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Meine Stadt Für den Maschsee: Stadt pumpt Wasser aus Kiesteichen
Hannover Meine Stadt Für den Maschsee: Stadt pumpt Wasser aus Kiesteichen
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09:04 19.07.2019
Heinz Pyka (Vizepräsident Anglerverband Niedersachsen) zeigt, wie sehr der Pegel an den Ricklinger Kiesteichen gesunken ist. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Der Würmsee in Burgwedel droht auszutrocknen, auch im riesigen Steinhuder Meer wird das Wasser langsam knapp. Die anhaltende Trockenheit macht unseren Gewässern zu schaffen. Umso mehr regt sich beim Fischereiverein Unmut darüber, dass die Stadt unvermindert Wasser aus den Ricklinger Kiesteichen in den Maschsee pumpt. Jetzt prüft die Region, ob der Hahn zugedreht wird.

Dass am Pegelstand des Maschsees laut Stadt „aktuell keine Auffälligkeiten“ zu verzeichnen sind, ist nicht etwa ein Wunder der Natur. Verdunstetes Wasser wird aktuell über einen Zulauf aus den Ricklinger Kiesteichen ausgeglichen. „Nach derzeitiger Situation in den Kiesteichen kann weiterhin Wasser in den Maschsee gepumpt werden“, so Stadtsprecher Dennis Dix.

Heinz Pyka, Vorsitzender des Fischereivereins, sieht das jedoch völlig anders. „Das geht so nicht. Wir haben uns schon gewundert, dass der Wasserstand in den Kiesteichen so schnell gesunken ist.“ Für den Fischer hat der Biotopschutz Vorrang. Das sei in der Vergangenheit mit der Stadt auch so vereinbart und bislang stets berücksichtigt worden. „Es kann nicht sein, dass aus einem naturnahen Gewässer das Wasser abgepumpt wird, um Tourismus und Freizeitsport auf einem künstlichen See aufrecht zu erhalten. Dann können die Ausflugsschiffe eben nicht fahren, wenn es dafür zu flach ist“, stellt Pyka klar. Im August des vergangenen Jahres musste die Maschseeflotte den Verkehr wegen Niedrigwasser einstellen.

Stadt pumpt weiter Wasser in den Maschsee

Auch am Donnerstagmorgen ließ die Stadt unvermindert Wasser aus den Teichen pumpen. Die NP hakte bei der Region als zuständige Genehmigungsbehörde nach. Dort ist der Sachverhalt mittlerweile bekannt. „Wir prüfen derzeit, ob ausreichende Gründe vorliegen, das Abpumpen zu untersagen. Diese Prüfungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, erklärte Sprecher Klaus Abelmann.

Für Fische wird der Sauerstoff knapp

Für Pyka ist die Sache klar: Noch mehr Wasser können die Kiesteiche seiner Ansicht nach nicht entbehren. Tatsächlich ragt das Schilf mittlerweile schon über einen halben Meter aus dem Wasser. „Unterhalb von zweieinhalb Meter haben wir keinen Sauerstoff mehr im Wasser. Wenn jetzt noch abgepumpt wird, bleibt für die Fische bald nichts mehr übrig“, warnt der Gewässer-Experte. Auch den Muschelbänken droht Gefahr. Die teils unter Naturschutz stehenden Arten sterben, wenn der Pegel zu schnell absinkt und sie nicht rechtzeitig ins tiefere Wasser wandern.

Blaualgen an den Ricklinger Teichen

Zu allem Überfluss bekommen die Teiche jetzt auch noch ein Blaualgen-Problem. Das Gesundheitsamt der Region mahnt seit Mittwoch im Sieben-Meter-Teich sowie im Großen Ricklinger Teich zur Vorsicht. Badende werden gebeten, auf die Hinweise vor Ort und auf Trübungen im Wasser zu achten und die entsprechenden Bereiche zu meiden. „Vor allem Kinder sollten nicht in Bereichen mit vermehrtem Blaualgenaufkommen baden und dort vom Planschen im Uferbereich absehen“, sagt Constanze Wasmus, Leiterin des Teams Allgemeiner Infektionsschutz und Umweltmedizin. Auch der Kontakt mit der Haut kann zu Reizungen führen. Die Blaualgen spielen laut Regionssprecher Abelmann eine Rolle in der Frage, ob das Abpumpen in den Maschsee untersagt wird. Im Sieben-Meter-Teich gab es zuletzt im Februar Probleme mit Blaualgen.

Blaualgen: Das müssen Sie wissen

Was sind Blaualgen?

Die Bezeichnung Blaualgen ist trügerisch, weil sie Bakterien ähnlicher sind – und selten blau aussehen. Meist versteckt sich ihr blaues Pigment unter dem grünen Chlorophyll-a. Cyanobakterien ist der korrekte Name für Blaualgen.

Woher kommen dieCyanobakterien?

