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Meine Stadt Galeria Kaufhof an der Marktkirche bald dicht?
Hannover Meine Stadt Galeria Kaufhof an der Marktkirche bald dicht?
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00:17 30.06.2018
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Hannover

Den Gourmet-Markt im Untergeschoss gibt es schon seit Monaten nicht mehr. Auf viel Fläche präsentiert die Galeria Kaufhof hier relativ wenig Ware. Die Atmosphäre erinnert an die Intershops der DDR – die Hinweisschilder vor den Rolltreppe inklusive. Geschwärzt sind darauf Angebote und Services, die es nicht mehr gibt – und davon gibt es viele. Der erste Blick macht deutlich: Die Galera Kaufhof an der Marktkirche ist ein Sorgenkind.

Als ob der Kaufhof-Konzern nicht Probleme genug hätte. Weil er tief in den roten Zahlen steckt, wird am Freitag in vierter Runde über einen Sanierungs- und Beschäftigungstarifvertrag verhandelt. Wie schon bei Karstadt müssen die Mitarbeiter wahrscheinlich auf das Urlaubsgeld, einen Großteil des Weihnachtsgeldes und weitere tarifliche Leistungen verzichten.

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„Mir persönlich wäre der Erhalt des Standortes das wert. Aber viele Kollegen können sich Abstriche nicht leisten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Mark Philipp Poblete. Er gibt zu, dass unter den knapp 140 Mitarbeiter derzeit Unruhe herrscht. Auch, weil es wieder das Gerücht gibt, Karstadt und Kaufhof könnten fusionieren. Der österreichischen Karstadt-Eigner René Benko und HBC, die kanadischen Muttergesellschaft von Kaufhof, seien in Kontakt, heißt es. Eine enge Zusammenarbeit im Kerngeschäft sei möglich, angeblich auch die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, an dem sich Karstadt mit mindestens 51 Prozent beteiligen könnte.

Zu den Gerüchten über eine Fusion mit Karstadt will sich Kaufhof-Chef Roland Neuwald nicht äußern. „Spekulationen hat es immer wieder geben, wir kommentieren das aber nicht. Unser Interesse ist voll und ganz auf das Wohl der Mitarbeiter und die Zukunft von Galeria Kaufhof gerichtet.“

Bis 2020 soll eine schwarze Null in Sicht sein – wie bei Karstadt. Neuwald schließt Kaufhaus-Schließungen nicht aus. Bei jedem auslaufenden Mietvertrag werde geprüft, „wie wirtschaftlich der Standort ist und ob es noch Sinn macht, ihn fünf bis zehn Jahre weiter zu betreiben.“

Wie sieht es aus in Hannover mit gleich zwei Kaufhof-Filialen? „Wir habe eine schwierige Lage“, findet Poblete. „Die Altstadt müsste belebt werden, dann kämen mehr Kunden ins Haus.“

Filialchefin Susanne Hollenbach verbreitet Optimismus. „Wir arbeiten jeden Tag daran, unser Warenhaus als Bühne für spannende Marken, inspirierende Einkaufswelten und umfassende Services zu präsentieren“, sagt die Geschäftsführerin. Sie sei „aktuell in Verhandlungen mit weiteren interessanten Partnern, um unser Service- und Dienstleistungsangebot abzurunden“. Natürlich würden dann auch die Hauswegweiser überarbeitet.

Von Vera König