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Meine Stadt Für bessere Wasserqualität: Hannover will Gullys aufrüsten
Hannover Meine Stadt Für bessere Wasserqualität: Hannover will Gullys aufrüsten
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21:22 03.12.2019
IM EINSATZ: Ralf Bosse (50, von links), Tobias Peters (33) und Thomas Wotzny (43) von der Stadtentwässerung kontrollieren in Stöcken einen Gully. Quelle: Ilona Hottmann
Hannover

Das Auto vor der Haustür waschen und das Schmutzwasser anschließend in den Gully kippen – vor allem im Sommer ist das immer wieder zu beobachten. Doch das hat fatale Folgen, denn das schmutzige Wasser gelangt ungefiltert in die umliegenden Gewässer.

Allein in Hannover gibt es 59.288 Gullys. Bei rund zehn Prozent erfolgt die Abwasserleitung über ein 272 Kilometer langes Mischsystem, bei dem sowohl Schmutzwasser aus dem Haushalt als auch Regenwasser in das Klärwerk Herrenhausen fließen. Die übrigen 90 Prozent der fast 60.000 Gullys hängen an einem Trennsystem, Schmutzwasserkanäle sind in Hannover 1117 Kilometer lange, beim Regenwasser sind es 1149 Kilometer. Und das Regenwasser läuft über diesen Weg in die natürlichen Gewässer wie Leine und Ihme – ohne eine Reinigung im Klärwerk.

Grobe Schmutzpartikel wie Laub oder Zigarettenkippen werden von einem Filter zurückgehalten. Quelle: Ilona Hottmann

Saubere Gewässer bis 2027

Regenwasser in dem Gully kann einerseits verunreinigt werden, aber auch Reifenabrieb, Laub, Pollen, Zigarettenstummel, Schwermetalle, Tierexkremente und im Winterhalbjahr gelöstes Streusalz werden über das Regenwasser von den Oberflächen in die Gullys gespült. Der genaue Blick auf die Qualität dieses Regenwassers fände erst seit den letzten Jahrzehnten statt, erklärt Projektleiterin Maike Beier, vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik Hannover. „Zunächst hatte man bei der Entwässerungsplanung nur die Ableitung und Reinigung des Schmutzwassers im Fokus.“ Im Laufe der Jahre wurde deutlich, dass „das Niederschlagswasser nicht so sauber ist, wie angenommen wurde“, so Beier. Durch die Verabschiedung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 – die besagt, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser bis 2027 in einem „guten Zustand“ zu sein haben – habe sich dann der Blick auf die Niederschlagswasserqualität verändert.

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Modellprojekt gestartet

Um die Ziele der Richtlinie in der Landeshauptstadt nach und nach zu erreichen, haben die Stadt Hannover und das Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Universität Hannover in Kooperation mit der Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Berlin sowie dem Unternehmen MeierGuss Limburg GmbH ein Modellprojekt begonnen. Im Rahmen des mit 120.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sowie 125.000 Euro aus Eigenmitteln der Stadtentwässerung und dem Unternehmen MeierGuss finanzierten Projektes wurde überprüft, wie viele Schadstoffe die Gullys aktuell fern halten.

Das gehört nicht in den Gully

Bereits jetzt kann zumindest jeder seinen persönlichen kleinen Anteil dafür leisten, damit die Gewässer in und um Hannover sauber bleiben. Dafür ist einfach nur wichtig, Putzwasser, Essensreste, Öle, Zigarettenstummel, Verpackungen oder andere Schadstoffe nicht in den Gully zu geben. Denn: „Der Gully ist nur für Regenwasser da“, appelliert auch die Stadtentwässerung.

Stattdessen solle Putzwasser besser in der Toilette, im Waschbecken oder in der Badewanne entsorgt werden. Ein Ölwechsel sollte stets an einer Tankstelle oder Werkstatt erfolgen, da diese über spezielle Ölabscheider verfügen, die das Altöl auffangen. Ebenfalls ein wichtiger Punkt: Die Reinigung der Hausfassade, die im Übrigen von der Stadt genehmigt werden muss. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeit nicht in den Gully fließt. Wer dennoch Abwasser und Giftstoffe über den Gully entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld in Höhe von 5000 Euro rechnen. Zudem ist das Parken auf Gullydeckeln verboten, da diese für die Wartung und Reinigung stets freigehalten werden müssen.

„Wir wollten herausfinden, was die Bestandsanlagen im Hinblick auf die Reinigung des Niederschlagswassers leisten können“, so Beier. Konkret ging es darum, herauszufinden inwiefern die derzeitigen Abläufe für eine gute Wasserqualität sorgen und wie sie verbessert werden könnte. „Der Fokus hat dabei auf dem in der überwiegenden Zahl verbauten Modell Hannover gelegen“, erklärt Ylva Lund-Weiß, Sachgebietsleiterin Generalplanung der Stadtentwässerung Hannover. Davon gibt es rund 52.000 Stück, die übrigen etwa 8000 Gullys sind als Trockensandfänge verbaut.

ES GEHT UM DETAILS: Die bisher eingesetzten Gullys lassen die Bildung von Wirbeln zu (Mitte), dadurch aber gelangen zu viele Partikel ins Abwasser. Ziel ist es, diesen Effekt für die nächsten Gully-Modelle zu verändern. Quelle: Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik, Leibniz Universität Hannover

Leistung der Gullys kann noch verbessert werden

Die rund 52.000 Gullys des Modells Hannover halten grobe Schadstoffe, wie Blätter und Sand zurück, so Lund-Weiß. Zudem werden durch einen eingesetzten Tauchbogen Schwimmstoffe (zum Beispiel Leichtstoffflüssigkeiten wie Öl und Benzin) zurückgehalten. „Feinpartikel werden jedoch durch die Entstehung eines Strudels im Tauchbogen nicht ideal aufgefangen“, erklärt Beier. Das könne verbessert werden – vor allem an Straßen mit besonders hohem Verkehrsaufkommen.

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Im Rahmen des Projektes wurde also ein technischer Einbau entwickelt, der die Leistung dieser Gullys noch verbessern könnte. „Dafür haben wir in Testversuchen ein Leitblech eingebaut, dass den Rückhalt der Feinpartikel unterstützt“, erklärt Beier. Mit Erfolg: „Durch das Leitblech wird das Strömungsverhalten im Rückhaltebereich positiv verändert, ein sich ansonsten einstellender Wirbel unterdrückt.“

Weiterentwicklung soll eingebaut werden

Diese Vorrichtung soll nun in den kommenden Jahren dort eingebaut werden, wo es nötig ist. Das müsse jedoch erst noch genau analysiert werden. „Wir wollen prüfen, wie wir die Struktur mit Hinblick auf die Ziele der Richtlinie aufstellen“, sagt Lund-Weiß. Zudem werde an einer verbesserten Abstimmung zwischen der Straßenreinigung und der Entleerung des Nasschlamfangs gearbeitet. So soll beispielsweise zum Ende des Laubfalls im Herbst der Schlammraum möglichst schnell geleert werden, damit der Tauchbogen einwandfrei arbeiten kann.

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Von Cecelia Spohn

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