Cyanobakterien sind in unseren Seen und Flüssen natürliche Teile der Lebensgemeinschaften. Vor allem in nährstoffreichen Gewässern kann es bei anhaltend warmem Wetter zu einem sehr starken Wachstum von Algen und Blaualgen („Blaualgenblüte“) kommen. Je nach Wetterlage können Cyanobakterien auch zur Oberfläche auftreiben und Schwimmteppiche und Aufrahmungen bilden, die der Wind am Ufer zusammentreiben kann. Das kann sehr schnell gehen und ist kaum vorhersagbar

Wie gefährlich sindCyanotoxine?

Cyanobakterien sind giftig und ein Gesundheitsrisiko, insbesondere wenn Wasser mit hohen Konzentrationen geschluckt wird oder in die Atemwege gelangt. Dies passiert am ehesten bei Wassersportarten mit intensivem Wasserkontakt wie Wasserskifahren, Windsurfen, Tauchen und Kopfsprung, aber auch beim Segeln in stürmischem Wetter. Cyanobakterien können Übelkeit, Durchfall und Entzündungen von Hals, Augen und Ohren hervorrufen. Eine Aufnahme von Cyanotoxinen durch die Haut ist unwahrscheinlich. Schwerwiegendere Folgen sind Magen-Darm-Entzündungen, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen. Bei Kindern kann sich Lebensgefahr einstellen, wenn sie viel Wasser schlucken – etwa beim intensiven Toben oder gegenseitigem Untertauchen. In den flachen Bereichen ist oft die größte Konzentration von Cyanobakterien. Für Hunde und andere Haustiere können Cyanobakterien tödlich sein, wenn sie sich nach dem Baden das Wasser aus dem Fell lecken. Manche Hunde mögen auch verrottendes Blütenmaterial am Ufer – auch das kann zum Tod führen.

Worauf solltenBadende achten?

Wenn das Wasser grünlich-trübe ist oder wenn darauf eine grüne Schicht schwimmt („Wasserblüte“): kein Wasser schlucken! Aerosol vermeiden, zum Beispiel beim Wasserski und Windsurfen. Kinder sollten nicht in flachen Bereichen toben, wenn sich dort hohe Konzentrationen von Blaualgen gesammelt haben. Sorgsam die Situation am See in den Blick nehmen und die Wassertiefe prüfen. Dabei langsam ins Wasser waten, ohne Sediment aufzuwirbeln. Wenn Erwachsene von der Kniehöhe die Füße nicht mehr sehen kann, sollten sie und ihre Familien auf das Baden in diesem Bereich verzichten. Nach dem Baden gründlich duschen und Badesachen reinigen, um spätere Hautreizungen zu vermeiden. Wer nach dem Baden gesundheitliche Beschwerden hat, sollte zum Arzt gehen und das Gesundheitsamt informieren.

Irenensee zu flach zum Schwimmen

Der Pegel in den Ricklinger Teichen sinkt jedenfalls weiter. Und Heinz Pyka hofft auf Wasser von oben: „Eine Woche mäßiger, aber anhaltender Landregen wäre optimal.“ Da der momentan jedoch nicht mal ansatzweise in Sicht ist, bleibt die Lage in der Region angespannt. Auch im Irenensee in Uetze hat die Trockenperiode Spuren hinterlassen. Vergleichsweise flach war es hier schon immer. Aktuell liegt der Pegel aber noch einen Meter unter dem normalen Niveau. Zum Schwimmen sei das Wasser mittlerweile schon zu flach, wie ein Beobachter schildert.

Am Silbersee in Langenhagen ist die Lage noch halbwegs entspannt. „Der Wasserstand ist etwas niedriger als normal“, so Stadtsprecherin Juliane Stahl. Der Blaue See (Garbsen) ist aktuell zwischen vier und sechs Meter tief. „Wir haben zwar einen für die Jahreszeit sehr niedrigen Wasserstand, aber von einer Beeinträchtigung für unsere Badegäste kann nicht gesprochen werden“, sagt Inhaber Peter Amend.

Würmsee droht auszutrocknen

Alarmzustand herrscht hingegen am Würmsee in Kleinburgwedel. Teile des Gewässers sind bereits komplett trockengefallen. Die Stadt Burgwedel stemmt sich dagegen, pumpt Frischwasser rein – 1500 Kubikmeter fließen seit Wochen jeden Tag in den See. Das Jahreslimit, das die Region freigibt, ist schon jetzt fast erreicht. Einen Aufschlag von 40.000 Kubikmeter könnte sie noch zusätzlich gewähren. Ohne Regen dürften aber auch die nicht reichen, um den Wasserstand zu stabilisieren.

Selbst am Steinhuder Meer geht die Trockenheit nicht spurlos vorbei. Innerhalb von elf Tagen sank der Pegel um drei Zentimeter auf aktuell nur noch 90 Zentimeter. „Eine Abnahme um einen Zentimeter entspricht dabei einer Verdunstung von 300 Millionen Litern“, rechnete Bettina S. Dörr, Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz vor (NLWKN), vor. „Da nun der Zustrom über das Grundwasser insgesamt abnimmt und zudem Niederschläge in den nächsten Tagen nach wie vor nicht in Sicht sind, ist davon auszugehen, dass der Seewasserstand insbesondere durch die Verdunstung weiter absinkt.“

Von André Pichiri

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