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Meine Stadt Für Jugendliche - die Ideen-Expo ist Hannovers neues Messe-Aushängeschild
Hannover Meine Stadt Für Jugendliche - die Ideen-Expo ist Hannovers neues Messe-Aushängeschild
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18:23 07.01.2019
GAST AUS DEM ALL: TV-Journalist Ranga Yogeshwar (links) begrüßte 2017 in einer seiner Wissenschafts- shows den deutschen Astronauten Thomas Reiter. Quelle: Fotos: Ideen-Expo GmbH
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HANNOVER

Volker Schmidt ist Hauptgeschäftsführer bei NiedersachsenMetall und 13 weiteren Arbeitgeberverbänden. Zudem ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Ideen-Expo GmbH, die 2007 mit dem Ziel gegründet wurde, junge Menschen für naturwissenschaftliche und technische Berufe zu begeistern.

Herr Schmidt, die Cebit ist der Ideen-Expo mit dem neuen Juni-Termin zuletzt zeitlich auf den Pelz gerückt. Jetzt ist die Computermesse Geschichte. Erleichtert?

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Ich bedaure, dass es die Cebit nicht mehr gibt. Das ist schon ein gewaltiger Imageverlust für Hannover und für Niedersachsen. Ideen-Expo und Cebit hatten allerdings völlig unterschiedliche Zielgruppen. Inhaltlich ist die Ideen-Expo auch ein ganzes Stück mehr als „nur“ Digitalisierung. Wir sind breit aufgestellt, die Themen Mobilität, Nachhaltigkeit, Klima, Life-Science und natürlich auch Informatik und künstliche Intelligenz nehmen bei uns großen Raum ein.

Dann kann die Ideen-Expo ja die Rolle als Hannovers neue Leitmesse von der Cebit eines Tages übernehmen. Zur Ideen-Expo 2017 kamen immerhin gut 360 000 Besucher.

Dann würden wir uns übernehmen. Wir wollen mal schön auf dem Teppich bleiben, auch wenn wir zu den besucherstärksten Messen in Hannover zählen.

Wo geht denn die Reise der Ideen-Expo hin?

2007 haben wir sie ins Leben gerufen als Antwort auf einen sich damals am Horizont abzeichnenden Fachkräftemangel im Bereich der technischen und naturwissenschaftlichen Berufe. Die Ideen-Expo war und ist bis heute ein Instrument für die Nachwuchsgewinnung in diesen Bereichen. Wir brauchen in Deutschland eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Wie sich heute bereits demografisch bedingt abzeichnet, wird dieser Fachkräftemangel perspektivisch exponentiell zunehmen und dürfte nach meiner Einschätzung spätestens im nächsten Jahrzehnt zu einer echten Wachstumsbremse bei uns werden. Die Ideen-Expo will darauf rechtzeitig eine Antwort geben: Sie will jungen Menschen Perspektiven aufzeigen und Unternehmen die Möglichkeit geben, mit einem Stand auf der Ideen-Expo über 350 000 meist jugendliche, technikinteressierte Besucher auf eine berufliche Perspektive bei sich aufmerksam zu machen.

Und wie hat sie sich inhaltlich von 2007 bis heute entwickelt?

Zunächst einmal: Wir berauschen uns nicht an gestiegenen Besucherzahlen. Entscheidend ist, dass Jugendliche die Chance bekommen, sich bei uns auszuprobieren, Kontakte knüpfen und die Ideen-Expo mit dem guten Gefühl verlassen, ein konkretes Berufsziel vor Augen zu haben. Über allem steht, Orientierung zu geben, darum geht es mir auch ganz persönlich. Seit dem Start 2007 haben wir das Mitmachen immer stärker in den Mittelpunkt gerückt, und dies in unterschiedlichsten Themenwelten, heute sind es schon zwölf. Gerade das Handwerk hat sich dabei super entwickelt, es ist eine wichtige Säule der Ideen-Expo. Denn Nachwuchsmangel ist mittlerweile das Thema in vielen Branchen, deshalb müssen wir uns breit aufstellen. Und da hat die Ideen-Expo seit 2007 ordentlich zugelegt.

Inzwischen ist die Veranstaltung Europas größtes Jugendevent für Naturwissenschaften und Technik. Warum gibt es keine Nachahmer?

