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Meine Stadt Friedhof: Paten für die Ewigkeit
Hannover Meine Stadt Friedhof: Paten für die Ewigkeit
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06:28 12.08.2019
OPULENT: Das Mausoleum der Familie Bellers benötigt einige Reparaturarbeiten. Quelle: Fotos: Wilde
Hannover

Die Muse bröckelt. Am Fuße des Grabmals des einstigen Hofkapellmeisters Karl Ludwig Fischer (1816–1877) sitzt sie, die Frauenfigur. Der einstige Bildhauer und Kunstvereinsvorstand Eduard Taeger hatte sie aus Sandstein geschaffen. Mit dem rechten Arm stützt sie sich auf eine Laute als Sinnbild für die Muse. In der linken Hand hält sie einen Lorbeerkranz als Zeichen für die Ewigkeit. „Aber schauen Sie hier“, fordert Cordula Wächtler, die Leiterin der städtischen Friedhöfe, und zeigt auf ein Stück Stein am Boden: Es ist der Fuß der Dame, jedenfalls ein Stück davon.

Das Grabmal Karl Ludwig Fischers zerfällt. Der Sandstein ist schön, er ist ein beliebtes Baumaterial, der Kölner Dom ist genauso aus Sandstein gebaut wie der Berliner Reichstag. Dennoch gilt der Sandstein als nicht besonders widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse. Er kann bröckeln, wie Fischers Muse.

Selber dort beisetzen lassen

„Die Stadt ist verpflichtet, die sogenannte Verkehrssicherheit solcher Grabmale aufrecht zu erhalten“, erläutert Cordula Wächtler, als sie vor dem Grabmal auf dem Stadtfriedhof Engesohde steht. Verpflichtet ist die Stadt schon allein deswegen, weil der Friedhof als Gartendenkmal komplett unter Denkmalschutz steht. „Aber was wir nicht leisten können, sind Reparaturen zur Verschönerung der Grabanlage.“ Darum hat sich die Stadt schon in den 1990er Jahren ein Programm ausgedacht: Wer möchte, kann die Patenschaft über Grabmale wie das des früheren Hofkapellmeisters übernehmen. Es von einem Steinmetz restaurieren lassen, eine Patenschaftsvereinbarung unterzeichnen, das Grab pflegen. Und sich dann schließlich selbst dort beisetzen lassen.

Neben dem Fischer-Grab stehen aktuell 30 weitere Gräber auf dem Stadtfriedhof Engesohde an der Orli-Wald-Allee in der Südstadt für Patenschaften zur Verfügung. Cordula Wächtler zeigt unter anderem das von Richard Schütze. Auf einem Steinquader lehnt sich eine Figur zurück, blickt in den Himmel. Es ist eine Statue des Bildhauers August Waterbeck (1875–1947), der selbst auf dem Stadtfriedhof Engesohde beigesetzt ist. Oder das von Marie Lenz: Es ist aus Granit gearbeitet, die Platte müsste gereinigt werden. „Daran ist nicht viel zu tun“, schätzt Friedhofsleiterin Wächtler.

Patenschaft ist keine Adoption

Die Grabdenkmäler erhalten, die den 22 Hektar großen Stadtfriedhof Engesohde prägen, das ist das Ziel des städtischen Patenschaftsprogramms. Es soll den Charakter des Friedhofs sichern, den der damalige Stadtbaumeister Ludwig Droste von 1861 bis 1864 hatte anlegen lassen. Als ersten kommunalen Friedhof Hannovers, damals noch auf dem sogenannten Engesohder Berge am Rande der Döhrener Feldmark. Viele Persönlichkeiten der hannoverschen Stadtgesellschaft haben hier ihre letzte Ruhe gefunden: Landschaftsmaler Edmund Koken (1841–1872) etwa, genauso wie Dichter Kurt Schwitters (1887–1948) oder Flugpionier Karl Jatho (1873–1933).

