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Meine Stadt Frischer Wind für Uetze
Hannover Meine Stadt Frischer Wind für Uetze
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19:00 24.07.2018
SUCHEN MITSTREITER: Hans Mönninghoff (links) und Marcus Biermann vor der alten Anlage in Uetze. Quelle: Foto: Wulf-Dettmer
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HANNOVER

Energiewende von unten – mit diesem Slogan und einer Rendite, die sich sehen lässt, wirbt die Genossenschaft Naturenergie Region Hannover um Mitstreiter. 2008 an den Start gegangen, hatte sie zunächst ausschließlich auf Photovoltaikanlagen gesetzt. Als neuer Baustein zur Stromerzeugung von erneuerbarer Energie kommen jetzt Bürgerwindparks dazu – die ersten in Uetze.

Den Genossenschaftsgründer Marcus Biermann war Hannovers Ex- Umwelt- und Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff kennengelernt, als er noch in städtischen Diensten war und in Eldagsen (Springe) lebte. „Die Bauern wollten einen Windpark bauen“, erzählt er. „Das Projekt ist am Schwarzstorch gescheitert, der dort entdeckt wurde.“

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Der auch im Ruhestand umtriebige Ex-Erste Stadtrat (als erstes Projekt baute er Brunnen in Afrika) ist inzwischen überzeugter Genossenschafter bei Naturenergie – und Aufsichtsratsvorsitzender dazu. Strom aus der Region für die Region sei ein wundervoller Ansatz, schwärmt er. Und die Wertschöpfung der Millionenprojekte bleibe hier.

Die Genossenschaft mit 250 Mitgliedern betreibt inzwischen 18 Photovoltaikanlagen mit 15 000 Quadratmetern Solarmodulfläche. Damit erzeugt sie so viel Strom, wie etwa 1200 Menschen in der Region jährlich verbrauchen. Mit einem Mindestanteil von 2000 Euro kann man sich beteiligen und auf eine Dividende von etwa drei Prozent setzen.

Weil geeignete Flächen für Photovoltaikanlagen knapp sind, haben sich 182 Genossenschaftler zusätzlich in Bürgerwindparkgesellschaften engagiert und für elf Projekte den Zuschlag erhalten. Als Erste gehen zwei Anlagen in Uetze in Betrieb (Gesamtkosten 43 Millionen Euro). Mit einer Nabenhöhe von 139 Metern und einer Leistung von 3,4 Megawatt ersetzen sie Windräder mit kleinerer Höhe und nicht mal halb so viel Leistung. Baugenehmigungen für sieben Windkraftanlagen liegen vor; sie können Strom für 25 000 Menschen erzeugen.

„Wir betreiben diese Windparks und vertreiben im Verbund mit anderen deutschen Genossenschaften unseren Ökostrom“, sagt Biermann über den frischen Wind aus Uetze. Gebaut würden die Parks vom Projektentwickler BayWa r.e.

40 Gesellschafter beteiligen sich an den Anlagen mit Summen zwischen 8000 und 80 000 Euro. Auch die Stadt Uetze überlegt, sich finanziell zu engagieren. Die Einspeisevergütung ist garantiert für 20 Jahre und wird mit 3,5 Prozent fest verzinst. Gesellschaftereinlagen und Bankdarlehen sichern die ersten Investitionen.

„Wir folgen einem neuen Trend“, versichert Mönninghoff. Schon heute beteiligten sich eine Million Deutscher in irgendeiner Form an Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie. 40 Prozent der installierten Leistung gehöre Privatpersonen.

Von Vera König