Es gab wohl in zwei Bundesländern Versuche, das Konzept zu kopieren. Beim Versuch ist es allerdings geblieben. Was uns in Niedersachsen in gewisser Weise ein nationales Alleinstellungsmerkmal gibt, ist sicher der Umstand, dass es bei uns eine vorbildliche Zusammenarbeit gibt von Wirtschaft und Politik, wodurch wir mittlerweile eine Professionalität bei der Ideen-Expo erreicht haben, für die man woanders sicher einen längeren Anlauf bräuchte. Aus dem Stand ist so eine Veranstaltung nur schwer zu wuppen. Aber: Die Ideen-Expo, auch die Marke Ideen-Expo, gehört zu Hannover, gehört zu Niedersachsen – und die geben wir nicht her, um es mit den Worten des Ministerpräsidenten zu sagen. Gleichwohl gibt es auf diese Art von Technikshows natürlich kein Monopol, jedem steht es frei, woanders einen Versuch zu starten.

Am Beginn Ihrer Arbeit bei der Ideen-Expo GmbH haben Sie noch Klinken putzen müssen, wie Sie damals sagten, um den Etat für die Veranstaltung zusammen zu bekommen. Müssen Sie das heute auch noch?

Die Ideen-Expo ist kein Selbstläufer, sie muss jedes Mal hart erarbeitet werden. Inzwischen haben wir einen Etat von 17 Millionen Euro. Wir müssen immer wieder aufs Neue Sponsoren gewinnen, und die Aussteller müssen selbstverständlich gepflegt werden. Was mich sehr freut: Die Zufriedenheit der Aussteller ist extrem hoch. Immerhin werden 99 Prozent der Aussteller von 2017 im Juni 2019 wiederkommen. Das sagt schon viel über den Erfolg der Veranstaltung aus. Trotzdem werden wir die IdeenExpo nicht eins zu eins wiederholen. Das geht auch gar nicht, denn der Bedarf an Fachkräften und auch die Themen entwickeln sich ständig weiter.

Wer sind denn Ihre großen Unterstützer im Juni?

Zum Beispiel der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, die Salzgitter AG, VW, Wabco, Siemens, Sartorius, Microsoft, Pirelli, Goodyear – um nur einige wenige zu nennen. Dazu kommt diesmal das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit gleich sechs großen Ständen. Das BMBF sieht in unserer Ideen-Expo einen wichtigen Teil der MINT-Strategie der Bundesregierung. Außerdem weitere Landes- und Bundesministerien und, ganz wichtig, Universitäten aus ganz Deutschland. Aufgrund unserer bundesweiten Bedeutung, jeder zweite Besucher kam 2017 immerhin von außerhalb Niedersachsens, findet die Eröffnungs-Pressekonferenz diesmal auch in Berlin statt. Die Ideen-Expo ist ein nationales Event geworden, das macht uns auch ein bisschen stolz.

Noch mal zum Geld. Haben Sie Ihren Etat für den Juni schon zusammen?

Noch nicht ganz. Ich gehe aber davon aus, dass im Laufe des ersten Quartals die Finanzierung endgültig steht.

Was dürfen Besucher im Juni erwarten? Keine Wiederholung von 2017, das sagten Sie bereits. Und sonst?

Wir wachsen weiter, es kommt eine weitere Halle hinzu. Die Zahl der Aussteller wird bei 270 bis 300 liegen und damit zehn bis 20 Prozent höher als 2017. Dazu gibt es drei neue Themenbereiche, etwa die Klimazone in Halle 8. Hinzu kommt neu die Halle 6 als Mobilitäts-Arena, in der sich vieles um das Thema Elektro-Mobilität dreht, auch um autonomes Fahren, Connectivity und neue Werkstoffe. An drei Tagen findet dort außerdem die „RoboCup Junior Euro 2019“ statt, die Europameisterschaft der Robotik mit 150 Teams. Die Teilnehmer kommen aus ganz Europa! Anlässlich des 50. Jubiläums der ersten Mondlandung präsentieren wir das „MoonVillage“. Die Mondlandefähre Apollo 11 steht dann im Maßstab 1:1 auf dem Gelände. Wir wollen damit eine Brücke zur Raumfahrt von heute bauen und neue Faszination für das Thema Raumfahrt wecken.

Ein Spruch sagt: Wenn‘s am schönsten ist, soll man aufhören. Gilt der auch für die Ideen-Expo?

Nein! Um es mit dem großen Fußball-Philosophen Olli Kahn zu sagen: Niemals aufgeben! Immer weitermachen, immer weiter!

Von Andreas Voigt