Lesen Sie hier zum Thema Baumpatenschaft: Die Patin mit dem grünen Daumen

Wer sich für solche Patenschaften interessiert? „Menschen, die sich früh Gedanken machen, wo sie ihre letzte Ruhe finden wollen und die sich eine außergewöhnliche Grabstätte wünschen“, beschreibt Friedhofsleiterin Wächtler. „Und solche, die den Wert von historischen Grabanlagen schätzen.“ 

39 Menschen haben bereits Patenschaften auf dem Stadtfriedhof Engesohde übernommen, vier sind es auf dem Stadtfriedhof in Stöcken, einer in Ricklingen. Wichtig für die Paten zu wissen, sei zweierlei: Zum einen müssten sie sich im Klaren sein, dass die Namen der Verstorbenen auf den Grabsteinen erhalten blieben und dass überlegt werden müsse, wo neue Namen gegebenenfalls unterkämen. „Eine Patenschaft ist ja keine Adoption“, formuliert es Wächtler, das Grab müsse in seiner ursprünglichen Form erhalten bleiben. Und dann müsse auch klar sein, wer sich nach dem Tod der Paten weiterhin um das Grab kümmere.

Sei all das geregelt, ließe sich sogar die Patenschaft über ein Mausoleum übernehmen. Auch das zeigt Wächtler: Es ist die Grabstätte der Familie Bellers, „Getreu bis in den Tod“ steht als Motto daran, vermutlich führt es zurück auf die Händlerfamilie von der Georgstraße, die in einer Reklame von 1909 ihr „Spezial-Geschäft für Geschenk-Artikel“ bewirbt. Ihr Mausoleum ist zweigeschossig, im Keller ist Platz für sieben Bestattungsplätze. Bislang ist die Grabstätte mit Efeu überwuchert, einige Steine wirken lose, die Tür müsste sicher erneuert werden. „Aber dann“, sagt Cordula Wächtler, „können Sie sich sogar im Mausoleum bestatten lassen. Wer hat das heute schon noch?“

Die größten Friedhöfe Hannovers

Top 5

Viele dächten, der Engesohder Friedhof sei der größte der Stadt, weiß die städtische Friedhofsleiterin Cordula Wächter. Tatsächlich ist er nur die Nummer 5. Hier die Übersicht:

1) Der Stadtfriedhof Seelhorst ist mit 63 Hektar Fläche der größte der städtischen Friedhöfe Hannovers. 1920 ist er eröffnet worden, er beherbergt etwa 35.000 Grabstätten. Zu den Besonderheiten gehören unter anderem eine niederländische Kriegsopfergedenkstätte sowie eine buddhistische Urnengrababteilung.

2) Der Stadtfriedhof Stöcken misst 55 Hektar Fläche, 17.000 Grabstätten sind dort untergebracht. Die erste Beisetzung fand 1891 statt. Zu den Besonderheiten gehört unter anderem ein muslimisches Gräberfeld sowie das Ehrengrab von Hinrich Wilhelm Kopf (1893–1961), dem ersten Ministerpräsidenten Niedersachsens.

3) Der Stadtfriedhof Ricklingen verfügt über eine Fläche von etwa 54 Hektar, 30.000 Grabstätten sind dort untergebracht. 1908 war er für die damalige Stadt Linden angelegt worden. Zu den Besonderheiten auf dem Friedhof gehören die Räume der Stille: In ihrem Zentrum ist ein grüner Andachtsraum hinter einer Hainbuchenhecke angelegt, fünf weitere sogenannte Stille Räume laden Besucher ein, sich mit dem Thema Trauer und Abschied zu beschäftigen.

4) Der Stadtfriedhof Lahe ist 37 Hektar groß, er beherbergt gut 25.000 Grabstätten und wurde 1968 angelegt. Er ist der jüngste der hannoverschen Stadtfriedhöfe. Zu den Besonderheiten der Anlage gehört ein Gräberfeld für Jesiden, die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft werden unter anderem im Norden des Iraks verfolgt.

5) Der Stadtfriedhof Engesohde misst 22 Hektar, er bietet Platz für 18.000 Gräber und ist 1864 eröffnet worden. Viele Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft sind dort beigesetzt, darunter der einstige Bürgermeister Arthur Menge (1884–1965), der frühere Architekt und Königliche Baurat Ferdinand Wallbrecht (1840–1905) oder Hermann Kestner (1810–1890), der die Kunstsammlung seines Vaters Georg (1774–1867; ein Patenkind Johann Wolfgang von Goethes) sowie seines Onkels August (1777–1853) der Stadt Hannover als Grundbestand für das Kestner-Museum schenkte.

Von Verena Koll

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