 1985 bewachte der Bundesgrenzschutz und die Polizei die MHH. Der Grund war auch damals ein Patient – kein Mitglied der Mafia, sondern ein Terrorist: Knut Folkerts, Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Er wurde 1977 in den Niederlanden unter anderem wegen der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Mit schweren Fahrzeugen bewacht der Bundesgrenzschutz 1985 die MHH. Quelle: Dröse

Nach Hannover kam er, weil er in Haft in einen Hungerstreik getreten war. 54 Tage hielt er aus. Als ihm am 29. Januar 1985 ein Notarzt-Wagen mit Polizeikonvoi in die MHH einlieferte, befand er sich in einer Form des Prä-Komas. Eine Stunde später und Folkerts wäre vermutlich verstorben, hätten ihm die Ärzten damals gesagt.

Folkerts bekam in der MHH einen Decknamen

Folkerts lag zehn Tage auf der Station 34 in der MHH und war komplett isoliert. Er konnte von dort nicht nach draußen schauen und stand unter ständiger Beobachtung. Staatsschutz und MHH-Verwaltung gaben ihm den Deckmanen „Peter Schnabel“.

„Krankenpfleger und Schwester, die reinkamen, waren immer unglaublich freundlich und fragten, ob sie was für mich tun könnten“, sagte Folkerts später. Vor seiner Tür saßen Justizbeamte in OP-Kleidung – und umgeschnallter Pistole. Auf dem Flur marschierten schwer bewaffnete Polizisten auf und ab. Draußen kontrollierte der Bundesgrenzschutz die MHH-Besucher.

Hier kommt niemand ohne Kontrolle rein: Beamte des Bundesgrenzschutz bewachen die MHH in Hannover. Quelle: Dröse

Der Grund für die drastischen Maßnahmen: In der Vergangenheit war es schon häufiger gelungen, dass Terroristen ihre Mitstreiter befreien konnten, begründete es damals das niedersächsische Justizministerium. „Dabei musste berücksichtigt werden, dass es sich bei der MHH um einen sehr weitläufigen Komplex handelt. Die Folgen eines Anschlag oder Befreiungsversuchs wären unübersehbar gewesen.“ Im Falle von Knut Folkerts habe es sogar „konkrete Hinweise“ gegeben.

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